Bamberg
Tourismus

Schön, beliebt, belastet: Wie Bamberg die Herausforderungen für den Tourismus meistern will

Bamberg ist von einem Reiseportal zum Touristenziel mit der schönsten Altstadt Deutschlands gewählt worden. Die Beliebtheit hat aber ihre Schattenseiten. Kann die Stadt gegensteuern?
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Tourismus in Bamberg hat Licht- und Schattenseiten. Der Tourismus-Service versucht zu vermitteln. Foto: Ronald Rinklef
Tourismus in Bamberg hat Licht- und Schattenseiten. Der Tourismus-Service versucht zu vermitteln. Foto: Ronald Rinklef

Die Stadt pulsiert: Einheimische und täglich im Schnitt knapp 21.000 Tagesbesucher treffen in Bamberg aufeinander. Ein Luxusproblem: Zu viele Menschen wollen nach Bamberg. Und das stört viele Bewohner.

Umfrage unter Bambergern ergibt: Zahl der Touristen ist zu hoch

2016 hat der Tourismus- und Kongress-Service (TKS) eine Umfrage in sechs Stadtteilen durchführen lassen. Über 64 Prozent der 500 Befragten sagten, dass sie die Anzahl der Touristen als zu hoch empfinden. Gleichzeitig fanden aber über 80 Prozent, dass Tourismus wichtig für Bamberg und ein bedeutender Wirtschaftszweig sei.

Der Tourismus dürfe sich aber nicht zu intensiv entwickeln. Ein Blick auf vier Problemfelder und was der TKS tut, um die Massen zu entzerren.

Schiffstourismus

Schiffstouristen machen zwar im Vergleich zu den jährlich 7,8 Millionen Tagesbesuchern in Bamberg einen winzigen Teil der Touristen aus (130.000 pro Jahr), dennoch fallen sie dem Bamberger besonders ins Auge. Das wissen auch Tourismusdirektor Andreas Christel und sein Nachfolger Michael Heger. Was am Auftreten der Gruppen liege: Die Reeder wollten es so, dass die Gruppen mit Headsets und Schildchen durch Bamberg geführt werden.

Am Schiffstourismus könne der TKS zwar erst einmal grundsätzlich nichts ändern. Der Hafen ist autonom. "Wir können keine Wasserstraße sperren", erklärt Christel. Aber man könne hier vor Ort die Gruppen vernünftig kanalisieren und die Landprogramme entsprechend gestalten. Das sei etwa 2015 nach einem Runden Tisch mit den Reedereien geschehen. "Wir haben auf die Sensibilität des Welterbes hingewiesen", sagt Heger.

Die Busse werden nun von der Promenade ferngehalten. Inzwischen funktioniere die Logistik vom Hafen zur Konzerthalle und zurück sehr gut. Die Zahl der Schiffe habe pro Jahr von einst 950 um mehr als 100 abgenommen. Dennoch kommen im Sommer zu Spitzenzeiten immer noch fünf bis sechs Schiffe am Tag an.

Stadtführungen

"Touristen sind wichtig, aber es kommt uns so unreglementiert vor", kritisiert der Bamberger Frank Renninger, der früher im Sams-Haus gewohnt hat und wegen des ständigen Trubels in der Judenstraße ausgezogen ist. Mehrere Stadtführungen starten am Tag durch Bamberg. Bei den Führungen achte man darauf, dass die Gruppengröße maximal 25 Personen betrage, so Christel und Heger.

Zwei Drittel aller Stadtführer seien vom Tourismusservice und entsprechend geschult. Außerdem versuche man, andere Areale ins Auge zu fassen und Gruppen aus der Innenstadt zu führen. Etwa in die Gärtnerstadt, um den urbanen Gartenbau zu zeigen, oder in die Bergstadt, wo es zum Thema Biertradition und Bierkultur in den Felsenkeller des Schlenkerla geht.

Es komme laut Christel auf das Führungsangebot an, das thematisch aufbereitet sei. "Die E.T.A.-Hoffmann-Führung geht nicht auf den Domplatz!" Ebenso werde zur Entzerrung des Besucherstroms die Kooperation mit dem Landkreis zu intensivieren versucht.

Hotelbetten

Der Kreisverband des Hotel- und Gaststättenverbands kritisiert den unkontrollierten Zuwachs an Garni-Hotels in Bamberg. Große Konzerne würden kleinere alteingesessene Betriebe vom Markt verdrängen. So sollen tatsächlich Häuser akut bedroht sein.

Dem widerspricht der TKS: Die letzten Jahrzehnte hat es laut Christel einen permanenten Bettenzuwachs auf 3600 Betten in Unterkünften mit zehn oder mehr Betten gegeben. "Es ist kein einziges Hotel über den Jordan gegangen." Vielmehr sei das Gegenteil passiert, die Auslastung und die Anzahl der Übernachtungen in den einzelnen Häusern sei gestiegen. "Wir haben eine Bettenauslastung über 50 Prozent im dritten Jahr in Folge." Vor 15 Jahren sei diese bei rund 40 Prozent gelegen.

Allerdings fordert auch Christel mit Blick auf das Hotelentwicklungskonzept, das im kommenden Jahr erstellt sein soll, dass man künftig nur noch Vollhotels zulässt bei Neuinvestitionen, sprich: keine Garni-Hotels mehr, sondern Unterkünfte mit Restaurant. Die Hotels müssten dafür sorgen, dass die Gäste was zu essen bekommen. Denn: Das Platzangebot in der Gastronomie sei intensiv beansprucht, auch da müsse man schauen, dass der Bestand gesichert und ausgebaut wird. Das Konzept soll auch dazu dienen, herauszubekommen, wie weit Wachstum gehen kann. "Wir brauchen und wollen nachhaltigen Tourismus."

Saisonalität

Im Sommer ist Bamberg übervoll. Festivals wie Bamberg zaubert oder Blues- und Jazzfestival, aber auch die Sandkerwa locken Besucher in die Innenstadt. Die Sommermonate sind Reisemonate. Jede Menge Busse und Schiffe kommen dann in Bamberg an. In den Wintermonaten sieht es dagegen anders aus.

Andreas Christel vom TKS erklärt, dass es schon einen langjährigen Ansatz auch für die Wintermonate gebe. So locke auch das Thema Krippenstadt in der stillen Zeit Besucher nach Bamberg. Doch: "Wo Bamberg ein wenig Winterschlaf hält, ist Januar, Februar, März." Laut dem Tourismusdirektor ist der TKS bestrebt, die Saisonlastigkeit auszugleichen. Auch wenn dies schwierig sei.

Umfrage des Tourismus- und Kongress-Service

Der TKS fragt aktuell wieder die Meinung der Bamberger Bevölkerung zum Tourismus ab. Die Umfrage ist noch bis Ende Dezember abrufbar.

Kommentar von Sebastian Martin: Negative Begleiterscheinungen

Die Verantwortlichen bei der Stadt haben längst erkannt, dass die Beliebtheit Bambergs auch Schattenseiten hat. Beim "Sauftourismus" zeigt sich das ganz gut. Bamberg ist für seine Brauereien berühmt, deshalb ist es logisch, dass auch die Bierkultur beworben wird. Die Bierstadt zieht aber zugleich Gruppen an, die über die Stränge schlagen. Diese lehnen die Touristiker zwar entschieden ab. Dennoch bleibt der "Sauftourismus" eine der unschönen Begleiterscheinungen, mit denen manch einer in Bamberg zu kämpfen hat.

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