Frankenheim (Rhön)
Ausflugsregion

Regionalität, Entspannung, Natur: Wie die Rhön Deutschlands bekanntestes Mittelgebirge werden will

Die Rhön ist eines der bekanntesten Urlaubsgebiete Deutschlands. Sie lockt vor allem Wanderer und Ausflügler an, die Ruhe in der Natur suchen. Nun will die Rhön das bekannteste Mittelgebirge der Bundesrepublik werden. Doch dafür ist noch jede Menge zu tun.
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Wanderer in der Rhön: Wer Lust auf Aktivurlaub hat, ist in dem Mittelgebirge richtig. Foto: Jens Hauspurg/Thüringer Tourismusverband/dpa-tmn
Wanderer in der Rhön: Wer Lust auf Aktivurlaub hat, ist in dem Mittelgebirge richtig. Foto: Jens Hauspurg/Thüringer Tourismusverband/dpa-tmn

Für Wanderfreunde ist der Punkt ein Geheimtipp: Am "Eisenacher Haus" auf dem Ellenbogen, einer der höchsten Erhebungen Thüringens, treffen sich mehrere Wanderwege. Einer führt bis nach Eisenach, einer über den Höhenzug der Rhön, ein weiterer verbindet die Bahnhöfe Fulda und Meiningen. Hinzu kommen örtliche Routen.

Die Rhön: "Ein Mekka der Wanderwege"

Sascha Sücker, Hoteldirektor im "Eisenacher Haus", schwärmt von einem "Mekka der Wanderwege". Doch die meisten Gäste in seinem Biergarten wandern nicht. Sie gehen nur ein paar Schritte zum Gipfel und besteigen die Aussichtsplattform Noahs Segel, von der man einen schönen Blick auf die ehemalige innerdeutsche Grenze hat. Überhaupt könnte mehr los sein im Hotel "Eisenacher Haus". "Übers Jahr gesehen liegt die Auslastung bei nicht mal 30 Prozent", erzählt Sücker.

Wenn es nach Thorn Plöger geht, wird sich das bald ändern. Der Geschäftsführer der Tourismusvermarktung Rhön GmbH will die Rhön zu Deutschlands bekanntestem Mittelgebirge machen, durch Messeauftritte, Werbung - und Überzeugungsarbeit vor Ort. "Die Vermieter müssen sich auf Kurzurlauber einstellen und online buchbar sein."

Mittelgebirge am "Grünen Band"

Sascha Sücker muss diese Hürde nicht mehr nehmen. Der gebürtige Berliner arbeitete als Suchmaschinen-Manager, als er zum ersten Mal von der Rhön hörte, einem ausgedehnten Mittelgebirge am "Grünen Band", der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Und von der Geschichte des "Eisenacher Hauses". Erbaut vom Rhönklub Eisenach wurde die Wanderherberge nach dem Zweiten Weltkrieg erst Ferienheim der DDR-Gewerkschaft, dann Horchposten der Staatssicherheit - und nach der Wende Tagungs- und Wanderhotel.

Sückers Frau und sein Schwager pachteten das Hotel von einem Investor aus Österreich. Wieso zog es ihn in die Rhön? "Hier hat man seine Ruhe", sagt der Direktor. Für die Region, die sich auf die Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen verteilt, ist das Segen und Fluch zugleich.

So gibt es am Fernwanderweg Hochrhöner zu wenige Unterkünfte. Ein Problem, das bislang Fahrdienste der Hoteliers lösten.

Sückers Schwager hat am Vortag zwei Berliner Wanderer am Infozentrum Schwarzes Moor eingesammelt, um sie nun dorthin zurückzubringen. Der Fahrservice wiederholt sich am Folgetag in Kaltennordheim, wobei das Gepäck der Wanderer noch bis zur Folgeunterkunft chauffiert wird. Viel Aufwand für zwei Übernachtungsgäste.

Neue Übernachtungsmöglichkeiten für Rucksackwanderer

Zukünftig sollen auch Rucksackwanderer in Schutzhütten übernachten dürfen, so eine Idee der Rhön GmbH. "Wir bauen eine Butze, eine Art Zelt aus Holz mit Biotoilette, davor das Schild: Hier dürfen Sie im Holz schlafen", erklärt Plöger. Angedacht sind auch Verpflegungsautomaten, die im Solarbetrieb arbeiten sollen. Und Picknickkörbe, die vor der Ankunft bestellt und unterwegs platziert werden. Darum sollen sich Anwohner kümmern, gegen ein Taschengeld.

