Vierzehnheiligen
Wallfahrtsorte

Vierzehnheiligen: Der Mythos hinter Frankens bekanntester Pilgerstätte

Eine halbe Million Besucher kommt pro Jahr nach Vierzehnheiligen im Landkreis Lichtenfels. Was macht den Reiz dieser barocken Pilgerstätte aus?
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Die Basilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein ist Teil des  "Gottesgartens am Obermain" - so wird die Landschaft zwischen Lichtenfels und Ebensfeld gerne genannt. Foto: meinobermain.de/infrankenpix
Die Basilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein ist Teil des "Gottesgartens am Obermain" - so wird die Landschaft zwischen Lichtenfels und Ebensfeld gerne genannt. Foto: meinobermain.de/infrankenpix

Sie kommen in Scharen: Kunstinteressierte, Neugierige, Sonntagstouristen, unauffällige Pilger. Aber auch lange Prozessionen ziehen den heiligen Berg nach Vierzehnheiligen hinauf. Das Ziel der einen ist Balthasar Neumanns Basilika, eine Traumschöpfung barocker Schönheit. Die anderen kommen zur Raststätte der 14 Nothelfer.

In langen Fußmärschen wallen sie zum Heiligtum Frankens. Die Pilger kommen aus der Rhön und dem Grabfeldgau, aus dem Haßgau und dem Jura, aus dem thüringischen Eisfeld und dem Bamberger Umland. Und immer nehmen sie betend und singend den gleichen Weg, machen Station unterwegs an verwitterten Bildstöcken und hochaufgerichteten Wegkreuzen. Kontemplation auf den Straßen: Dieses Wunder in säkularen Zeiten bringen die ehrwürdigen Nothelfer mit Bravour zustande.

Die Sage von den 14 Heiligen

Frankens meistbesuchte Wallfahrtstätte kündet von lebendigem Glauben - einst und heute. Ihre geheimnisvollen Anfänge erstaunen immer noch. Begonnen hat alles am 17. September 1445. Hermann Leicht, der Schäferbursche des nahen Zisterzienserklosters Langheim, hütete seine Schafe an den Hängen oberhalb von Frankenthal. Plötzlich sah er ein Kind vor sich sitzen, als er es aufheben wollte, verschwand es.

Wenig später erschien ihm das Kind erneut, diesmal flankiert von brennenden Kerzen. Als Hermann es am 29. Juli 1446 an derselben Stelle inmitten eines Kreises von 14 weiteren Kindern erblickte, fragte er das Kind auf den Rat eines Priesters hin, wer es sei oder was es wolle. Und er erhielt die Antwort: "Wir sein die vierzehn Nothelffer und wöllen ein Cappeln haben, auch gndiglich hie rasten, und biß du unser Diener, so wöllen wir dein Diener wieder sein." Einige Tage darauf sahen der Schäferbub und eine vorbeikommende Frau am selben Ort zwei brennende Kerzen.

Im Kloster Langheim wurde Hermann Leicht erst geglaubt, als der hoffnungslos scheinende Zustand einer kranken Magd sich nach Anrufung der 14 Nothelfer gebessert hatte. Der Abt von Langheim ließ ein Kreuz am Erscheinungsort aufrichten und begann mit dem Bau einer Kapelle (fertiggestellt 1456/57). Aus Frankenthal wurde so Vierzehnheiligen.

Schon bald entwickelte es sich zum vielbesuchten Wallfahrtsort, betreut von Langheimer Mönchen, bis ihr Kloster 1803 aufgehoben wurde. Dann übernahmen Dominikaner aus Bamberg die geistliche Betreuung der Gläubigen. 1839 wurde, veranlasst durch König Ludwig I. von Bayern, Franziskanern diese Aufgabe übertragen. In ihren Händen liegt die Wallfahrtsseelsorge bis heute.

Ägidius, Dionysius und die anderen Nothelfer

Herzstück der 1772 eingeweihten Basilika ist der Gnadenaltar, der mit den Bildnissen der Nothelfer grazil und leicht über das heute noch sichtbare Fleckchen Erde schwebt, auf dem sie einst zusammen mit dem göttlichen Kind rasteten. Bei Gefährdungen von Leib und Seele rufen zahllose Menschen "ihre" Nothelfer an: die Heiligen Ägidius, Dionysius, Eustachius, Barbara, Margareta, Blasius, Christophorus, Erasmus, Achatius, Cyriacus, Vitus, Katharina, Georg und Pantaleon.

Tipps für den Pilgerausflug in Vierzehnheiligen

Gottesdienstzeiten:

  • Im Sommer (Mai bis September): Sonntag um 7, 8, 9 und 10.30 Uhr; 14 Uhr Andacht (außer im August), Montag bis Samstag um 7 Uhr Heilige Messe (ohne Orgel), Montag um 8 Uhr Heilige Messe, Dienstag bis Samstag um 8 Uhr Amt (mit Orgel).
  • Im Winter (Oktober bis April): Sonntag um 7.30, 9 und 10.30 Uhr; 14 Uhr Andacht (außer vom 17. Januar bis zur Fastenzeit), Montag bis Samstag um 9 Uhr Heilige Messe (ohne Orgel), Montag um 8 Uhr Heilige Messe, Dienstag bis Samstag um 8 Uhr Amt (mit Orgel).
Weitere Infos gibt es hier. Für die gottesdienstlichen und seelsorgerlichen Angebote sorgen die Franziskaner: Informationszentrum mit Ausstellung im Kloster hinter der Basilika, Telefon 09571 / 9508-0.

Gaststätten:

  • Brauerei Trunk (täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet; Brauereigaststätte mit Biergarten, oberhalb der Basilika)
  • Goldener Stern (unterhalb der Basilika)
  • Goldener Hirsch (derzeit im Diözesanhaus unterhalb der Basilika täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet; Hauptgebäude derzeit wegen Renovierung geschlossen)

Ausflugsziele in der Nähe:

  • Gegenüber der Wallfahrtstätte liegt Kloster Banz mit seiner barocken Kirche.
  • Bad Staffelstein mit seinem Thermalbad und die Korbstadt Lichtenfels sind in unmittelbarer Nähe.
  • Für Wanderer empfiehlt sich ein Ausflug auf den vielbesungenen Staffelberg mit seiner Adelgundiskapelle.

In unserer Serie Pilgern in Franken stellen wir sechs Pilgerorte aus dem Bereich des Erzbistums Bamberg vor: Vierzehnheiligen, Marienweiher, Gößweinstein, Senftenbergsowie Schlüsselau und Glosberg.

Lesen Sie auch: Pilgern ist wie Beten mit den Füßen: Unterwegs auf dem Jakobsweg am Obermain

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