• Die Beschützerin der Burgtürme in Nürnberg
  • Eine Kindesentführung im Spessartwald
  • Die Querkela auf dem Staffelberg in Oberfranken
  • Tipps für drei sagenhafte Ausflüge in Franken

Sagen sind volkstümliche Erzählungen, die über lange Zeit nur mündlich weitergegeben wurden und sich so immer wieder veränderten. Obwohl die Überlieferungen oft märchenhaft und fantastisch sind, haben sie immer einen wahren Kern. Sie handeln von Personen, die es wirklich gegeben hat und von realen Orten. Sagen erklären Ortsnamen, Naturphänomene oder historische Ereignisse auf ihre Art. Regionale Besonderheiten spiegeln sich in ihnen wider. Es lohnt sich häufig, die Schauplätze solcher Sagen zu besuchen.

Schutzgeist der Türme: Die blaue Agnes

Um die Kaiserburg in Nürnberg, eine der bedeutendsten Burgen Deutschlands, ranken sich zahlreiche Sagen. Dass im tiefen Brunnen der Kaiser Karl auf das Ende der Welt warten soll, hast du vielleicht schon mal gehört. Aber kennst du auch diese Geschichte? Einst lebte in einem der Burgtürme, dem Sinwellturm, der Turmwächter Jörg Kohler. Er war Witwer, seine Kinder waren gestorben und so war er ganz alleine.

Er überblickte die ganze Stadt und musste das Signalhorn blasen, wenn es brannte. Als Nebenverdienst webte er Stoffe und färbte sie blau. Als er einmal aus der Stadt zurückkam, fand er vor seinem Turm ein halb verhungertes kleines Waisenmädchen. Er nahm sie bei sich auf und nannte sie Agnes. Das Mädchen trug nur blaue Kleider aus den selbstgemachten Tüchern des Türmers. So hieß sie bald die blaue Agnes. Die beiden lebten viele Jahre zusammen als Vater und Tochter.

Als Jörg Kohler alt wurde, sorgte Agnes für ihn. Eines Nachts brach in der Stadt ein Brand aus. Doch vom Sinwellturm hörte man kein Feuerhorn. Als der Brand gelöscht war, fand man den alten Jörg tot im Turm. Nach seinem Tod verschwand Agnes. Fast fünfzig Jahre lang blieb der Sinwellturm unbewohnt. Als schließlich ein neuer Turmwächter einzog, hörte er nachts die Schritte und Lieder der blauen Agnes. Sie half von nun an diesem Türmer und weckte ihn, wenn er während des Dienstes einmal einschlief.

113 Stufen bis zum Sinnwellturm

Später erschien sie auch auf den anderen Türmen der Burg. Vor großen Bränden warnte die blaue Agnes lange vorher, indem sie die Feuerglocke leise läutete, das Feuerhorn an der Wand bewegte oder alle Uhren anhielt. Sie war und blieb der Schutzgeist der Türme

Der Sinnwellturm, ein Rundturm aus dem 13. Jahrhundert, steht im östlichen Teil der Nürnberger Burg auf einem hohen Felsen. Obwohl er hoch aufragt, überstand er, als eins der wenigen Gebäude der Burg, die Luftangriffe des 2. Weltkriegs. Du kannst ihn über 113 Stufen erklettern und eine großartige Aussicht über Nürnberg und das Umland genießen. Am Turm nisten Wanderfalken, in deren Horst du per Webcam schauen kannst.

Auch sonst ist die Nürnberger Kaiserburg einen Besuch wert: der 47 Meter tiefe Brunnen, das Burgmuseum, mit einer umfangreichen Sammlung von Waffen und Geräten, der Palas mit Doppelkapelle. Öffnungszeiten sind in der Regel im April bis September täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr, von Oktober bis März täglich 10.00 bis 16.00 Uhr. Die Burg ist auch für Kinder spannend und für Familien erschwinglich. Die Gesamtkarte kostet 7 (ermäßigt 6) Euro pro Person, mit der Nürnberg-Card ist der Eintritt frei. In den ehemaligen Stallungen der Burg befindet sich heute übrigens eine Jugendherberge, falls du übernachten willst.

Verrat im Spessartwald

Burgen und Schlössern waren immer Zentren von Macht, Gewalt und historisch bedeutsamen Ereignissen. Für die örtliche Bevölkerung waren sie wichtig, oft auch bedrohlich. So ist es nicht verwunderlich, dass so gut wie jede Burg ihre Sage hat. Auf der Altenburg in der Nähe von Aschaffenburg im Spessartwald geschah angeblich einmal eine Kindesentführung mit Folgen.

