Die Jura-Gemeinde mit rund 1300 Einwohnern darf sich über ein reges Vereins- und Gemeinschaftsleben freuen. Doch es wird eng: "Wir sind 47 aktive und 22 passive Feuerwehrleute, dazu kommt die Jugendfeuerwehr. Im jetzigen Haus ist kein Platz, um mal zusammenzusitzen. Die Heizung geht auch nicht", erklärt Belinda Stadter von der Königsfelder Wehr. "Außerdem haben wir nur ein Tor für zwei Fahrzeuge - wenn das große raus soll, muss erst jemand das kleine wegfahren."

Auch andere Gemeindeorganisationen klagen über Platznot: "Unsere Bücherei ist gerade in der Pfarrei untergebracht", sagt Leiterin Eva Körber. "Wenn zwei Familien da sind, wird's schon eng. Erst recht, wenn Schulklassen da sind." Und die etwa 25 Mitglieder des Gesangsvereins Liederkranz Königsfeld treffen sich derzeit im Rathaus zum Singen. "Optimal ist das nicht, und für unsere Fahne ist da auch kein Platz", sagt Vorsitzender Hans Pitterich.

Viele Entwicklungsmöglichkeiten

All diese Probleme könnten aber bald gelöst werden. Mehr noch: "Wir haben dann kein Platzproblem, sondern eher ein Problem, den Platz zu füllen", sagte Leonhard Valier vom Bamberger Büro für Städtebau und Bauleitplanung in einer der letzten Gemeinderatssitzung, in der er über die Nutzungsmöglichkeiten des ehemaligen Gasthofs Thein informierte.

Vor zwei Jahren kaufte die Gemeinde das Anwesen, deren Betreiber zogen im vergangenen Herbst aus. Auf drei Stockwerken stehen dort insgesamt rund 600 Quadratmeter für die Dorfgemeinschaft bereit. Drum herum sind weitläufige Außenflächen, die sich etwa für Spiel- und Grillplätze eignen würden. Hinter dem Gasthaus steht eine große, ortsbildprägende Scheune. Die rund 300 Quadratmeter ließen sich in einen Kulturraum umwandeln.

Die Entwicklung des Gasthofs in ein Gemeinschaftshaus ist "eine Herzensangelegenheit" für die scheidende Bürgermeisterin Gisela Hofmann (Bürgerblock). Entsprechend froh wirkte sie bei der gut besuchten Gemeinderatssitzung, als Valier die Nutzungsmöglichkeiten und Vorschläge der Bürger vorstellte. "So viel ist normal hier nicht los, ich bin fast a weng aufgeregt", eröffnete Hofmann eine ihrer letzten Sitzungen. Gekommen waren vor allem Feuerwehrleute, deren Bedarf der Gemeinderat als den dringlichsten eingestuft hatte. Entsprechend sind bereits im Haushaltsplan 2020, der erst kürzlich verabschiedet wurde, 350 000 Euro für den Bau des neuen Feuerwehr-Hauses auf dem Gelände eingeplant. 36 000 Euro sind für die Konzepterstellung des Gemeinschaftshauses vorgesehen.

Bei einer späteren Besichtigung der Gaststube schwelgen die Besucher in Erinnerungen. Mit Blick auf die alten Dielen erzählt etwa Kirchenpfleger Alban Stadter: "Die wurden immer nach dem Mittagessen geölt." Zudem sei hier der Schützenverein gegründet worden. "Die haben durch den Gastraum geschossen", erinnert sich Stadter. "Alleine wegen der schönen Erinnerungen ist das Haus erhaltenswert", sagt Hofmann.

Die Ideen

Auf das Schwelgen in alten Zeiten folgen Visionen für die Zukunft: "Hier wäre viel Platz für Bücher und Begegnung, vielleicht mit einem kleinen Café", sagt Bücherei-Leiterin Körber. "Platz für Vereine und einen Senioren- oder Jugendtreff gibt es hier auch", fügt Hofmann hinzu. Denn alleine im Erdgeschoss stehen 210 Quadratmeter zur Verfügung, sowie eine geräumige Küche. Im ebenso großen Obergeschoss sind derzeit noch Wohnungen. Auch hier böten sich Vereinsräume an. Zwecks Barrierefreiheit ist ein Außenaufzug geplant.

Weiter geht's ins 150 Quadratmeter große Dachgeschoss. Die hohen Decken sprechen vor allem die Künstler an. "Hier lässt sich gut singen", freut sich Pitterich vom Gesangsverein. "Früher haben wir hier nach dem Fußballtraining Tischtennis gespielt." Hofmann kann sich auch vorstellen, den Raum der Theatergruppe zur Verfügung zu stellen. Wie bei allen Räumen ist auch hier eine Mehrzweck-Nutzung denkbar.

Noch mehr freuen würden sich die Schauspieler wahrscheinlich über Proben in der Scheune hinter dem Gasthof, die Städteplaner Valier für "sensationell" hält: "Sollten Sie Bedarf an einer Kulturscheune haben, wäre das der perfekte Ort", beschrieb er im Gemeinderat das Gebäude, in dem noch Heuballen von den hohen Dachbalken hängen. Der Gewölbekeller böte sich zum Beispiel für einen dazugehörigen Weinkeller an. "Uns ist aber wichtig, keine Konkurrenz zu unseren bestehenden Gaststätten aufzubauen", betont Hofmann.

Und auch auf die Wirtschaftlichkeit müsse bei diesem Projekt geachtet werden: "Eine Förderung würden wir vermutlich bekommen", so Hofmann. "Aber wegen der Folgekosten müssen wir uns das gut überlegen." Ideal wäre ein privater Betreiber.

Bis es losgehen kann, brauche es nach der Einschätzung Hofmanns allerdings noch etwa ein bis zwei Jahre Planung. Allerdings seien Zwischennutzungen nach und nach möglich, sagt sie, während sie mit etwas wehmütigem Blick die Scheune abschließt. Am Donnerstag, 7. Mai, wird im neuen Gemeinderat der neue Bürgermeister Norbert Grasser (Bürgerblock) vereidigt, der dann den Vorsitz über die weitere Planung übernehmen wird.