Hilders
Rhöner Ausflugsziel

Beliebtes Ausflugsziel: Schluss nach 135 Jahren - "Milseburghütte" in der Rhön wird abgerissen

135 Jahre lang war die urige Stube das Ziel der Wanderer. Wer dieses Flair noch erleben will, muss sich beeilen. Die Hütte wird abgerissen.
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Am 28. Oktober wird Pächterin Patrizia Kümpel in der Milseburghütte zum letzten Mal hinter dem Tresen stehen. Foto: Sonja Demmler
Am 28. Oktober wird Pächterin Patrizia Kümpel in der Milseburghütte zum letzten Mal hinter dem Tresen stehen. Foto: Sonja Demmler
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Die Milseburg mit ihrem unvergleichlichen Ausblick zählt zu den schönsten Bergen in der Rhön - und zu den beliebtesten Wanderzielen. So wurde hier eigens die zehn Kilometer lange Extratour Milsburgweg eingerichtet. Doch nicht nur der Berg ist besonders. Seit 135 Jahren steht hier oben auf 835 Metern Höhe, geschützt unterhalb des felsigen Gipfels, eine Hütte, die seinen Namen trägt. Und auch sie ist für viele Besucher eine Attraktion.

Zu erreichen ist sie nur über einen knapp einen Kilometer langen, ansteigenden Fußweg. Auch Strom und fließendes Wasser gibt es hier oben nicht. Aber gerade die urige und gemütliche Atmosphäre in den beiden schlicht eingerichteten Gasträumen schätzen viele Rhönbesucher: die Öl-und Gasfunzeln an den Decken, die Schiebetür am Eingang, durch die jeder neue Gast früher im Winter kalte Luft in die holzbeheizte Stube brachte. Die Milseburg-Bilder an den Wänden, das Portrait des legendären Hüttenwirts Ernst Bleul, den Herrgottswinkel oder den viel fotografierten Spruch über der Theke. Dazu kommt die einfache, herzhafte Kost wie der berühmte Erbseneintopf oder der Rhöner Blechkuchen.

Am 28. Oktober ist Schluss - die Hütte wird abgerissen

Und die steile Treppe hinter der Theke, die in den Kellerraum führt - mit Wänden teils aus nacktem Fels. Da es im Sommer keine andere Möglichkeit zur Kühlung gibt, muss der Wirt die Getränke hier holen. Es sind viele, meist schöne Erinnerungen, die Rhönbesucher mit der Hütte verbinden. Wer sie noch einmal aufleben lassen oder die besondere Atmosphäre der Hütte noch einmal erleben will, hat nicht mehr viel Zeit. "Am 28. Oktober haben wir zum Montagssingen noch einmal geöffnet, dann ist vorläufig Schluss", sagt Wolfgang Kümpel, der die Hütte mit seiner Frau Patrizia seit 13 Jahren gepachtet hat. Sie soll abgerissen werden.

 

Es ist schon länger bekannt, dass der Zustand des Holzbaus nach 135 Jahren im rauen Rhöner Klima nicht mehr der beste ist. "Wenn man im Sommer im Gastraum oder auf der Terrasse sitzt, ist alles angenehm und sieht urig aus", sagt Kümpel. Aber sobald der Herbst kommt, werde es zugig. "Man bekomme die Hütte inzwischen überhaupt nicht mehr warm. An einen Betrieb im Winter ist gleich gar nicht zu denken", beschreibt er den völlig maroden Zustand des Gebäudes. Der Pächter hält den Abriss für alternativlos: "Da ist nichts mehr zu machen."

Stammgäste "regelrecht geschockt"

Zwar sei das Ende absehbar gewesen. Aber als bekannt wurde, dass der 28. Oktober der letzte Öffnungstag sein wird, seien manche Stammgäste "regelrecht geschockt" gewesen, erzählt Kümpel. Es herrsche viel Wehmut, weil ja doch viele hier sehr schöne Stunden erlebt hätten."Wo sollen wir denn künftig hin?", hätten die Montagssänger bedauert, die seit mehr als 30 Jahren jeden Montag zur Hütte hoch wandern und dort gemeinsam singen. Jetzt zählen die Sänger die Montage, an denen sie sich noch in der alten Hütte treffen können.

Auch für die Kümpels wird es "eine harte Herausforderung". Mit "einem lachenden und einem weinenden Auge" sieht Patrizia Kümpel dem Abriss entgegen. Schon seit 34 Jahren arbeitet sie oben auf der Milseburg und stand 21 Jahre als Angestellte und 13 Jahre als Chefin hauptsächlich vor dem Holzherd in der Küche und bekochte ihre Gäste. Den alten Herd will sie sich vor dem Abriss als Andenken sichern, ihr Mann rettet die Tafel über der Theke. Nach so langer Zeit hängt Patrizia Kümpels Herz an der alten Hütte - doch so sehr er schmerzt, den Abriss hält auch sie für unvermeidlich. Gleichzeitig freut sie sich, im nächsten Jahr mal "nicht unter diesem Druck zu stehen". Die Zeit, die sie dann für sich hat, will sie nutzen: unter anderem dazu, einmal vier Wochen auf einer hochalpinen Berghütte zu arbeiten. Kollegen in den Hohen Tauern machen ihren lang gehegten Wunsch möglich.