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Ein Ritter hatte zwei Söhne. Eines Tages entführten zwei Räuber die Kinder. Um nicht erwischt zu werden, beschlossen sie, jeder ein Kind mitzunehmen und in verschiedene Richtungen zu fliehen. Sie versprachen sich, einander keinesfalls zu verraten, sollte einer von ihnen gefangen werden. Unterwegs wurde einer der Räuber sehr müde. Während er im Wald schlief, schlich sich der geraubte Junge davon und holte Hilfe. Sein Entführer wurde gefangen und auf die Altenburg gebracht. Man versprach, ihn zu begnadigen, wenn er seinen Kumpanen verraten würde. Das tat er auch und der zweite Räuber wurde gefangen und hingerichtet. Er selbst wurde begnadigt, wie versprochen. Aber er hatte nicht viel Freude daran: Sein schlechtes Gewissen quälte ihn. Tag und Nacht erschien ihm der Geist seines verratenen Kollegen. Schließlich erhängte er sich. 

Die Altenburg (auch Ruine Sodenburg oder Schlossberg) war eine frühe keltische Befestigungsanlage im Spessart. Sie liegt zwischen Soden (Ortsteil von Sulzbach am Main) und Ebersbach (Ortsteil von Leidersbach) im unterfränkischen Miltenberg. Allerdings ist von der Burg heute nur noch ein doppelter Ringwall erhalten. Von den Geschichtsvereinen Leidersbach und Sulzbach werden auf Anfrage Führungen rund um die Anlage angeboten. Vor Ort findest du außerdem eine Ausstellung verschiedener Funde von Ausgrabungen und ein Keltenhaus. Der Eingangsbereich des Keltenhauses ist immer offen, so kannst du auch unangemeldet einiges sehen. Verbinde doch eine Wanderung auf einem von Leidersbachs Kulturwegen mit einem Abstecher zur Altenburg. Empfehlenswert ist der Ausflug besonders für historisch und archäologisch Interessierte.

Oberfränkische Zwerge lieben Klöße

In einer Höhle im Staffelberg (Landkreis Lichtenfels) hausten, laut einer der bekanntesten Sagen am Obermain, die Querkela (vom althochdeutschen „Getwerg“ für Zwerg). Auch sie halfen den Menschen nachts in Haus und Hof. Sie unterstützten vor allem arme Leute und konnten auch Krankheiten heilen. Das Lieblingsessen der Querkela waren Klöße. Wann immer es welche gab, kamen sie, aßen so viele wie möglich und nahmen sich noch welche mit. Die Leute betrachteten dies als Lohn für die Hilfe der kleinen Wichte. In einem Haus des Ortes aber lebten geizige Leute. Sie ließen sich zwar gerne von den Querkela helfen, wollten ihnen aber keine Klöße geben. Darüber wurden die Querkela sauer und verließen die Gegend. Keiner weiß, wohin sie gingen und sie wurden auch nie mehr gesehen. (Quelle: Obermain Tagblatt)

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Im Ortsteil Haide der Stadt Helmbrechts kannst du einen etwa 12 Kilometer langen Rundweg gehen, den Querkela-Weg. Die etwa 3 - stündige Wanderung belohnt dich mit wunderschönen Ausblicken auf Fichtelgebirge und Frankenwald. Und sie führt dich unterwegs auch zum Quarkloch oder Querkela. Die Figur eines Helferzwergs bewacht den Höhleneingang zur einstigen Behausung der Querkela.

Wahrscheinlich ist das Loch ein Überbleibsel des Bergbaus, der bis Mitte des 20. Jahrhunderts in dieser Gegend betrieben wurde. Der Ursprung vieler Sagen von Wichteln und Zwergen liegt vermutlich im Bergbau, für den besonders kleine Leute eingesetzt wurden. Die Querkela-Höhle ist jedenfalls ein schönes Ausflugsziel für Familien mit Kindern.

Fazit: Sagenhafte Ausflüge in Franken

Egal, ob auf einem Städtetrip in Nürnberg, auf den Spuren prähistorischer Kulturen im Spessart, oder beim Wandern im Frankenwald: Franken ist voller sagenhafter Geschichten. Diese Märchen und Sagen könnten Anlass für deinen nächsten Ausflug sein. Lass dich anregen, neue Gegenden zu erkunden oder Bekanntes neu zu betrachten. Sagen verraten viel über den Charakter einer Region und seiner Bewohner. Sie erzählen dir auch etwas über den Alltag der Menschen vor langer Zeit und machen so Historisches anschaulich. Und besonders Kinder lieben Geschichten. Die Suche nach der geheimnisvollen Höhle der Querkela oder einem Räuberlager, macht den nächsten Ausflug zum spannenden Erlebnis. Selbst, wenn man dabei wandern soll.

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