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Oesdorf
Wandern bei Forchheim

Wander-Geheimtipp in Franken: die schönsten Plätze im Markwald - "Ein Duft wie in Griechenland"

Der Markwald liegt zwischen Hallerndorf (Kreis Forchheim) im Norden und Dechsendorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) im Süden. Im Osten ist die Grenze das Regnitztal, im Westen reicht er bis Adelsdorf und Röttenbach. Ein Förster gibt Tipps, wie man die schönsten und geheimnisvollsten Plätze findet.
 
Im Markwald Foto: Pauline Lindner
Im Markwald Foto: Pauline Lindner
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"Gell, hier riecht es wie in Griechenland", grüßt eine Walkerin auf der ausgewiesenen Tour um die Teufelskirche (Startpunkt Schwarzer Weiher an der Straße Baiersdorf - Röttenbach) in einem lichten Föhrenwaldstück. Sie bereise sonst gerne griechische Inseln, die nicht überlaufen sind. Den geliebten Geruch und viel Ruhe finde sie nun in Corona-Zeiten auch hier im Markwald.

Und sie gibt einen Tipp: "An der Kreuzung, wo der Weg nach Osten abbiegt, finden Sie eine blaue Hufeisenmarkierung an Bäumen. Folgen Sie dem Reitweg und Sie werden eine ganz andere Landschaft finden." Sie hat nicht übertrieben. Über Wurzeln kämpft man sich den schmalen Pfad entlang. Unweit bildet sich ein kleines Bächlein. Giftgrünes Moos, Farn und wilde Ranken machen es fast unsichtbar. Dort muss man sich auf Wildpfaden hineinwagen und ein Stück abwärts folgen.

Im Markwald in Ober- und Mittelfranken: das sind die besten Wanderwege

Die Vegetation wird dschungelartig, fast kein Durchkommen mehr. Das Ziel ist ein Waldweiher. Sein Wasser ist nahezu schwarz, so sauer ist es. Mit einer Assoziation an geheimnisvolle nordische Moore und ihre Gefahren liegt man nicht daneben.

Auf der fünf Kilometer langen Route in der Mitte des Markwalds begegnen einem nur wenige Personen. Ähnlich ist es auch im nördlichen Teil, der vom Hirtenbachtal von der Südhälfte abgetrennt ist. Und das, obwohl hier die Beschilderung noch besser ist.

Revierförster Erich Daum von den Bayerischen Staatsforsten hat an allen Weggabeln Wegweiser zu den Orten außerhalb mit genauer Entfernungsangabe anbringen lassen.

Auch für Rollstuhlfahrer geeignet

Die Hauptwege, die Forststraßen, sind sogar für Rollstuhlfahrer geeignet. Daum hat es mit einem Freund, der einen Elektrorollstuhl angewiesen ist, getestet. Er rät zum westlichen Teil des Waldgebiets, der Adelsdorfer Mark. Dort sind die Steigungen recht gering, im Gegensatz zur Ostseite.

"Lüneburger Heide? Nö, Markwald" - diese Variation des neuesten Werbeslogans der Bahn darf sich der Förster zu eigen machen. Denn das Westende seines Reviers sind wie in Niedersachsen magerste Sandböden, auf denen in großem Abstand schmächtige Föhren wachsen. Dazwischen schaffen es nur Heidekraut und Preiselbeeren zu überleben. "Selbst den Heidelbeeren ist es hier zu nährstoffarm. Denn wir stehen hier auf einer eiszeitlichen Sanddüne", erklärt er, als er vom westlichen Parkplatz an der B 470 den Weg nach Weppersdorf eingebogen ist.

Weiherkette

Auch hier ist ein saurer Weiher der Anfang einer Weiherkette bis zur Aisch. Der Biber arbeitet gelegentlich hier. Beim Schild "Wasserschutzgebiet" muss man sich nach rechts wenden und aus dem üppigen Bewuchs wird die magere Heidelandschaft. Sie wird bewusst so erhalten, seit in den 50er Jahren auf dem Kahlschlag die jungen Föhren gepflanzt wurden. "Sie sind 70 Jahre alt", versichert der Förster, obwohl sie wie dürre Steckerl aussehen.

Vom Bahnhof Zeckern aus, so berichtet er weiter, wurde Brennholz im Zweiten Weltkrieg nach Nürnberg verfrachtet. Das war bei Weitem nicht die einzige Übernutzung des Markwalds. Im 19. Jahrhundert, so weiß er aus alten Dokumenten, standen in seinem Revier die Bäume weit auseinander, weil so viel Holz fürs Heizen benötigt wurde. Das hat sich dank seiner 17 Vorgänger im Dienstsitz Oesdorf längst geändert.

