Zapfendorf
Wanderung im Lichtenfelser und Bamberger Land

Spirituelle Impulse und Naturschönheiten: Auf dem Jakobsweg durch den Gottesgarten wandern (mit GPX-Track und Karte)

Wer auf dem Jakobsweg am Obermain läuft (mit GPX-Track und Karte), füllt seine Seele mit spirituellen Impulsen und entdeckt Naturschönheiten. Startpunkt der Tour in Oberfranken ist die Basilika Vierzehnheiligen (Landkreis Lichtenfels), Ziel die Abtei Maria Frieden in Kirchschletten (Landkreis Bamberg).
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An der Pfarrkirche in Prächting. Foto: Barbara Herbst
An der Pfarrkirche in Prächting. Foto: Barbara Herbst
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  • Tour durch den Gottesgarten: Von Vierzehnheiligen zur Abtei Maria Frieden in Kirchschletten
  • Streckenlänge: ca. 23 Kilometer
  • Dauer: Tagestour

Du denkst: 23 Kilometer, das ist doch gar kein schlechter Schnitt für einen Wandertag. Noch dazu bei diesem Wetter. Wir wollen nun mal pilgern, also trotzen wir Schnee und Regen auf dem Jakobsweg am Obermain und streifen bei jedem kleinen Sonnenstrahl freudig die Kapuzen ab. Und dann kommen wir am frühen Nachmittag durchnässt nach Kirchschletten und lesen auf einem Schild: Noch 2763 Kilometer bis nach Santiago de Compostela. Wir schütteln den Kopf und klopfen an Mutter Mechthilds Tür.

 

Auf dem Jakobsweg durch den Gottesgarten: Pilgern ist Wandern - und doch mehr

Die Äbtissin von Maria Frieden begrüßt die kleine Gruppe herzlich und bittet Dieter Sawinsky, Ulrike Wilke und Susanne Maaß an den gedeckten Tisch im Speisesaal. Sie setzt sich auf eine Tasse heißen Tees dazu und fragt: "Wie war eure Wanderung?" Also Uhr zurückgedreht auf den Vormittag, wo die Tour an der berühmten Basilika Vierzehnheiligen startete. Die Stiftung Warentest hat Wanderschuhe unter die Lupe genommen und verglichen. Das Ergebnis überrascht - eine beliebte Marke aus Deutschland fällt beim Test 2019 durch.

Hier drückt Portier Heinrich Leicht den Pilgern einen Stempel in ihren Pass. Im prächtigen Innenraum stellen sich Sawinsky, Wilke und Maaß vor den Rokoko-Gnadenalter mit den 14 Nothelfern und bereiten sich umgeben vom katholisch-barocken Prunk mit einem kleinen Text auf die Tour vor. Spirituelle Gedanken zu Aufbruch, Unterwegssein, Geborgenheit, Ankommen.

Solch eine kleine Besinnung ist der Unterschied zu einer "normalen" Wanderung, erklärt Sawinsky. Fasziniert von dieser Form des Laufens gründete er 2006 den Pilgerstammtisch St. Jakobus Schlammersdorf (Landkreis Forchheim). Dort kommen einmal im Monat bis zu 25 Pilger und jene, die es werden möchten, zusammen und tauschen sich aus.

Auch Ulrike Wilke ist regelmäßig zu Gast. Sie hat sich zur Pilgerbegleiterin ausbilden lassen, Sawinsky ist Pilgerführer. Susanne Maaß, die dritte im Bunde an diesem Wandertag, genießt einfach die spirituelle Seite des Unterwegsseins. Zum Beispiel, dass beim Pilgern einfach mal eine Stunde lang geschwiegen wird und man im Gehen seinen Gedanken nachhängen kann. Wilke liebt es, in Kirchen am Wegesrand zu singen.

"Am besten unter der Woche, wenn nichts los ist." Wenn die Lieder durch den Kirchenraum hallen, hüllen sie die Pilger in gute Gedanken. Das ist es überhaupt, sagt Sawinsky. "Beim Pilgern bekommt man Impulse für die Seele. Deshalb machen wir unterwegs immer wieder Halt und hören kleine Texte. Oder singen."

