Mainz am Rhein

Äpfel, Bananen, Erdbeeren: So schummeln Supermärkte bei Obst und Gemüse

Ein Jahr alte Äpfel, gespritzte Bio-Bananen, "deutsche" Erdbeeren aus dem Ausland - nicht immer sind die Waren im Discounter so, wie sie scheinen. Was Sternekoch Nelson Müller für den ZDF-Lebensmittelreport herausfand, ist erschreckend.
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Vor dem Verkauf im Supermarkt werden Äpfel oft bis zu einem Jahr gelagert.  Symbolfoto: Jasmine Lin/Pixabay.com
Vor dem Verkauf im Supermarkt werden Äpfel oft bis zu einem Jahr gelagert. Symbolfoto: Jasmine Lin/Pixabay.com

Obst und Gemüse aus dem Supermarkt unter der Lupe: In zwei Sendungen des ZDFs schaut der bekannte Sternekoch Nelson Müller bei den beliebtesten Lebensmitteln der Deutschen genauer hin. Erdbeeren, Bananen, Äpfel und Orangensaft waren vergangenen Dienstag dran. Sind die Produkte tatsächlich so frisch, naturbelassen und regional, wie es den Verbrauchern versprochen wird?

Erdbeeren: Wirklich so regional wie gedacht?

Erdbeeren kaufen wir gerne aus regionalem Anbau. Gerade außerhalb der Saison sind die hiesigen Früchte allerdings erheblich teurer als die Importware aus Spanien oder den Niederlanden. Da das leicht ausgenutzt werden könnte, ließ Müller einen Lebensmitteltechniker die Erdbeeren verschiedener Supermärkte mithilfe eines chemischen Verfahrens auf deren Herkunftsland überprüfen. Das Ergebnis: Die Erdbeeren von Netto stammen (entgegen der deutschen Auszeichnung) aus Südeuropa. Der Discounter bestritt das gegenüber dem ZDF und erklärte, dass lediglich die Pflanzen einer bestimmten Sorte aus Spanien stammen würden. Die Früchte zöge man hier.

Was bedeutet das für die Verbraucher? Importierte Erdbeeren sind zwar nicht gesundheitsschädlich, ihr ökologischer Fußabdruck lässt jedoch zu wünschen übrig. Schließlich müssen die Früchte tiefgekühlt und über weite Strecken transportiert werden, bevor sie in der Supermarkt-Auslage landen.

Bananen: So bio wie gedacht?

Im Gegensatz zu Erdbeeren können Bananen hierzulande aus nachvollziehbaren Gründen nicht angebaut werden. Dennoch haben Kunden beim Einkaufen die Wahl zwischen dem Billig- und dem Bio-Produkt. Trotz eines Preisunterschieds von rund 30 Prozent gibt es oft keinen großen Unterschied zwischen den Bananen, wie sich im ZDF-Lebensmittelreport herausstellte.

Auf herkömmlichen Bananenplantagen werden Pestizide, die Arbeiter und Umwelt gefährden, gegen Schädlinge eingesetzt. Die Giftstoffbelastung ist selbst für die deutschen Verbraucher noch hoch. Experten empfehlen daher, sich nach dem Verzehr die Hände zu waschen. Beim Anbau von Bio-Bananen dürfen keine chemischen Dünger verwendet werden - stattdessen schützen große Plastik-Überzüge die Pflanzen vor Insektenbefall.

Die Realität sieht leider anders aus: Bei Untersuchungen wurden an einigen Bio-Bananen ebenfalls Pestizid-Rückstände festgestellt. Lasche Kontrollen ermöglichen diese Schummelei. In Ländern wie der Dominikanischen Republik dürfen sich die Bauern ihre Kontrolleure sogar selbst aussuchen.

Äpfel: So frisch wie gedacht?

Die vielleicht unvorstellbarste Enthüllung Nelson Müllers betrifft ein regional angebautes Kernobst. Wer hätte gedacht, dass die Äpfel, die in den Supermarkt-Regalen stets frisch und knackig wirken, meist schon ein Jahr alt sind? "Wer im Frühjahr oder Sommer einen deutschen Apfel kauft, der kann davon ausgehen, dass dieser bereits mehrere Monate alt ist", erklärte Müller. Möglich wird das durch ein spezielles Lagerverfahren, bei dem die Äpfel direkt nach der Ernte auf etwa null Grad heruntergekühlt werden. Zusätzlich wird der Sauerstoff aus der Luft gezogen, damit die Äpfel nicht oxidieren. Trotzdem geht die lange Lagerung nicht spurlos am Apfel vorbei. Der Vitamingehalt nimmt ab. Mit der Zeit wird außerdem Stärke in Zucker umgewandelt - das macht den Apfel süßer.

Orangensaft: So gehaltvoll wie gedacht?

Auch flüssiges Obst sorgte im ZDF für einen kleinen Verbraucherskandal: Orangensaft gibt es in verschiedensten Preisklassen - von wenigen Cent bis hin zu zwei Euro. Auf allen Verpackungen steht "Orangensaft aus Orangensaft-Konzentrat". Doch wie viel Orange ist tatsächlich drin? Saftorangen stammen größtenteils aus der Umgebung von São Paulo (Brasilien). Für die O-Saft-Herstellung werden die Früchte ausgepresst. Der gewonnene Saft wird mit Unterdruck gekocht, sodass ein Großteil des Wassers verdunstet und besagtes Orangensaft-Konzentrat entsteht. Dieses importiert man nach Deutschland und verdünnt es dort wieder. Schummeln leicht gemacht: Will der Hersteller sparen, fügt er einfach etwas mehr Wasser zu. Das Mischungsverhältnis ist für den Verbraucher nicht ersichtlich.

Übrigens: Auch Pilze aus dem Supermarkt sind in der Regel nicht zu empfehlen. Tester fanden darin mitunter sogar Maden.

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