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Gemünden am Main
Historischer Ort in Unterfranken

Geheimtipp für Ausflügler: Die Ruine Schönrain und ihre Geheimnisse

Vor bald 1000 Jahren wurde ein Kloster auf Schönrain in Unterfranken errichtet. Außerdem gab es einst eine Burg und später ein Schloss. Jetzt sollen Wissenschaftler die Ruine untersuchen.
 
Die Ruine Schönrain aus der Luft (Bild von 2016).  Foto: Jannik Lamprecht
Die Ruine Schönrain aus der Luft (Bild von 2016). Foto: Jannik Lamprecht
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Die auf einem Hügelsporn, mitten im Wald zwischen Hofstetten und Steinbach (Landkreis Main-Spessart) gelegene Ruine Schönrain ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und ein Geheimtipp bei auswärtigen Ausflüglern. Aber nicht selten ist man ganz alleine am einsamen Gemäuer, das seinen Namen von seiner schönen Lage hat. Man kann es sich heute schwer vorstellen, dass dort einst Menschen lebten, aber so war es über Jahrhunderte. Es haben sich dort Mönche und Adelige, eine Zeit lang womöglich sogar Rienecker Raubritter getummelt. Jetzt sollen Untersuchungen neue Erkenntnisse bringen, was dort oben früher los war.

Der rund 40 Mitglieder starke Verein "Gefährten Schönrains & Freunde" hat sich dem Erhalt der Ruine verschrieben und schon einige Entdeckungen gemacht hat. Langjähriger Vereinsvorsitzender war seit der Gründung im Jahr 2004 der Lohrer Architekt Oliver Herrmann. Mittlerweile hat er den Vereinsvorsitz an Stefan Beier abgegeben und fungiert als Geschichtsreferent des Vereins. Er ist immer noch fasziniert von den zum Teil fast 1000 Jahre alten Mauern. "Das Schöne ist, dass man hier zur Ruhe kommt", sagt er.

Ruine Schönrain soll wissenschaftlich untersucht werden

Archäologische Untersuchungen gab es bisher nicht, dabei ließe sich wohl einiges finden. So ist etwa noch nicht wirklich geklärt, wo eigentlich die Klosterkirche stand, von der sich noch Säulen, Kapitelle und Schachbrettfries-Steine, an verschiedenen Stellen eingemauert, auf dem Gelände finden. Nachdem sich die Literatur zu Schönrain seit Jahrzehnten kaum verändert hat, will der Schönrain-Verein selber einen Schritt weitergehen, sagt der langjährige Vorsitzende.

Jetzt soll die Anlage wissenschaftlich untersucht werden. Oliver Herrmann berichtet, dass eine Burgenforscherin für Kost und Logis im Frühjahr bereits eine Magnetfeld- und eine Bodenradarmessung durchgeführt hat. Das sei noch kein offizielles Vermessungsbüro gewesen. "Wir wollten schauen: Wo ist überhaupt was Interessantes?", sagt Herrmann.

Die Untersuchung habe ergeben, dass im Zufahrtsbereich zwischen den beiden Säulen Mauerreste im Erdreich stecken. "In dem Bereich scheint es mal ein größeres Gebäude gegeben zu haben." Kommendes Jahr soll ein weiterer Burgenforscher die Schönrain untersuchen, um Klarheit über Bestand und Einordnung der Anlage zu bekommen. Herrmann erzählt, dass es im September ein Treffen auf der Schönrain mit der Denkmalpflege und den Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer gegeben hat. Dr. Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege habe seine Unterstützung zugesagt. Eventuell werde es eine offizielle Georadarmessung im vorderen Bereich geben.

