In unsicheren Zeiten hat Mario Wolff im Mai in Walsdorf sein Amt als Bürgermeister angetreten. Zwar haben sich die direkten Auswirkungen der Corona-Pandemie inzwischen abgeschwächt, doch das Damoklesschwert der der konjunkturellen Folgen hängt über Walsdorf wie über jeder Gemeinde. "Man kann sich einen besseren Einstieg vorstellen", sagt Politik-Neuling Wolff, der als Kandidat der Freien Liste (FL) am 15. März auf Anhieb 65 Prozent der Walsdorfer Wählerstimmen erhielt, angesichts der Ungewissheit über künftige Steuereinnahmen.

In Walsdorf betrifft dies weniger die Gewerbesteuer, auch wenn die Einnahmen daraus im Haushalt, der gerade aufgestellt wird, bereits niedriger angesetzt werden. Es ist vor allem der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer, der sich in den kommenden Jahren bemerkbar machen kann.

Aber wenigstens einen positiven Aspekt von Corona kann Wolff für sich verbuchen, der als ehrenamtlicher Bürgermeister weiterhin in seinem bisherigen Hauptberuf als Wirtschaftsingenieur bei einem Baunacher Unternehmen tätig ist. Die Firma hat nun auch Homeoffice möglich gemacht - und so lässt sich beider einigermaßen verbinden. Vor allem weil er gleich in der Nachbarschaft des Rathauses wohnt.

Zusammengenommen ergibt das jedoch mehr als einen Vollzeitjob. Derzeit sieht sein Tagesablauf ungefähr so aus: "Um sechs Uhr bin ich am PC. Gerade kalkuliere ich ein Projekt für die Türkei. Um zehn geht es dann für fünf Stunden ins Rathaus, danach wieder zu Hause an den PC. Und am Abend habe ich dann noch eine Besprechung - als Bürgermeister." Und Zeit für die Familie, mit drei Kindern im Alter von einem, vier und sieben Jahren, soll schließlich auch noch da sein.

Ohne Feste fehlt etwas

Mario Wolff ist dennoch optimistisch, dass das "Kein Dauerzustand" wird. "Das muss sich noch einspielen, dass man wieder mehr Zeit für die Familie hat." Immerhin ist für den Sommer jetzt "eine Woche Urlaub im Allgäu geplant. Da kriegt man beim Wandern mal wieder einen freien Kopf", freut sich Wolff.

Als Bürgermeister ist der Kopf vor allem damit beschäftigt, bereits begonnene Großvorhaben der Gemeinde zügig durchzuführen. Zum Beispiel den Neubau des Kindergartens und den Umbau und die Sanierung von Herzoghaus und Herzogscheune, wo Räume für Vereine und Veranstaltungen entstehen sollen.

Dass Veranstaltungen und Feste derzeit nicht stattfinden können, bedauert Wolff sehr. Denn da "fehlt der Kontakt, der Austausch mit den Bürgern, das Feedback". Als einer, der "von Geburt an im Dorf verwurzelt" ist, sei ihm das schon wichtig.

Genauso wichtig sei ihm, als gelernter Ingenieur, stets das nötige Wissen zu haben, um Entscheidungen treffen zu können. "Kein Problem" sieht er da für sich, wenn es etwa um technische Projekte geht. Etwa um die Kläranlage, die irgendwann in Angriff genommen werden müsse, oder etwa ein Nahwärmenetz. Neue Felder seien für ihn dagegen etwa das Verwaltungsrecht und das Baurecht.

"Die Zeit im Rathaus vergeht schnell", stellt Wolff jedenfalls fest. Da sind zum einen die laufenden Vorhaben, die viel Energie erfordern. Aber auch die "Themen die nebenbei laufen, für die man Lösungen finden muss". Ein Beispiel: Ein Schausteller hat angefragt, ob er während der Zeit der - abgesagten - Kirchweih einen Süßigkeitenstand am Marktplatz aufstellen darf. Wolff hat viel Verständnis für den Mann, muss aber noch prüfen, was als Lösung sinnvoll und möglich ist.