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Altdorf
Wandern im Nürnberger Land

Dünenwandern in Franken: Strandfeeling im Reichswald (mit GPX-Track und Karte)

Riesige Berge aus Sand: Diese Landschaft ist unerwartet, einzigartig in unserer Region. Die Dünen sind Höhepunkt der besonderen Wanderung im Nürnberger Land (mit GPX-Track und Karte).
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Mitten in Franken: ein bisschen Ostsee-Atmosphäre - Andreas Schettler wandert über eine Düne. Foto: Barbara Herbst
Mitten in Franken: ein bisschen Ostsee-Atmosphäre - Andreas Schettler wandert über eine Düne. Foto: Barbara Herbst
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  • Wandern im Nürnberger Land: Die Dünenwanderung
  • Streckenlänge: je nach Wahl bis zu 90 Kilometer
  • Dauer: Tagestour

Der Sand fühlt sich weich an. Nicht wie das steinige Zeug, das zum Bauen verwendet wird. Sondern fein und leicht und gelb-leuchtend wie am Meer. Aber das hier ist keine Strandwanderung, und das Rauschen, das an dieser Strecke immer wieder zu hören ist, das ist nicht die Brandung. Sondern die A3. Die Dünen liegen nicht an der Ostsee, sondern in Mittelfranken. Verkehrstechnisch sind sie gut - ein bisschen zu gut - erreichbar.

Urlaubsstimmung beim Wandern: Ein Schlenkerer führt zu den offenen Sanddünen

Auf ihnen herumzuspazieren macht trotzdem Urlaubsstimmung: Es ist schön. Hier sieht's aus, wie's auf einer Düne eben auszusehen hat: Sand pur in spektakulärer Menge, ohne dass Bäume oder allzu viele Sträucher darauf wachsen. Andreas Schettler hat uns auf einen Sandberg geführt, der offen im Wald liegt. Das gibt es an ein paar Stellen Nürnberger Land - die offiziell ausgeschilderte Strecke des "Fränkischen Dünenwegs" führt zu Schettlers Ärgernis allerdings nicht hier entlang.

Wir haben den 64-Jährigen vor etwa eineinhalb Stunden am S-Bahnhof Altdorf getroffen und sind von dort aus durch Röthenbach und den Steggerlaswald zur Düne gelaufen. Schettler ist Wegereferent beim Fränkischen Albverein und hat den Dünenweg konzipiert. "Im Naturschutzgebiet wird Totholz liegen gelassen", hat er unterwegs erklärt. "Das bietet bestimmten Arten Lebensraum, ist aber auch mit gewissen Gefahren verbunden. Die Staatsforsten fürchten das Haftungsrisiko." Deshalb musste er den offiziellen Weg anders legen als wir heute laufen. Er führt nicht direkt auf die offenen Dünen. Das Betreten ist aber nicht verboten und Schettler zeigt uns, wo wir von der Strecke abzweigen müssen: Auf dem Abschnitt nördlich der A 6 bringt uns ein kleiner Pfad links in den Reichswald. Von hier sind es nur zwei Minuten bis zu den Dünen. "Wer weitergeht, kommt auf dem Reitweg raus", sagt Schettler. Er hofft, dass der Dünenweg irgendwann auf dieser Strecke verlaufen darf.

Wir stapfen den Pfad zurück zum offiziellen Weg und landen wieder in einer Natur, die in Franken fast so überraschend ist wie die steilen Sandberge: Heidekraut-Zwergstauden und wie schon so oft auf dieser Wanderung Heidelbeeren - das erinnert an die berühmten Kulturlandschaften der Lüneburger Heide. Zumindest auf der schmalen Schneise, die für die 220-kV-Hochspannungsleitung geschlagen wurde. "Viele Wanderer stört so etwas", sagt Schettler. "Aber Industrielandschaft ist auch Landschaft."

Tief im Gelände

Hier, mitten im Naturschutzgebiet, werden politische Debatten greifbar. Wir laufen, schauen, reden. Über Energieversorgung. Über Industrie. Über Mensch und Natur und Heimat, die in der Vorstellung der meisten Franken etwas anders ist als diese über Jahrtausende geformte seltsame Sandwelt, in der ein frühlingsfroher Fink lautstark gegen das hintergründige Summen der Autobahn anflirtet.

"Irgendein französischer Romancier hat mal geschrieben: Das Summen der Industrieanlagen wurde durchbrochen durchs Brüllen der Vöglein", sagt Andi und lacht heiser. Wir sind inzwischen ein paar Stunden zusammen gegangen, haben keinen anderen Menschen getroffen. Wanderer duzen sich. Ausrüstung für die perfekte Wanderung - hier gibt es alles, was Sie brauchen.

Der Weg bringt uns auf verschiedene Themen, weil er durch völlig unterschiedliche Landschaften führt. Mal auf geschotterten Forststraßen, dann auf wurzeligen Waldpfaden, dann kommt die Passage mit den riesigen uralten Eichen, und einmal auch ein Anstieg, der gar nicht ohne ist. Schwarze Wolken und Sonnenschein wechseln ab, oft erleben wir weite Blicke ins Land. Auf einem Waldweg, der tief ins Gelände gegraben ist, erklärt Andi, dass diese Hohlwege durch jahrhundertelange Nutzung mit Fuhrwerken entstanden sind. "Die wurden mit Holzstämmen beladen. In der hohlen Gasse konnte der Pferdekarren nicht umkippen." Bis in die 50er Jahre seien diese Wege hier so genutzt worden. "Dann kamen Traktoren." Um wieder zu unserem Startpunkt in Altdorf zu kommen, haben wir den Dünenweg verlassen und folgen dem Frankenweg. Andi hat diese Variante ausgesucht, weil wir eine Tagestour vorstellen wollen. Die offenen Sanddünen sind dabei das beeindruckendste Fotomotiv - und doch nur ein kleiner Teil dieser Wanderung, die viele Blickwinkel auf die Facetten unserer fränkischen Heimat eröffnet.

Die digitale Route

Die Koordinaten des Weges gibt's hier im GPX-Format zum Download. Sie können zum Beispiel mit Routenplanern, Google My Maps und Wander-Apps wie Komoot oder Outdooractive genutzt werden. Hier gibt es noch viel mehr Infos zum Thema Wandern in Franken.