Freitagnachmittag, Berufsverkehr. Die Schlange an Autos schiebt sich entlang der Luitpoldstraße aus der Stadt. Zwischendrin schwimmen die Radler mit. Doch heute ist etwas anders: Auf 50 Metern lädt ein geschätzt 2,50 Meter breiter Bereich, abgegrenzt durch Baustellenbarken, zum Befahren ein. Ein sogenannter Pop-Radweg, den der Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Bamberg zusammen mit Greenpeace auf die Straße gebracht hat.

"Das ist ja traumhaft. Vielen Dank!", ruft eine Fahrradfahrerin den Aktivisten zu. "Gerade die Strecke von der Innenstadt zum Bahnhof ist so ein Flickenteppich. Da wäre es gut, wenn der Radweg bleiben könnte", findet der Student Jonas Langlotz. Die Aktion ist nämlich nur für eine Stunde genehmigt.

"Rad wird an den Rand gedrängt"

Elke Pappenscheller kennt gute Gründe, warum es eine dauerhafte Lösung fürs sichere Radeln bräuchte: "Der Radverkehr landet hier mitten im Verkehr ohne Radverkehrsanlage. Das Rad wird hier an den Rand gedrängt." Das sei besonders für ältere Menschen und Eltern mit Kindern eine Gefahr. Pappenscheller ist langjähriges Vorstandsmitglied des ADFC in Bamberg und möchte sich nicht nur für die Verbreiterung bestehender Radwege stark machen: An der Nordseite des Regensburger Ringes könnte ein weiterer dauerhafter Pop-Up-Radweg die Strecke Richtung Gaustadt und Cherbonhof überbrücken, bis der im vierten Bauabschnitt geplante Radweg tatsächlich gebaut wird. "Damit wäre ein kurzfristige Lösung machbar", ist sich Pappenscheller sicher. Bis jetzt sei das Fahrradfahren an dieser Stelle aufgrund der umständlichen Verkehrsführung zeitintensiv und dadurch unattraktiv.

In einer aktuellen Pressemitteilung fordern Grünes Bamberg, SPD, Volt und ÖDP bereits die Prüfung zur Einrichtung von Pop-Up-Radwegen. Jetzt, da man auch darüber nachdenke, den Regionalen Omnibusbahnhof zeitweise in der Ludwigstraße anzusiedeln, müsse auch hier das Rad mitgedacht werden. "Wir müssen den Menschen, die zunehmend mehr aufs Rad umsteigen, auch etwas anbieten, damit sie weiterhin Rad fahren", fordert die Fahrradbefürworterin.

Kein Wunder: Fahrräder wandern zurzeit über die Ladentheke wie frisch gezapfte Seidla an der Sandkerwa. Bereits 2015 schwangen sich die Leute für 31 Prozent der Fahrten in den Sattel. Das ist der höchste Radverkehrsanteil in Bayern. 2025 sollen es mindestens 35 Prozent sein. Wenn die Coronabeschränkungen wieder gelockert werden, gehen auch wieder die Ausfahrten und Erwachsenfahrkurse des ADFC weiter, verspricht Pappenscheller.

Reihe von Maßnahmen umgesetzt

Die Stadt Bamberg hat im vergangenen Jahr manches für den Radverkehr angeschoben: Zahlreiche neue Bügel ermöglichen ein sicheres Anketten. Mehrere Grünabbiegepfeile machen das Radeln schneller. Bamberg-Mitte ist nun offiziell Fahrradquartier.

Und mit dem Verkehrsversuch in der Friedrichstraße stadteinwärts und an der Kreuzung am Markusplatz wurde ab Sommer 2019 der Platz neu verteilt zu Gunsten des Zweirads und für eine sichere Verkehrsführung. Nun, ein Jahr später, sollen die Auswirkungen überprüft werden. Werden sich die beiden Versuche behaupten können?

Christian Hader von der Initiative Radentscheid ist guter Dinge: "Ich habe fast nur positive Stimmen dazu gehört. Vor allem von Eltern". Auch wenn die Chancen für den Versuch in der Friedrichstraße gut stehen, dürfe man den Abschluss der sogenannten Cityroute 8 nicht vergessen. Diese Strecke führt von Bamberg Ost über die Starkenfeldstraße, am Marienplatz vorbei bis hin zum Schönleinsplatz. "Gerade für den Lückenschluss am Marienplatz haben ADFC und Radentscheid bereits Ideen vorgelegt", bekräftigt der Fahrradfan Hader. Damit werde auch der dortige Schulweg sicherer.

Hader würde am liebsten große Projekte wie die Neugestaltung der Langen Straße angehen. Das hieße auch, mehr Geld pro Einwohner pro Jahr als die jetzigen fünf Euro auszugeben. Bis es soweit ist böten aber auch die Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung Chancen für die Stärkung des Radverkehrs: "In den engen Bahnunterführungen und in der Langen Straße könnte man das Überholen von Fahrrädern verbieten." Auch weitere Grünpfeile für Radler würden eine kostengünstige Variante darstellen. Jetzt müsste noch die Kontrolldichte der Stadt mithalten, um die Regeln auch durchzusetzen.

Und wie ist die Stimmung in der Stadt? "Mit den neuen Mehrheiten im Stadtrat habe ich die Hoffnung, dass sich mehr bewegt", findet Vorstandsmitglied Pappenscheller. Auch Hader sieht bessere Chancen, dass die Vorschläge aus der Verwaltung mehr geschätzt werden können. Denn: "Gegenseitige Rücksichtnahme funktioniert am besten bei guter Infrastruktur."