Von weiblicher Mystik und Versenkung im Streben um eine persönliche Vereinigung mit Gott sind die heutigen Wallfahrer zur "Schmerzhaften Heiligsten Dreifaltigkeit" in Schlüsselau, einem Ortsteil von Frensdorf (Landkreis Bamberg) wohl weit entfernt.

Doch innere Sammlung finden die Pilger dort allemal: Vor dem Gnadenbild im Hochaltar der Kirche, das Gott Vater, seinen toten Sohn im Schoß haltend, zeigt, darüber die schwebende Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Die Edelfreien von Schlüsselberg stifteten das Kloster in Franken

Im Volksmund ist diese Pilgerschaft als "Schlüsselauer Klosterwallfahrt" fest verankert. Dieser Name erinnert daran, dass die Edelfreien von Schlüsselberg, eines der bedeutendsten fränkischen Adelsgeschlechter, um das Jahr 1260 ein Kloster auf ihrem Besitz bei Bamberg gestiftet haben.

Zisterzienserinnen aus Mariaburghausen (Stadt Haßfurt) waren die ersten Nonnen in Schlüsselau. Die Klosterkirche wurde der Gottesmutter und der Schmerzensreichen Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht, zu der bald eine Wallfahrt einsetzte.

Pilgertourismus im Franken des 16. Jahrhunderts

Im frühen 16. Jahrhundert förderten die Zisterzienserinnen - wohl auch zur Erschließung neuer Einnahmequellen - nach Kräften diese Wallfahrt. Und das ungeachtet ihrer Probleme wie Nachwuchsmangel oder Verstoß einzelner Klosterfrauen gegen die strenge Klausur.

Der Bauernkrieg und die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Kulmbach hinterließen zudem wüste Spuren an Kloster und Kirche. Im Jahr 1554 schloss Fürstbischof Weigand von Redwitz das Kloster.

Wiederaufbau der Wallfahrts- und Pfarrkirche

1603 erlebte die Ruine der ehemaligen Klosterkirche einen Wiederaufbau und Neubeginn als Wallfahrts- und Pfarrkirche. Schon im 17. Jahrhundert gab es Pläne für eine Wiederbesiedlung des Klosters. Aber erst 1949 zog ein Konvent der Beschuhten Karmelitinnen ein, der jedoch bereits 1968 nach Erlangen-Büchenbach verlegt wurde.

Gleichwohl machen sich nach wie vor Pilger aus den umliegenden Ortschaften, aber ebenso aus Bamberg und Höchstadt auf zur "Klosterwallfahrt". Und lassen sich ein auf eine spirituelle Reise auch zu dem überlebensgroßen, künstlerisch bedeutsamen Kruzifix aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, das die Langhauswand der 1730 barockisierten Kirche dominiert.

Tipps für den Pilger-Ausflug

Öffnungszeiten:

Die Kirche ist tagsüber geöffnet.

Gaststätten:

  • Gasthaus Bittel, Schlüsselau 15: Freitag und Sonntag von 16 bis 23 Uhr geöffnet
  • Brauereigaststätte Barnikel, Dorfstraße 5, Herrnsdorf: taglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet, Sonntag von 10.30 bis 23 Uhr, Mittwoch Ruhetag
  • Brauerei Weber, Ringstraße 46, Röbersdorf: taglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet, Mittwoch und Donnerstag Ruhetage

Ausflugsziele in der Nähe:

in der Nähe liegen das Barockschloss Weißenstein bei Pommersfelden und natürlich die Weltkulturerbestadt Bamberg.

In unserer Serie Pilgern in Franken stellen wir sechs Pilgerorte aus dem Bereich des Erzbistums Bamberg vor: Vierzehnheiligen, Marienweiher, Gößweinstein, Senftenberg sowie Schlüsselau und Glosberg.

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