Reste des Renaissance-Schlosses

Die von den umliegenden Dörfern relativ weit abgelegene Ruine mit dem gut erhaltenen und begehbaren Treppenturm, war schon immer Ausflugsziel für Schulklassen, Wanderer - und auch für Verliebte, wie die alten Einritzungen im Putz des Turmes belegen. Da der Forstweg, der an dem Gemäuer vorbeiführt, nur für land- und forstwirtschaftliche Zwecke befahren werden darf, erreicht man die Ruine nur zu Fuß oder mit dem Rad. Wer nicht den Markierungen des "Fränkischen Marienwegs" oder des "Spessartwegs 1" folgt und sich selbst einen Weg sucht, läuft Gefahr, sich im dichten Spessartausläufer auf der Fränkischen Platte zu verirren. Gern genommen wird deshalb auch der direkte, aber steile Aufstieg vom Tal des Ziegelbachs den teils terrassierten Hang hinauf. Der Weg lohnt sich. Schon vor Errichtung des Benediktinerklosters wurde der linksmainisch gelegene Ort der schöne Rain genannt.

Viele Sagen und Legenden ranken sich um die Schönrain, etwa die, dass die heilige Lioba auf Schönrain schon um 750 ein Kloster gegründet hat. Eine als karolingisches Portal gedeutete Tür, durch die man heute über eine Treppe auf den südwestlichen Grasplatz mit Blick hinunter auf den Main gelangt, soll aus dieser Zeit stammen. Was man heute sieht, sind vor allem Überreste eines 1556 erbauten Renaissance-Schlosses mit Turm und schmucken Fenstergewänden in Vorhangform. Der große Gewölbekeller der Ruine ist für die Öffentlichkeit inzwischen leider verschlossen. Durch die Gitter an den Zugängen und Fenstern sollen die Fledermäuse im Keller geschützt werden. Einer alten Sage nach soll dort ein großer Schatz versteckt sein - über den jedoch der Teufel wache. Der in den 80er Jahren unter der Ruine durchgegrabene Schönraintunnel, ein Teil der Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg, hat dem Gemäuer, anders als von manchen befürchtet, bisher offenbar nicht geschadet. Beim Bau des Tunnels sei aber wohl ein Brunnenschacht durchstoßen worden, sagt Oliver Herrmann.

Anlass für die Gründung des Benediktinerklosters auf Schönrain durch die gräflichen Brüder Ludwig von Schauenburg (genannt "Ludwig der Springer") und Berengar/Beringer von Sangershausen, Angehörige des aus Franken stammenden Adelsgeschlechts der Ludowinger, einer Seitenlinie der späteren Grafen von Rieneck, war eine Bluttat. Der Thüringer Graf Ludwig, der auch die Wartburg bei Eisenach bauen ließ, wollte um 1080 unter anderem mit der Schenkung des Gutes Schönrain sowie des Gutes zu Wiesenfeld an den Abt Wilhelm von Hirsau in Württemberg sein Seelenheil retten. Ein Kloster sollte hier entstehen, denn Ludwig hatte den Grafen Friedrich III. von Sachsen ermordet und dessen Witwe Adelheid geehelicht. Die Fertigstellung der Klosteranlagen dauerte mindestens zehn bis fünfzehn Jahre. Das bald florierende mit fünf bis zehn Mönchen besetzte Kloster sollte eine bewegte Geschichte erleben.

Raubritter-Sagen und Kloster-Streitigkeiten

Sagen, auf Schönrain hätten einst Raubritter ihr Unwesen getrieben, haben ihren Ursprung wohl im 13. Jahrhundert. Damals haben während der Fehde der Grafen von Rieneck mit dem Würzburger Bischof die Rienecker das Kloster um Befestigungsanlagen erweitert. Sie sollen dem Kloster Schaden zugefügt, die Straßen unsicher und die Schifffahrt auf dem Main beunruhigt haben. Man erzählt sich, Raubritter hätten ein Seil über den Main gespannt, an dessen Ende auf Schönrain ein Glöckchen hing. Stieß nun ein Schiff dagegen, so die Legende, wussten die finsteren Gestalten, dass etwas zu holen war.