 

Der große Weg und das Pilgerglück

Dennoch ist es keine rein heilige, wenn man das so sagen darf, Angelegenheit. Natürlich weisen die Pilger einander auf schöne Ausblicke hin, plaudern miteinander und tauschen ihre Erfahrungen aus - sehr gerne über den Jakobsweg.

Sawinsky und Wilke haben ihn, "den" Weg nach Santiago bereits bewältigt. Sawinsky sogar zweimal, zu Fuß und mit dem Fahrrad. "Pilgern macht glücklich", sagen die beiden. "Es ist wie Beten mit den Füßen. Es verändert dich positiv." Sie wissen, dass viele - auch junge - Menschen mit einem Grund auf den Weg gehen.

Sie suchen Orientierung im Leben, wollen eine schwere Krankheit, berufliche Probleme oder eine Trennung bewältigen. "Wunder darf man allerdings nicht erwarten", sagen Sawinsky und Wilke. "Aber in jedem Fall ist der Weg eine Bereicherung. Du verlässt deine Komfortzone und erlebst Einfachheit. Du gehst einfach los, in die Fremde."

Etwa 350.000 Pilger werden heuer in Santiago erwartet. Bis dorthin zu laufen erfordert gute Vorbereitung. Kondition. Sinnvolles Gepäck. "Was ich anhabe, trage ich nochmal im Rucksack", sagt Sawinsky. Außerdem braucht man etwas zum Essen und vor allem zum Trinken, einen Ausweis, den Pilgerausweis, Pflaster. "Und meinen Schlafsack", ergänzt Wilke. Gut sitzende Wanderschuhe sind das A und O, außerdem "früh und abends die Füße mit Hirschtalg einschmieren."

Während die Pilgerfreunde weiter vom "großen" Weg schwärmen, von Bildern aus Spanien, von Sehnsucht, Freiheit und Fernweh, von Einsamkeit und schönen Begegnungen, setzen wir unsere Wanderung im heimischen Franken fort. Das Teilstück des Jakobswegs von Vierzehnheiligen über den Staffelberg hinunter nach Loffeld, über Dittersbrunn, Prächting und Oberleiterbach, immer vorbei an mächtigen Kirchen und einer Naturschönheit nach der anderen.

Dass die ursprüngliche Tour vor Zapfendorf einen Abstecher in die Abtei Maria Frieden macht, ist Dieter Sawinsky zu verdanken. "Mir hat es hier schon immer gut gefallen", erzählt er bei der Brotzeit im Speisesaal. Nach einem Besinnungswochenende mit seinem Stammtisch im Kloster beschlossen seine Leute und die Äbtissin: "Eine Pilgerherberge an diesem schönen und stillen Ort, das wär's". Mit ehrenamtlicher Manneskraft, Zuschüssen durch EU und Staat und Unterstützung der Fränkischen Jakobus-Gesellschaft Würzburg entstand in vierjähriger Bauzeit in der benachbarten alten Schule ein Bildungshaus mit Seminarraum und 20 Betten in zwölf Zimmern.

"2018 hatten wir 347 Gäste", sagt Mutter Mechthild stolz und nickt zu Dieter Sawinsky hinüber. Sie weiß, was sie an ihm hat: Der Ruheständler ist eine große Stütze für das Kloster. Regelmäßig kommt er vorbei und erledigt handwerkliche Arbeiten. Bis - ja, bis ihn vielleicht wieder die Sehnsucht packt und Santiago ruft. Sind doch nur 2763 Kilometer - ab Kirchschletten.

Die digitale Route

Die Koordinaten des Weges gibt's hier im GPX-Format zum Download. Sie können zum Beispiel mit Routenplanern, Google My Maps und Wander-Apps wie Komoot oder Outdooractive genutzt werden.

Hier geht es zu weiteren Infos rund um das Thema Wandern in Franken.

 

 

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