Wiesenttal
Wandern Fränkische Schweiz

Unterwegs im Wiesenttal: Ein Wanderweg durch die Geschichte der Fränkischen Schweiz (mit GPX-Track und digitaler Karte)

Berg rauf, runter, rauf - so geht es den ganzen Tag. Diese Tour durch das Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz (mit GPX-Track und digitaler Karte) ist anstrengend. Und voller Wunder.
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Auf der Wiesenttal-Wanderung ist man zum Teil auf dem ältesten Wanderweg Frankens unterwegs. Foto: Barbara Herbst
Auf der Wiesenttal-Wanderung ist man zum Teil auf dem ältesten Wanderweg Frankens unterwegs. Foto: Barbara Herbst
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Es muss am Regen liegen. Der Wald leuchtet, als hätte ein verschwenderisches Kind das gesamte Hellgrün seines Farbkastens über die Fränkische Schweiz gepinselt. Dieses Licht, die Farben, die Melodie des Regens auf den Blättern! Schöner kann es bei gutem Wetter unmöglich sein. "Geil, oder?!", sagt Jürgen Wagner. Er grinst. Er weiß, welchen Eindruck das Muggendorfer Gebürg auf diejenigen macht, die zum ersten Mal hier sind.

Die Stiftung Warentest hat Wanderschuhe genauer unter die Lupe genommen und verglichen. Das Ergebnis überrascht: Eine beliebte Marke aus Deutschland fällt beim Test 2019 durch.

Nach gut einer Stunde Wanderung mit Naturführer Jürgen ist klar, warum sich die Romantiker vor fast 250 Jahren in diese Gegend verliebten, warum es Menschen immer wieder herzieht. Jean Paul und Goethe, der Maler Ludwig Richter und der Frankenlied-Texter Victor von Scheffel, Bismarck, die Richard Wagners Familie. Tieck und Wackenroder, natürlich.

Schließlich waren es ihre Beschreibungen, die viele Künstler hierherlockten. "Ludwig Tieck, ach Gotterla! Da könnt ich stundenlang reden", sagt Jürgen Wagner. Er liest viel, beschäftigt sich mit historischen Schriften und der Geschichte seiner Heimat. "Das ist ein bisschen mein Hobby", erzählt der 46-Jährige.

Frankens ältester Wanderweg

"Wir laufen gerade auf dem ältesten Wanderweg Frankens. Das ist eine typische Lindenallee aus der Zeit vor 200 Jahren." So wie wir jetzt wandelten einst die Streitberger Kurgäste auf dem weichduftenden Boden des Promenadenwegs. Wagner erzählt von Molkekuren, dem begehrten Höhlenheilfango und der Alten Kurhausbrennerei Hans Hertlein. "Wer heute einen Streitberger Bitter trinkt, verabscheut Fernet, Ramazotti und all das."

Er berichtet vom Kurbetrieb und früheren Zeiten, vom Mittelalter und den grausigen Lochgefängnissen an der Streitburg, von der armen Bevölkerung, die aus den Burgruinen Steine für ihre Häuser geholt hatte, vom Marmor, der aus einem Bruch auf Burg Neideck abgebaut und in der Würzburger Residenz und der Gößweinsteiner Basilika verwendet wurde. Er spricht über frühe Höhlenplünderungen und Nazis, die die Binghöhle "arisiert" und unbenannt hatten.

"Wir laufen durch Geschichte der Fränkischen Schweiz." Dabei umrunden wir Kilometer um Kilometer eines ihrer Wahrzeichen. "Die Neideck sehen wir den ganzen Tag aus verschiedenen Blickwinkeln. Es ist eine 270-Grad-Wanderung. Wie beim Burgsturm: von allen Seiten anpirschen, erkunden - und zum Schluss stürmen."

 

Es geht vorbei an bizarren Felsgruppen und Kletterwänden, auf Pfaden, die Trittsicherheit erfordern. Den Jägersteig hoch. "Müllerfelsen und Kla raruh umgehen wir. Hier ist bis 15. Juli gesperrt, damit die Wanderfalken in Ruhe brüten können." Die Liebe zur Fränkischen, der Respekt vor der Natur, spricht aus jedem Satz und jedem wohlbedachten Tritt. Der Wanderführer vermittelt den Blick für die besonderen Details. Es geht wieder runter. Das Lange Tal kommt. Dann wieder rauf zum Höhenweg und dem Aussichtspunkt Burgblick.

Ein wandelndes Lexikon

Wagner kommt ursprünglich aus dem Kaufmännischen. "Irgendwann hab' ich beschlossen, im Bereich Outdoor zu arbeiten." Aber ein gewisses Faible für Zahlen hat er doch. Jahreszahlen, Daten, Fakten, Namen - er ist ein wandelndes Lexikon. Und in jeder Ecke kennt er noch einen empfehlenswerten Abstecher, einen Schlenkerer, der die Route bereichert.

Beim Aussichtspunkt Brunhildenstein empfiehlt er zum Beispiel den kleinen Umweg zur gut ausgeschilderten Rosenmüllerhöhle. Bevor es den künstlichen Eingang gab, wurden die Besucher auf einer Art Schaukel abgeseilt. Doch "selbst Frauenzimmer" hätten die Höhle besichtigen können, hieß es damals.

