Die Katastrophe im Leben von Sabine G.* ereignet sich mitten in der Nacht: Vermutlich infolge eines technischen Defektes bricht im Bad ihrer Wohnung in einem Kulmbacher Mietshaus ein Feuer aus. Sabine G. und ihre erwachsene Tochter können den Brand löschen. Beide erleiden eine Rauchvergiftung. Sabine G.s zweites Kind, ein Bub im Grundschulalter, bleibt unverletzt.
Glück gehabt? "Natürlich sind wir froh, dass wir so davon gekommen sind. Wir sind ja wirklich im letzten Moment rausgekommen", sagt die Kulmbacherin. Dennoch: Rauch und Ruß haben Möbel, Kleidung und Hausrat, etliches davon erst vor kurzem angeschafft, unbrauchbar gemacht. "Wir haben die Sachen ja noch abbezahlt - und jetzt ist alles fort."
Sabine G. ist seit Jahren ohne Arbeit, bezieht Arbeitslosengeld. Auch die Tochter hat kürzlich ihren Job verloren. Der Brand: Eine Katastrophe.
An Details der Brandnacht kann sich Sabine G. nicht mehr erinnern. Dass sie laut geschrieen hat, weiß sie noch, und dass sie gemeinsam mit ihrer Tochter aus der Küche Wasser geholt hat, um die Flammen zu löschen. Die Erinnerung setzt erst im Krankenhaus wieder ein, wo die beiden Frauen wegen einer Rauchvergiftung behandelt wurden. Der Sohn von Sabine G. war bei Nachbarn untergekommen.
Es folgten ein paar Nächte im Hotel, einige Tage in einer Ferienwohnung, dann zog Sabine G. vorübergehend zu einer Freundin. Ihre Tochter übernahm es, die verrußte Wohnung zu räumen, Möbel und Türen abzuwaschen. Die Hausbesitzer sorgten dafür, dass die Wände frisch gestrichen wurden.
Dennoch: Seither lebt Familie G. in einem Provisorium. Das Wohnzimmer ist heil geblieben. Das Bad ist mittlerweile wieder benutzbar. Aber dort, wo in der Küche einmal der Herd stand, steht jetzt ein kleiner Elektrokocher. Wirklich kochen lässt sich darauf nicht. Tassen, Teller, Gläser hat Sabine G. ersetzt: Schnäppchen, Second-Hand-Ware. "Da ist dann halt mal was abgeglatzt....". Besonders schlimm hat es die Zimmer der beiden Kinder getroffen: Möbel, Matratzen - alles musste raus. Auch die Spielsachen des Sohnes, der Computer.

Nachts aufs Sofa


Nun schlafen die Kinder im Doppelbett der Mutter. Sie selbst richtet sich nachts das Sofa im Wohnzimmer als Bett her. In den Kinderzimmern stapeln sich Umzugskartons, Koffer, Körbe. "Wir brauchen Schränke, Betten, einen Schreibtisch, an dem mein Sohn seine Hausaufgaben machen kann."
Sabine G. hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann mit ganz wenig Geld haushalten. Sie weiß, wo es welche Sonderangebote gibt, vergleicht vor jedem Kauf penibel genau die Preise. "In manchen Monaten habe ich 30 Euro übrig." Angesichts der Hartz-IV-Regelsätze eine stolze Leistung.
Auch auf Weihnachtsgeschenke verzichtet Sabine G. nicht: Übers Jahr sammelt sie die Zettel vom Flaschenpfand. Vor Weihnachten reicht das ausgezahlte Pfand dann immer für eine Geschenk für den Sohn: "Er soll unter meiner Situation nicht leiden."

Neues Zimmer für den Sohn


Aber alles Spar-Talent nutzt nichts, wenn komplette Zimmereinrichtungen erneuert werden müssen. Da ist die Hilfe des Vereins "Franken helfen Franken" hoch willkommen. Der Verein (siehe Infobox) hat Sabine G. und ihrer Familie mit 2000 Euro unter die Arme gegriffen. Sabine G. weiß genau, was sie mit dem Geld machen wird: Sie hat sich bereits Kataloge besorgt, um eine Zimmereinrichtung für ihren Sohn auszusuchen. Auch diesmal wird sie gründlich die Preise vergleichen. "Ich will ja für das Geld so viel wie möglich bekommen."

* Name von der Redaktion geändert



Franken helfen Franken


Zweck Der Verein "Franken helfen Franken" der Mediengruppe Oberfranken (MGO) unterstützt Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen im sozialen, kulturellen und Sportbereich. Spenden werden zu 100 Prozent im mildtätigen Sinne eingesetzt. Alle Kosten für Organisation und Verwaltung trägt die MGO.

Spenden sind möglich auf das Konto 302 194 501, Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Stichwort "Franken helfen Franken". Die Spenden sind abzugsfähig.