Die gut gepackte Einkaufstasche wandert in den Kofferraum des Autos. Mandeln, Milch, ein Stück eingepackter Käse, ein Netz Orangen, Bananen, eine Packung Mehl und einige weitere Lebensmittel befinden sich darin. Das Ergebnis von gut einer Stunde Einkaufstour. Das Geld für den Einkauf - gut 30 Euro - liegt in einem Kuvert. Ibo Mohamed stellt die Sachen ab und der ältere Herr am Steuer bedankt sich herzlich, bevor er wieder zurück nach Stegaurach fährt. So erzählt es der Auszubildende am Handy.

Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen im Freistaat hat Mohamed und sein Bruder Mostapha eine Nachbarschaftshilfe-Gruppe in Bamberg auf die Beine gestellt, welche den älteren Menschen, die sich nicht mehr zum Einkaufen nach draußen trauen, unter die Arme greift. "Ich bin sehr froh zu sehen, wenn Menschen anfangen, ihren Nachbarn zu helfen", hält Mohamed fest, der selbst aus Syrien geflüchtet ist und nun selbst Hilfe anbieten möchte, nach dem er viel Unterstützung erfahren hat. Per WhatsApp, per Mail und Telefon lässt sich die Gruppe von mittlerweile 60 Helferinnen und Helfern erreichen.

Helfer wie zum Beispiel Christina. Die BWL-Studentin hat es sich zur Aufgabe gemacht, für eine 90 Jahre alte Dame einkaufen zu gehen, welche auf die Nachbarschaftshilfe gestoßen ist. "Nachdem der Probeeinkauf gut geklappt hat, haben wir uns darauf verabredet, immer dienstagsabends zu telefonieren, um die Einkaufsliste zu klären", erzählt Christina. Mittwochs kommt dann der Wocheneinkauf. Das heißt: Gut aufpassen nichts zu vergessen. Hände waschen und die Einkaufstaschen bei der Rentnerin aufs Fensterbrett im Treppenhaus abstellen. Den Abstand zu wahren ist wichtig.

Wer selbst helfen wolle, müsse auch Spaß an der Sache haben. Die Studentin will aber nicht nur helfen, sondern auch informieren: "Ich erinnere an das Händewaschen und rate der Frau, nicht dann spazieren zu gehen, wenn alle draußen unterwegs sind", erklärt Christina. Aber nicht nur die Tipps können wertvoll sein: "Ich glaube, dass der Kontakt zur Außenwelt und zur Jugend wichtiger ist als der Einkauf an sich." Schließlich hat sie bereits Erfahrung: Vor einiger Zeit hat die Studentin auch ihre eigene Großmutter gepflegt.

Auf einen Kaffee einladen

Am liebsten würde die rüstige Bambergerin natürlich selbst einkaufen gehen. Auch wenn das vielleicht noch etwas dauern könnte, ist die Frau der Studentin bereits ans Herz gewachsen: "Wenn das alles vorbei ist, habe ich ihr versprochen, dass ich sie auf einen Kaffee einlade", macht die Helferin klar.

Aber nicht nur in Sachen Wocheneinkauf stellen sich ganz neue Hürden auf. Auch der Weg zu Kita und Kindergarten sieht mittlerweile anders aus: "Als die Busse nur noch nach dem Sonntagsfahrplan fuhren, war das wirklich schwierig, unsere Kinder morgens zu begleiten", erzählt die Mutter Lena am Telefon. Die Familie wohnt in einem entlegeneren Stadtteil und hat kein eigenes Auto. Dazu ist die nächste Haltestelle aufgrund einer Baustelle verlegt worden. Dank der Hilfegruppe kümmern sich nun sechs junge Menschen im Wechsel darum, die Kinder per Auto abzuholen und sie auch wieder zurückzubringen. "Ich hätte nicht erwartet, dass sich so schnell engagierte Leute melden würden", meint die Mutter, deren Kinder zwei und drei Jahre alt sind.

Ihre Befürchtung: Die Helfer könnten selbst Angst vor einer Infektion haben. Es läuft aber alles entspannt. "Ich hoffe, die Menschen schauen auch nach der Krise mehr nacheinander und sind weniger egoistisch", formuliert Lena ihren Wunsch. Schon jetzt ist für die Frau klar: Die Welt wird anders sein, als sie bis jetzt war.

Gewisse Vorbehalte

Diese Hoffnung teilt der Initiator der Hilfsgruppe: "Diese Krise ist eine Erfahrung für uns alle, in der wir lernen, wie wichtig Frieden und Freiheit sind", gibt sich Mohamed zuversichtlich. Er hat das Gefühl, dass die Menschen die Dinge weniger für selbstverständlich betrachtet werden. Dennoch merkt er, das gewisse Vorbehalte im Raum stehen. Denn bis jetzt haben nur ein paar Familien und Einzelpersonen die Hilfe tatsächlich in Anspruch genommen. "Wir gehen verantwortungsvoll mit den Aufgaben und dem Geld der Menschen um", versichert der Auszubildende. Gleichzeitig gelte: "Man muss jeder Generation die Chance geben, sich zu beweisen. Egal, ob es junge Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund sind."