"Die Rhöner haben eine hohe Identifikation mit ihrer Region", sagt Plöger. Aber sind sie auch bereit, spätabends auszurücken, weil der Solarautomat das Getränk nicht mehr ausgibt? Und kann das Projekt der Region zu einem touristischen Aufschwung verhelfen?

Langer Atem nötig

Dieter Klein ist skeptisch: "Das wird nicht reichen. Wer eine Region bekannt machen will, muss sie ständig bewerben und einen langen Atem beweisen", sagt der Geschäftsführer von Kleins Wanderreisen. Der Reiseveranstalter vermittelt jährlich rund 250 Gäste ohne Gepäck auf den Hochrhöner. Viel Luft nach oben sieht Klein nicht.

"Die Leute buchen nur, was sie kennen", sagt der Wanderexperte und verweist auf den Rheinsteig: "Der Rhein ist besungen und bedichtet worden, den kennt man überall auf der Welt."

Doch die Rhön will nicht zum Rhein werden. Ihr Konkurrent ist der Schwarzwald - und auch der ist weltbekannt. Die 10 Top-Sehenswürdigkeiten in der Rhön reichen von Wasserkuppe und Kreuzberg bis zum Schwarzen Moor.

Klein ist den Hochrhöner vom fränkischen Bad Kissingen bis ins thüringische Bad Salzungen selbst gelaufen. "Die vielen Ausblicke über die offenen Höhen haben mir gut gefallen", sagt er. "Dass man durch drei Bundesländer wandert, wissen nicht alle." Das Potenzial für mehr Gäste ist also vorhanden. Aber: "Der Gast wünscht sich alle acht Kilometer eine Einkehrmöglichkeit, da hapert es in der Rhön noch."

Ungleichmäßige Verteilung der Besucher ist das Problem

Gute Aussicht bieten zwar auch Noahs Segel und sein Pendant, das rund fünf Kilometer entfernte Besucherzentrum Arche Rhön - verbunden durch einen 18 Kilometer langen Entdeckerpfad Hohe Rhön mit kindgerechten Infostationen. Doch nur wenige Familien entdecken den Weg wirklich.

Ganz anders das Bild auf der Wasserkuppe, Hessens höchster Erhebung: Viele gebührenpflichtige Parkplätze, ein Schilderwald, Freizeitparks zum Klettern und Rodeln.

"Dass die Wasserkuppe so berühmt ist, ist auch ihr Verhängnis", findet Sücker. Dort wird es richtig voll. 10 Tipps für Aktivitäten in der Rhön und Umgebung: Sommerrodelbahn, Paragliding, Aussichtssegel

"Die Wasserkuppe kennt jeder, als Wiege des Segelflugs", sagt Klein. Aber nicht jeder wisse auch, dass sie in der Rhön liegt. Die Besucher verteilen sich in der Region noch sehr ungleichmäßig.

Bisher besuche vor allem die bürgerliche Mitte die Rhön, sagt Plöger.

Jetzt werde das sozialökologische Milieu beworben. Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. "Die Werte sind hier Regionalität, Entspannung, Natur - und darauf fokussieren wir uns." Im Biergarten des "Eisenacher Hauses" wird der Kaffee derweil in Plastikbechern gereicht. Es gibt noch viel zu tun in der Rhön.

Tipps zur Anreise in die Rhön

 

  • Mit der Bahn nach Fulda, von dort weiter mit dem Bus über Hilders nach Tann oder mit dem Regionalzug nach Gersfeld und dem Bus zur Wasserkuppe.
  • Alternativ mit dem Zug bis nach Eisenach und weiter mit dem Wanderbus Rhönkurier/Linie 110 nach Tann.
  • Bahnstationen befinden sich auch in Bad Neustadt, Meiningen und Bad Kissingen.

 

Mehr Infos zum Urlaub in der Rhön haben wir hier für Sie zusammengestellt.

 

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