Laubgehölze sind dazugekommen - als inzwischen stattliche Eichen, Ahorne und Buchen und aus selbst aufgekommenen Junggehölz. Linden sind dabei und an manchen Stellen richtige Alleen von Robinien, die im Frühjahr weiß und duftend blühen.

Der Rennweg

Einen Weg legt er dem Besucher besonders nahe: den Rennweg, der den Kamm oberhalb von Burk und Wimmelbach entlangführt. Der einfachste Zugang ist bei der Kapelle von Oberwimmelbach. Wählt man den steileren Anstieg, erreicht man die Höhe bei der "Spröden Marter". Sie wird durch einen roten Pfahl markiert. Nun kann man kilometerweit nach Norden nahezu eben laufen. Man kommt an der Heunhütte (eine Waldhütte) vorbei und dann zu einer geologischen Besonderheit: dem Steinbruch am Rabensberg. Dort war vor 200 Millionen Jahren, zur Dinosaurierzeit, ein feiner Sandstrand des Jurameeres. Der Sand hat sich zu Angulatensandstein des Lias verfestigt. Nicht nur Geologen wissen diesen Blick in die Erdgeschichte zu schätzen.

Eine Liege-Ruhebank mitten im Wald, bei der Petersbuche. Ganz gemütlich hingebettet, kann man durch die Lichtung genau auf den Turm der Forchheimer Martinskirche schauen. Dort, wo steil der Weg aus dem Burker Schlehenbachtal hochführt, steht das "Petershäusla", eine alte Forsthütte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Flüchtlingsfamilie ohne Strom und fließend Wasser einquartiert.

Trotzdem muss sie sich wohlgefühlt haben, und die Forchheimer auch, als der Mann mitten im Wald eine beliebte Schänke eröffnet hat. "Ich wurde schon oft darauf angesprochen, sie doch wiederzueröffnen", sagt Daum. Das will er lieber nicht. Denn er zweifelt daran, dass die heutigen Gäste bereit wären, ein bis zwei Kilometer Fußweg auf sich zu nehmen.

Informationen über den Markwald

  • Lage: Er gliedert sich in die Obere und die Untere Mark, wie die Grenzwälder des früheren Fürstbistums Bamberg und der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth zwischen Hallerndorf im Norden und Dechsendorf im Süden bezeichnet werden. Im Osten ist die Grenze das Regnitztal, im Westen reicht er bis Adelsdorf und Röttenbach. Es sind um die 7000 Hektar geschlossenes Waldgebiet, wovon an die 5000 Hektar von den Bayerischen Staatsforsten bewirtschaftet werden.
  • Wanderparkplätze: Für Touren durch den Markwald gibt es viele eigens angelegte Parkplätze, von denen aus interessante Stellen gut erreicht werden können. Die meisten sind deutlich ausgeschildert. Für die Orientierung sind dort Karten des Waldgebiets aufgestellt. An der B 470 sind es drei westlich von Oesdorf. Der Erste liegt rechter Hand von Forchheim aus gesehen auf Höhe des Hinweisschildes zum Gasthaus Dippacher in Poppendorf. Der Zweite, ebenfalls rechts, kommt ein Stück nach der Einmündung der Staatsstraße aus Hemhofen. Der Dritte ist auf der linken Seite der Bundesstraße nach der Einmündung der Zufahrt nach Zeckern.
  • Straße Baiersdorf-Röttenbach: Ein erster Parkplatz liegt auf der linken Seite, ehe der Wald beginnt. Der Waldweg dort führt nach Thurn. Zweigt man gleich nach links ab, kommt man schnell zu den für den Markwald typischen Waldweihern. Bevor rechter Hand das Holzgeländer zur Abgrenzung des Schwarzen Weihers sichtbar wird, liegt ziemlich versteckt ein schattiger Parkplatz mit Wandertafel. Ein Hinweisschild ist leider nicht erkennbar. Ein weitere gute Parkmöglichkeit ist genau auf dem Scheitelpunkt - auf der linken Seite. Dort mündet rechts der Rennweg ein, eine alte Höhenstraßenverbindung. Ein Wegweiser zeigt zur Friedelberghütte.
  • Thurn: Ein weiterer guter Startpunkt liegt im Heroldsbacher Ortsteil Thurn. Über die Adresse Gräfin-Irmgard-von-Bentzel-Ring ist der etwas versteckte Parkplatz am Waldrand gut zu finden. Hier gibt es zusätzlich zur Waldkarte noch eine Routentafel für Läufer.

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