München

DHL, Hermes und DPD: Das ändert sich bei Paketzustellern 2020

In Deutschland gibt es im Jahr 2020 Veränderungen bei den bei Paketdienstleistern: Viele Anbieter nehmen sich vor verbraucherfreundlicher zu werden - aber nicht alle können mithalten.
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In Zukunft gibt es Änderungen bei Paketzulieferern. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
In Zukunft gibt es Änderungen bei Paketzulieferern. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

Viele kennen das Problem: Es wurde ein Paket bestellt, aber man weiß nicht, wann genau es geliefert wird. Das Zustellungszeitfenster wird meistens relativ ungenau angegeben - und so kommt es häufig vor, dass Kunden bei der Übergabe nicht zu Hause sind. Die Paketdienstleister in Deutschland haben sich vorgenommen, in Zukunft genauere Angaben zum Zeitpunkt der Übergabe zu machen.

Problem bei Paketsendungen: Empfänger nicht zuhause - Dienstleister planen genauere Zeitfenster

Wenn bestellte Pakete nicht angenommen werden können, ist das für beide Seiten ein Problem. Zum einen für den Kunden selbst, der seine Bestellung ohne Umwege erhält. Zum anderen für die Zusteller, denn durch eine direkte Zustellung verlieren sie weniger Zeit. Dienstleister wie die "DHL", "DPD", "Hermes" oder die "Deutsche Post" wollen nun ihre Vorhersagen verbessern. Dadurch würden die Paketboten neben der Ersparnis von wertvoller Zeit auch ihre Erstzustellquote erhöhen.

Aktuell bis zu 12 Stunden Zeitfenster: Logistik für Paketdienste schwierig

Momentan sind die Angaben der Paketdienstleister in Deutschland noch sehr ungenau. Das Zeitfenster der Übergabe wird je nach Situation auf eine bis zwölf Stunden festgelegt - das erschwert die Planung der Empfänger. Dabei sollte die Logistik doch eigentlich kein Problem sein, weil die Zusteller doch scheinbar immer ähnliche Routen fahren.

So einfach sei das jedoch nicht, sagen Experten. "Das ist eine sehr komplexe Angelegenheit mit vielen Variablen", erläutert der Frankfurter Logistik-Professor Kai-Oliver Schocke. "Gibt es Staus oder Umleitungen, findet der Fahrer einen Parkplatz, wo genau müssen wie viele Pakete abgegeben werden - und wie lange dauert es unter diesen Bedingungen bis zur nächsten Zustellung? - Solche Fragen können noch nicht zuverlässig und präzise beantwortet werden."

Um Verzögerungen besonders in der Weihnachtszeit zu vermeiden, sollten Sie die wichtigsten Last-Minute-Deadlines für Bestellungen beachten.

Mehr Transparenz beim Verfolgen der Route

Christoph Stehmann vom Branchendienstleister Pitney Bowes sieht es ähnlich. Zwar wolle der Kunde endlich kleinere Zeitfenster haben, um nicht mehr so lange zu Hause warten zu müssen, und die Branche feile an Fortschritten. "Das Ei des Kolumbus hat aber noch niemand gefunden." Eine Möglichkeit sei mehr Transparenz - dass die Empfänger im Internet sehen können, wo der Zusteller gerade ist. "Klingt gut, kann aber sehr verwirrend sein", sagt Stehmann. Denn selbst wenn ein Zustellfahrzeug schon in der Nähe sei, könne es bis zum Klingeln an der Tür noch lange dauern - weil der Zusteller vorher noch Pakete in Nachbarhäusern abliefern muss oder Pause macht.

DPD mit genauen Angaben am Morgen der Lieferung

Das Zustellungssystem des Paketdienstleisters DPD funktioniert hingegen bereits relativ genau. Sobald ein Paket im Depot ist, bekommt der Kunde eine Mail mit den wichtigsten Informationen und dass das gewünschte Produkt am nächsten Tag ausgeliefert wird - allerdings noch ohne Zeitfenster. Nachdem der Transporter am nächsten Morgen beladen und eine optimale Route anhand der geladenen Pakete bestimmt wurde, bekommt der Kunde gegen acht Uhr morgens eine weitere Mail. Darin wird ihm ein Zustellungsfenster von einer Stunde genannt, was im Verlauf des Tages auf eine halbe Stunde gesenkt werden kann.Das System scheint zu funktionieren - schließlich werden nur etwa zehn Prozent der Pakete später zugestellt.

DPD-Route kann im Internet verfolgt werden - Empfänger können mit Boten interagieren

Hinzu kommt, dass Kunden die Route der eigenen Bestellung im Internet verfolgen können. Auf einer Karte kann dort gesehen werden, wo sich der Paketzusteller gerade befindet. Dabei wird das Fahrzeug nicht mit GPS-Koordinaten geortet, sondern der Scan des letzten zugestellten Paktes gibt Aufschluss über den Standort.

Und ein in weiterer Mehrwert bei DPD: Empfänger haben die Möglichkeit, bis zu 15 Minuten vor der Übergabe eine Nachricht an den Paketboten zu senden, falls man doch nicht zuhause ist oder dass das Paket neben der Tür abgelegt werden darf. Der Paketservice UPS arbeitet mit einem ähnlichen System, das Zeitfenster beträgt jedoch bis zu vier Stunden.

Paketzustellung: Deutsche Post mit Luft nach oben

Der Marktführer Deutsche Post DHL ist beim Thema Tracking - also der Paketverfolgung samt Zustellprognose - noch nicht so weit. Das Zeitfenster liegt noch bei zwei bis vier Stunden, eine Aktualisierung wie bei DPD gibt es bislang nicht, auch eine Live-Ortung und Interaktionsmöglichkeit mit dem Paketboten fehlen noch.

Doch es soll besser werden. "Für 2020 haben wir uns vorgenommen, unseren Endkunden ein präziseres Zeitfenster zu kommunizieren", sagt ein DHL-Sprecher. Im ersten Schritt werde es ein 60- bis 90-minütiges Zeitfenster geben. Zudem werde die Idee weiterverfolgt, dass die Wartenden über die Zustellung 15 Minuten vorher informiert werden.

Zustellungszeitraum bei Hermes den ganzen Tag - kürzeres Zeitfenster angepeilt

Bei Hermes gilt für Standardpakete der Zustellzeitraum 8 bis 20 Uhr - also den ganzen Tag. Allerdings arbeitet auch das Hamburger Unternehmen an Verbesserungen und setzt auf eine neue Software. Inzwischen gibt es bei der Hälfte der Hermes-Sendungen am Vortag eine Mail samt zwei bis vierstündigem Zustellfenster. Diese Kommunikation mit dem Kunden werde man 2020 "intensivieren", teilt Hermes mit. Die Zustellung werde transparenter und passgenauer.

Deutsche Post hebt Paketpreise an

Wer ein Paket verschicken will, muss bei der Deutschen Post DHL künftig tiefer in die Tasche greifen. Zum 1. Januar steigen die Paketpreise für Privatkunden im Schnitt um drei Prozent, wie der Bonner Konzern am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

De letzte Preiserhöhung liegt mindestens drei Jahre zurück, für einige Paketarten auch länger. Die Anhebung fällt unterschiedlich aus. Ein bis zu zwei Kilo schweres, mittelgroßes Päckchen zum Beispiel kostet in der Filiale künftig 4,79 Euro, bisher sind es 4,50 Euro. Wer sein Paket online frankiert und nur abgibt, zahlt weniger. Das Unternehmen begründete die Preiserhöhung mit gestiegenen Personal- und Transportkosten.

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