Cosima Wernecke zieht sich die Mütze über die Ohren, der Schnee knirscht unter ihren weißen Turnschuhen und der Wind weht ihr eisig ins Gesicht. Manchmal gehört auch das Frieren zum Ehrenamt dazu. Jeden Mittwoch trifft sie sich mit ihrer Kollegin Catharina Tibken und den "großen Mädchen" des Vereins "Spielraum e.V." in der Kitzinger Siedlung. Dann backen sie gemeinsam Plätzchen, kochen, gehen schwimmen, basteln oder lassen es sich bei einem Beauty-Tag mit den Mädchen gutgehen. Oder sie fahren, wie vor kurzem, zum Würzburger Weihnachtsmarkt. Unterstützt werden die Spielraum-Aktionen vom Spendenverein "Franken helfen Franken".

Migration ist eines der Vereinsziele

Gentiana, Mirjam, Tina, Arjeta, Emily und die anderen "großen Mädchen" freuen sich immer auf die Nachmittage. Die meisten von ihnen sind schon seit Jahren Stammgäste der studentisch betreuten Jugendgruppen. Betreuerin Cosima Wernecke ist erst seit kurzem dabei. Sie studiert seit diesem Semester Pädagogik und Politik an der Universität Würzburg. Über die Erstsemestermesse ist sie auf den vor zehn Jahren gegründeten Spielraum aufmerksam geworden.
Cosima hat schon in ihrer Schulzeit Jugendarbeit gemacht und wollte ihr Engagement im Studium fortsetzen. "Man kann sich selbst einbringen", erzählt sie. Zum Beispiel beim ersten Treffen mit der Gruppe. Da können dann sowohl die Jugendlichen als auch die Betreuer von ihren Ideen berichten. Anschließend wird gemeinsam darüber abgestimmt.
Cosima Werneckers Kollegin Catharina Tibken ist schon seit vier Jahren Mitglied. Sie studiert Sonderpädagogik und Psychologie im neunten Semester und ist zudem die Vorsitzende des Vereins. Einmal in der Woche schnappt sich die junge Frau den Kleinbus des studentischen Vereins, um ins 20 Kilometer entfernte Kitzingen zu fahren - in den Stadtteil Siedlung, der in manchen Bereichen einen recht hohen Migrantenanteil hat. Die Integration ist eines der Vereinsziele.

Viel Zeit für das Ehrenamt

Etwa fünf Stunden in der Woche nimmt sich Catharina Tibken für ihr ehrenamtliches Engagement Zeit, für die Gruppenstunden und die Vereinsarbeit. Auch sie hat schon vor ihrer Zeit bei Spielraum mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet. Doch der studentische Verein ist dann doch ein wenig anders, als die kirchliche Jugendarbeit: "Man hat schon mehr Verantwortung, weil wir viele Kinder mit Migrationshintergrund haben", erklärt sie. Das mache es aber auch bunter und abwechslungsreicher.

"Der Spielraum bedeutet für mich ganz viel Spaß mit Kindern und eine tolle Möglichkeit, praktische Erfahrung zu sammeln", betont Tibken. Doch die Arbeit ist auch eine Herausforderung. Immer wieder stellen sich den Studenten Schwierigkeiten in den Weg, etwa Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, ein Wasserrohrbruch in den alten Räumlichkeiten oder das Vereinsrecht mit dem Thema Finanzen. "Wir müssen uns alles selbst erarbeiten."

Im vergangenen Jahr musste der Spielraum aus seinen alten Räumen ausziehen. Der Grund: Ein Wasserrohrbruch. Das Haus wurde anschließend abgerissen. Der Verein ist zunächst in verschiedene Gebäude von Kirche und Stadtjugendpflege ausgewichen, bis er vor kurzem ein neues Gebäude beziehen konnte - mit kleiner Küche, einem gemütlichen Wohnraum und einem Zimmer, in dem beispielsweise gelernt werden kann.

Der Verein ist aus einem Forschungsprojekt der 70er Jahre entstanden. Damals hat ein Sonderpädagoge seine Doktorarbeit über das Jugendprojekt geschrieben - schon damals in der Kitzinger Siedlung.
Erst viele Jahre später, im Februar 2000, wurde aus dem Projekt ein richtiger Verein. Doch auch dazwischen wurde die Initiative von immer wieder neuen Studenten am Leben gehalten.
Ursprünglich war das Projekt der Sonderpädagogik angeschlossen. Doch mit der Umstellung auf die neuen Bachelor-Abschlüsse wird es schwieriger, Ehrenamtliche anzulocken. "Alle sagen immer, als Bachelor-Student hat man keine Freizeit", sagt Cosima Wernecker. "Aber es geht schon irgendwie", fügt sie hinzu.

Begleitseminar an der Uni

Für die Studenten gibt es ein Begleitseminar an der Universität Würzburg, wo vor allem Besprechungen und Absprachen stattfinden. Hier werden sie aber auch von Professor Roland Stein vom Lehrstuhl für Pädagogik bei Verhaltensstörungen beraten. Außerdem können sie über ihre Arbeit in der Gruppe reflektieren. Welche Kurse wann angeboten werden, entscheidet sich immer zu Semesterbeginn neu: "Am Anfang schauen wir immer, wer wann Zeit hat, und dann finden sich die einzelnen Gruppen zusammen", erklärt Tibken. Sie selbst hat bis zum letzten Semester die "kleinen Mädchen" betreut, aus denen nun die "großen Mädchen" geworden sind - die Elf bis 15-Jährigen.

Etwa 25 aktive Studenten kümmern sich derzeit um die Kinder, in vier verschiedenen Gruppen. Eine für kleine Jungen und Mächen, eine für große Mädchen, eine Sport- und Aktivgruppe und ein Theaterprojekt. Zudem gibt es einige Lerngruppen: "Einige ältere Mädchen haben sich die Quali-Prüfung nicht zugetraut, konnten sich aber keine Nachhilfe leisten", erzählt die Vereinsvorsitzende. Die Lösung: eine Lerngruppe in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch speziell für die Vorbereitung zum Quali. Eine der Mitinitiatorinnen besucht nun den M-Zweig, um ihren mittleren Bildungsabschluss zu machen. Eine Kollegin ist zur Wirtschaftsschule gewechselt - ein Erfolg für den Spielraum e.V. Ansonsten wechseln die Gruppen. Je nachdem, auf was die Teilnehmer und Betreuer Lust haben. So gab es auch schon Tanz- und Kreativgruppen.

Durch Mundpropaganda bekannt

In der Kitzinger Siedlung ist der Verein gut bekannt. Die meisten Teilnehmer kennen sich schon seit Jahren. Werbung erfolgt vor allem durch Mundpropaganda. "Wir haben auch die Telefonnummern und Adressen und rufen dann zum Semesterbeginn an", erläutert die Vorsitzende.

Finanziert wird der "Spielraum e.V. " über Spenden von Privatpersonen, der Hochschulgemeinde, Firmen und dem Spendenverein "Franken helfen Franken". Vor allem aber lebt er vom ehrenamtlichen Engagement der Studenten.