In einem Vertrag mit dem Bischof von Würzburg verpflichteten sich 1243 eine weitere Adelheid, die Gräfin von Rieneck, und ihre Söhne Ludwig und Gerhard, die Burg auf Schönrain wieder abzutragen. Im Gegenzug ließ der Würzburger Bischof Hermann von Lobdeburg die von ihm oberhalb von Gemünden errichtete Slorburg schleifen. Mehrfach kam es zwischen den Rienecker Grafen und Würzburg zu Streitigkeiten wegen des Klosters. In einem Vergleich erkannte Rieneck das Kloster als würzburgisches Lehen an. Das Kloster Schönrain wurde im Bauernkrieg 1525 "geplündert, ausgeprannt unnd uff den Boden zerschlayfft", die Mönche vertrieben und das Gelände an die Grafen von Rieneck verkauft - eigentlich mit der Bestimmung, die Kirche wieder neu herzurichten.

Doch weil das Kloster Hirsau 1535 säkularisiert und Graf Philipp III. von Rieneck protestantisch wurde, ließ er die Klosterkirche völlig niederreißen. 1556 ließ er einen Schlossbau, den er als Witwensitz für seine Gemahlin Margareta bestimmte, errichten. Bis ins 19. Jahrhundert diente das wenig später an den Würzburger Fürstbischof Julius Echter heimgefallene Lehen Schönrain dem Bistum als Unterkunft der Forstverwalter. Noch bis zur Säkularisation 1818 wohnte auf dem Schloss ein königlicher Forstwart, danach wurde der Sitz des königlich-bayerischen Forstamts nach Massenbuch verlagert. Die Gebäude auf Schönrain ließ man verfallen.

Überreste in der Umgebung verbaut

Oliver Herrmann erzählt, dass der Dachstuhl des Schlosses und andere brauchbare Materialien zum Neubau des Forsthauses im nahen Massenbuch verwendet wurden. Die Bauern der Umgebung holten sich ihrerseits vom Gelände, was sie brauchen konnten. So finden sich heute Überreste von Schönrain in Wiesenfeld, Hofstetten und Massenbuch. Der Taufstein in der Hof-stettener Kirche stammt angeblich aus der Schönrainkirche, ebenso das Tympanon über dem Kirchenportal in Massenbuch.

Ein etwa 500 Jahre altes Fratzenfragment, wahrscheinlich von der Schönrain, war lange in einer Scheune in Massenbuch eingemauert, bevor es ins Lohrer Spessartmuseum kam. Auf der Ruine Schönrain befindet sich heute eine Replik.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte man den großen Erhaltungswert der verbliebenen Mauern und Gebäude. So findet man Schönrain reichhaltig dokumentiert in der Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege "Die Kunstdenkmäler von Bayern - Bezirksamt Gemünden", erschienen im Jahr 1920 und nachgedruckt 1982. Das Königliche Landbauamt führte schon 1902 die ersten Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen auf Schönrain durch. Bis heute investiert der bayerische Staat regelmäßig in erhaltende Arbeiten.

Historische Wasserleitung

Die Schönrain-Gefährten haben vor wenigen Jahren eine Wasserleitung entdeckt, über die Wasser von der Schönrainquelle zum Schloss floss. Geflossen ist sie offenbar durch oder in das ehemalige "Pförtnerhaus" vor dem Gelände. Herrmann erzählt, wie elektrisiert er war, als sie an dem unterkellerten Gemäuer eine Stufe zu einer Treppe in den Keller entdeckten. Erst vor ein paar Jahren ist er, etwa 300 Meter vom Gelände entfernt mitten im Wald, auf einen gemauerten Brunnenschacht von etwa 2,50 Meter Durchmesser gestoßen.

Auf dem Areal selbst findet sich ein Kapitell, das offenbar in den 1970er Jahren bei Sicherungsmaßnahmen - wohl in guter Absicht - verkehrt herum auf ein Mauerstück gesetzt wurde. Eine Baustelle für die Gefährten. Geht es nach Herrmann, werden Steinfragmente wie diese künftig besser präsentiert. Es ist wieder was los auf der Schönrain.

Björn Kohlhepp