Die Tour ist mit ihren vielen Panoramablicken auf das Wiesenttal wunderschön. Und auch ein bisschen extrem, weil's ständig rauf und runter geht. Ein Mindestmaß an Kondition sollten Wanderer mitbringen, um die Höhenmeter zu bewältigen. "Ach." Jürgen Wagner lacht. "Ruckzuck sind wir doch schon wieder da, 150 Höhenmeter in einer Viertelstund'", sagt er nach der Mittagseinkehr in Muggendorf, das so beschaulich daliegt, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Der Regen lässt nach, das Grün nicht. Farben, Vogelgezwitscher und der Duft des nassen Frühlingsbodens begleiten uns, als wir am Ende auf die Neideck zusteuern. Noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive. Wir gehen am Waldrand vorbei zum Aussichtspunkt Vogelsruh. Hier blicken wir über eine Wiese - und auf die Burg ein Stück weiter unten.

Wanderung rund um das Wiesenttal: Die digitale Route

Die Koordinaten der Wanderung rund um Ruine Neideck gibt's hier im GPX-Format zum Download. Sie können zum Beispiel mit Routenplanern, Google My Maps und Wander-Apps wie Komoot oder Outdooractive genutzt werden.

Einige Höhepunkte der Tour - knapp zusammengefasst

1. Binghöhle

Der Nürnberger Spielwarenhersteller, Forscher und Mäzen Ignaz Bing (1840 - 1918) entdeckte die Höhle 1905, er erschloss sie; da die Familie jüdisch war, zwangen die Nazis seine Nachkommen zum Verkauf. Nach dem Zweiten Weltkrieg zahlte die Gemeinde eine Entschädigung und hat seit der Sanierung 2005 eine der modernsten Schauhöhlen Deutschlands. Im Sommer täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Besichtigung nur im Rahmen einer Führung (finden laufend statt).

2. Ruine Streitburg

Die Streitburg wurde vor gut 900 Jahren errichtet, im 16. Jahrhundert zerstört, wieder aufgebaut und dann im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt. Sie verfiel und wurde als Steinbruch und Baumaterial genutzt. Burgtor und Teile der Wallmauer stehen noch, Schautafeln informieren über die wechselhafte Geschichte. Der Blick auf das Wiesenttal und die Ruine Neideck ist außergewöhnlich.

3. Muschelquelle

Der Platz an der Muschelquelle wurde ursprünglich für die Streitberger Kurgäste angelegt, heute sind Kneipp-Anlage und Spielplatz ideal für eine kleine Pause. Unbedingt einen genauen Blick auf den Boden des Quellhäuschens werfen: Das Wasser gluckert aus Häufchen, als wäre der Sand hier durchsetzt von Mini-Vulkanen.

4. Panorama

Der Brunhildenstein eröffnet einen weiten Blick auf Muggendorf und ist einer der vielen Aussichtspunkte der Tour. Von hier aus lohnt ein Abstecher zur Rosenmüllerhöhle.

5. Einkehr

Bei der Gastronomie in Muggendorf macht der Wanderer nichts falsch, wer regionale, saisonale Produkte liebt, ist in der "Wolfsschlucht" gut bedient (Tipp: Braten oder Muggendorfer Bratwurst), etwas gehobener ist der "Goldene Stern", und im "Brückla" (kleine Karte, Tipp: Crêpes) sitzt man im Sommer am schönsten: direkt am Fluss.

6. Trainmeusler Brunnen

Auf der Hochfläche des Marktes Wiesenttal gibt es eigentlich keine Quellen - nur diese eine: Sie versorgte die Trainmeuseler teilweise mit Wasser, außerdem wird angenommen, dass eine mehr als einen Kilometer lange Rohrleitung aus Eichenstämmen zur Burg Neideck führte. Der Brunnen ist eine der Sehenswürdigkeiten, bei denen mit dem Smartphone per QR-Code Informationen abgerufen werden können.

7. Wahrzeichen

Burg Neideck wurde 1219 erstmals urkundlich erwähnt, im 16. Jahrhundert niedergebrannt und im 18. Jahrhundert von den Romantikern entdeckt. Die Ruine ist eines der Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz, und obwohl nur die Außenmauern des Wohnturmes noch stehen, können Besucher dank einer Metallkonstruktion im Inneren an die Spitze steigen und das Panorama genießen. Schautafeln informieren über archäologische Hintergründe.

8. Einkehr

Die Rundwanderung beginnt am Parkplatz des Streitberger Freibades, und wer am Ende einkehren will, kann hier schnurstracks ins Badcafé marschieren. Das Bad nennt Jürgen Wagner "einen der schönsten Plätze der Fränkischen", es wird aus natürlichen (eiskalten!) Quellen gespeist, hat einen Zugang zur Wiesent und Kahnverleih (geöffnet im Sommer 10 bis 19 Uhr) . Kulinarische Alternativen sind beispielsweise das griechische Restaurant Saloniki. Direkt daneben kann man bei der Fischerei Gebhardt unter anderem legendäre Streitberger Forellen kaufen.

9. Dampfbahn

Die Museumsbahn fährt an Sonn- und Feiertagen mit historischen Zügen zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle. An den Stationen können die Orte erkundet werden; immer lohnt ein Besuch im Naturparkinfozentrum im Bahnhof Muggendorf (geöffnet April bis Oktober täglich 8.30 bis 18 Uhr)

Hier geht es zu weiteren Infos rund um das Thema Wandern in Franken.

 

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