Bad Kissingen
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Interessant und spannend

Veranstaltungsreihe, in der man auch mal etwas ausprobieren kann
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Nach welchen Kriterien werden die Künstler ausgewählt? Es sind ja immer wieder interessante und spannende Konzerte, aber auch mal eine Niete.

Heynen: Wenn Sie die vier Damen vor zwei Jahren meinen, die dieses aufreizende Outfit hatten und dazu halt Streichquartett gespielt haben, das war ein (lacht) interessantes Programm. Da muss man sagen: Gerade bei der Gruppe war natürlich ein sehr starkes Marketing hinten dran, die haben sich echt gut verkauft.

Das kann passieren. Das passiert in der Klassik genauso.

Heynen: Wenn ich die Veranstaltungen plane, dann bin ich jeden Tag in diesem Spannungsverhältnis. Das ist aber auch die Aufgabe, die ich habe.

Sylvie Thormann: Herr Heynen schaut sich auch viel an. Aber alles geht halt auch nicht. Sonst würde er nichts anderes machen, als sich andere Konzerte und Veranstaltungen anschauen.

Wie geht die Auswahl konkret vonstatten?

Heynen: Also, ich bekomme immer wieder Vorschläge, die ich mir dann auch anschaue, bin auch auf Veranstaltungen, um mir ein Bild zu machen. Ein guter Pool ist im Januar die Internationale Kulturbörse in Freiburg. Da bin ich regelmäßig und schaue mir die Agenturen an. Aber dann bekomme ich auch hier Vorschläge von vielen Seiten. Ich schaue mir die Sache an. Und wenn ich das Gefühl habe, das könnte etwas für den Winterzauber sein, ich spreche es mit der Geschäftsleitung und dem Team ab, und wenn wir sagen: Ja, das könnte man holen, dann machen wir das.

Auch wenn es Experimente sind?

Thormann: Ja. Das ist eine Veranstaltungsreihe, in der man auch mal etwas ausprobieren kann.

Heynen: Nehmen wir mal das Projekt "Breaking Mozart" im letzten Jahr. Die sind aus Schweinfurt, und die sind noch nie im Kissinger Kurtheater aufgetreten. Wenn man versucht, die Gruppe als Einzelereignis mitten im Jahr zu holen, dann ist es auch wirklich eine Budgetfrage. Das kostet ja auch ein bisschen was. Und bei einem Theater mit 540 Sitzplätzen, ist das nicht ganz so einfach darstellbar. Ich will sagen, dass es im Kissinger Winterzauber einfacher ist, mal etwa Spezielleres zu holen - wobei wir uns langsam mit so etwas auch in das Jahr hineintrauen.

Ich habe den Eindruck, dass das Publikum jünger geworden ist.

Heynen: Das ist mitunter richtig, ja. Wir versuchen im Kissinger Winterzauber das Publikum ein Stück weit zu verjüngen, aber wir orientieren uns sehr stark an dem Tourismusgast, der zu diesem Zeitpunkt da ist. Ich würde jetzt nicht behaupten wollen, dass wir großartig Übernachtungen generieren würden durch den Kissinger Winterzauber. Aber der Gast kommt nach Bad Kissingen und findet ein vielfältiges, interessantes Programm vor. Wir haben schon auch nach wie vor in verschiedenen Veranstaltungen große Hotelkontingente. Wenn wir zum Beispiel vom Neujahrskonzert sprechen, haben wir Hotels, die bis zu 250 Karten für ihr Silvesterprogramm mit aufnehmen. Das ist nach wie vor gegeben. Aber es ist nicht mehr so wie zu den Anfängen, wo halt wirklich jedes Hotel die Programme aufgelegt hat.

Thormann: Es ist auch so, dass mit der Änderung der Pauschalreiserichtlinien viele Gastgeber die Pauschalen eher so strukturieren, dass lieber die Angebote, die bei ihnen im Haus sind, inbegriffen sind, weil sie sonst eben zu viele externe Leistungen mit drinhaben und dadurch als Reiseveranstalter gelten.

Vor zwei, drei Jahren konnte man beobachten, dass mehr Besucher aus der Region kamen. Plötzlich kamen Leute, die man nicht erwartet hätte.

Heynen: Wir machen eine Aussendung an alle unsere Kunden, wie wir im Ticketing drinhaben, und dann merken wir natürlich in den nächsten zwei, drei Wochen, wie sprunghaft die Buchungen dann losgehen. Da ist sicher einiges regional, aber wir schreiben auch viele an, die letztendlich ihren Urlaub hier machen.

Thormann: Wir prüfen nicht nach, wer aus welchem Grund Karten bucht, ob er ohnehin zum Urlaub hier ist oder extra anreist. Wir haben letztes Jahr eine Befragung gemacht, und es ist schon so, dass mit 41 Prozent der größte Teil der Käufer Übernachtungsgäste sind, die die Veranstaltungen besuchen, 38 Prozent sind Tagesgäste aus der Region, aus dem Umland, und 21 Prozent sind Einwohner - also schon eine ganz gute Mischung mit der größeren Tendenz zu Gästen. Aber ob für Übernachtungsgäste der Winterzauber der ausschlaggebende Punkt ist, um hierherzukommen, oder ob sie eh die Weihnachtszeit hier verbringen, können wir nicht sagen.

Was kostet der Winterzauber?

Thormann: Mhmm...

Heynen: Mhmm...

Wie hoch ist das Defizit, denn ich gehe davon aus, das es wie bei allen solchen Festivals eins gibt.

Heynen: Das ist richtig, und das geht gar nicht anders. Und dann sind wir auch in einem Bereich, in dem wir von Umwegrentabilität sprechen, die wir nicht zahlenmäßig belegen können, weil wir sie auch nicht erfassen können.

Wie hoch ist die Stadt in den Defizitausgleich involviert?

Thormann: Sie ist einer unserer Gesellschafter. Das geht über das laufende Budget der Staatsbad GmbH, in das auch der Winterzauber integriert ist, innerhalb dessen er abgebildet werden muss. Die Verteilung ist im Gesellschaftervertrag geregelt.

Ist die Zukunft des Winterzaubers gesichert?

Thormann: Ja. Das ist einfach eine tolle Veranstaltungsreihe.

Das Gespräch führte

Thomas Ahnert.



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