Neue Hütte wird gebaut

Wann genau die Hütte abgerissen wird? Die Kümpels wissen es auch nicht genau. Klar ist, dass nur die Grundmauern stehen bleiben. Darauf soll dann eine neue Hütte errichtet werden. Wie die aussehen wird? Die Kümpels wurden dazu gehört, erste Pläne haben sie schon gesehen. Entscheiden werden die Gemeinde Hofbieber als Eigentümer der Hütte und der Landkreis Fulda. Für den Neubau werden die Fertigteile wohl mit dem Hubschrauber eingeflogen. Wann die neue Milseburghütte steht? Die Pächter hoffen, dass es schon im Spätsommer 2020 so weit ist. Der Bürgermeister der Eigentümergemeinde Hofbieber, Markus Röder, würde sich freuen, wenn der Neubau tatsächlich im nächsten Sommer starten könnte.

 

Im Landratsamt Fulda wird das Projekt koordiniert. Wie eine Sprecherin erklärt, unterstützt der Kreis das Vorhaben finanziell und hat für Planung und Bau bislang 400.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Klar ist, dass die Hütte zunächst nicht zentral mit Wasser, Abwasser und Strom erschlossen werden wird. Da vor einer Bohrung von Leitungen durch den Fels des geschützten Berges wohl ein langer Rechtsstreit mit Naturschutzverbänden droht, wurden Neubau und Erschließung planerisch getrennt. Für die neue Hütte, so Kümpel, werde erst mal eine Insellösung wie bisher auch geschaffen.

Ob die Kümpels die neue Hütte auch betreiben wollen? Beim Neubau könne durchaus etwas sehr Gutes herauskommen, sagen sie. Den Charakter der alten Milseburghütte aber könne keine neue Hütte haben, sind sie überzeugt. Eine Hütte müsse zum Wirt passen. Sie wollen abwarten - und sich je nachdem, wie der Neubau ausfällt, entscheiden.

Lust auf Urlaub in der Rhön? Hier gibt es richtig was zu Erleben.

Infos zur Milseburghütte und der Extratour Milseburgweg

Bau 1882 wurde im Rhönklub in Bad Neustadt der Bau beschlossen. Im Herbst 1883 begannen die Arbeiten, im Juli 1884 wurde die Schutzhütte eröffnet. 1885 erteilte der königliche Landrat von Gersfeld die Schankkonzession, ein Anbau für die Küche kam dazu. 1925, 1959 und 1977 folgten weitere Ausbauten. 1953 verursachte ein Kugelblitz erhebliche Schäden. 2006 erwarb die Gemeinde Hofbieber (Lkr. Fulda) das Gipfelareal der Milseburg. Da der Rhönklub die Sanierung nicht finanzieren konnte, übernahm die Gemeinde Hofbieber Anfang 2018 auch die Hütte. Seit 2006 sind Patrizia und Wolfgang Kümpel aus Hofbieber-Schwarzbach die Pächter der Milseburghütte.

Tourenart Rundtour mit einer Länge von 10,6 Kilometer

Dauer 3 Stunden

Aufstiegshöhenmeter 520 Meter

Höchster Punkt 805 Meter

Schwierigkeit Mittel

Markierung Rotes "M" auf weißem Grund

Start Parkplatz Milseburg oder Parkplatz Stellberg, Fuldaer Haus, Kleinsassen

 

Der Milseburgweg bietet tolle

Aussichten, wilde Felsformationen, naturnahe Bächlein, Baumriesen und Zeugnisse der keltischen Vergangenheit.

Wer den Milseburggipfel und die Hütte dort als Höhepunkt erleben will, startet vom Parkplatz aus steil bergab durch einen geschützten Wald in Richtung Kleinsassen mit seiner Kunststation. Der gut markierte Weg führt am kleinen Ort vorbei in den Grund des Bieberbachs, dann bergan Richtung Naturdenkmal Hauenstein und weiter zum Stellberg.

Raststationen sind die Milseburghütte, das Fuldaer Haus und die Milseburg-stuben (Montag Ruhetag) in der Nähe des Parkplatzes. Im Künstlerdorf Kleinsassen hat das Café in der Kunststation an den Nachmittagen (Montag Ruhetag) geöffnet. Erreicht man den Gipfel mit seinen Blockschutthalden nach einem steilen Anstieg, bieten sich schöne Ausblicke weit über das Fuldaer Land. Steil bergab geht es nun durch einen alten Mischwald in Richtung Maulkuppe und Fuldaer Haus (Montag Ruhetag). Von der Künstlermeile, einem asphaltierten Weg mit Skulpturen, biegt man nach wenigen hundert Metern links in Richtung Steinskoppel ab.

Die Milseburg rückt immer näher, es geht zunächst langsam, dann immer steiler bergan. Die Anstrengung des Aufstiegs wird mit einem einzigartigen Ausblick vom Gipfelfelsen belohnt. Und natürlich mit einem Besuch in der Milseburghütte. Zum Ausgangspunkt der Tour sind es dann nur noch wenige Meter bergab.top

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