Montagmorgen, kurz nach 8 Uhr. Mit kleiner witterungsbedingter Verspätung trifft der Bürgerbus vor dem Kindergarten Teuschnitz ein. "Wir sind heute nur drei. Einige Kinder sind krank", sagt Mutter und Fahrerin Steffi Stauch. Sophia und Daniel, ihre Kinder, "klettern" mit Paul Keim aus dem Fiat und marschieren voller Vorfreude in die Einrichtung. Die Jungs und das Mädchen wohnen im knapp sieben Kilometer entfernten Tschirn und sind wie jeden Tag mit dem Bürgerbus gekommen. Der Bring- und Holdienst wird vom Spendenverein "Franken helfen Franken" finanziell unterstützt.

Seit 2002 der Tschirner Kindergarten geschlossen wurde, müssen die Kinder nach Teuschnitz. Der Bürgerbus wurde im Frühjahr 2005 in Dienst gestellt. "Es stellte sich die Transport-Frage. Zunächst hat die Gemeinde die Kosten getragen. Nach zwei Jahren war dies aber finanziell nicht mehr machbar. So hatten wir 2004 dasselbe Problem", erinnert sich Bürgermeister Peter Klinger. Bis 2005 seien die Eltern selbst oder in Fahrgemeinschaften gefahren.

Der Bürgerbus ist Gold wert

Seit 2009 geht Steffi Stauchs Tochter in den Kindergarten, seit 2010 ihr Sohn. Da er nur bis Mittag bleibt, seine Schwester aber bis zum Nachmittag, müsste die Mutter sonst drei Mal täglich von Tschirn nach Teuschnitz und zurück fahren. "Da würde ich nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Benzingeld auf der Straße lassen", ist sie sicher.
Steffi Stauch wechselt sich mit fünf Eltern beim Fahren ab. Im Januar kommt noch ein weiteres Elternpaar hinzu. "Die Kinder werden morgens gebracht und mittags sowie nachmittags wieder abgeholt. Der Bürgerbus ist Gold wert", erzählt sie.
Stauch übt ihren Beruf als Fleischerei-Fachverkäuferin zwar derzeit nur am Wochenende aus. Aber in anderen Familien arbeiten beide Ehepartner, teilweise verfügen sie nur über ein Fahrzeug. Auch bei Fahrgemeinschaften gebe es immer einmal Situationen, dass ein Kind der Fahrerin nicht in den Kindergarten gehe - beispielsweise wenn es krank sei.
"Die Zeiten sind vorbei, in denen jeder eine Oma zuhause hat. Wir Fahrer können uns voll aufeinander verlassen. Wir machen jährlich einen Plan, wer wann fährt. Falls einmal jemand ausfällt, findet sich immer jemand, der einspringt. Wir wissen ja, was wir am Bürgerbus haben und wollen ihn unbedingt erhalten", sagt Steffi Stauch.
"Der werbefinanzierte Bus kam für unsere Gemeinde wie gerufen", ergänzt Bürgermeister Peter Klinger. "Verbesserte Transportmöglichkeiten erhöhen die Lebensqualität und Mobilität aller Einwohner Tschirns deutlich."

Ehrenamtlich im Einsatz

Vor allem benötigt man Bürger, die sich ehrenamtlich hinters Steuer setzen. "Das Prinzip des Bürgerbusses ist auf Ehrenamtlichkeit ausgerichtet, als Dienst von Bürgern für Bürger", sagt der Bürgermeister.
Der Bus steht aber nicht nur den Kindern, sondern auch anderen Einwohnern zur Verfügung - etwa den örtlichen Vereinen.
Der Vorsitzende des Tischfußballvereins Tschirn, Erwin Daum, erzählt: "Wir spielen in der Landesliga Nord. Für fünf Auswärtsspiele pro Saison müssen wir weiter fahren - etwa nach Bamberg oder Weidhausen. Weil wir immer zu acht anreisen, müssten wir also immer zwei eigene Pkw benutzen. Zu unseren Bundesliga-Zeiten waren wir sogar in ganz Deutschland unterwegs. Wir tragen lediglich die Benzinkosten und entrichten seit etwa zwei Jahren einen kleinen Obolus für die Wartung."

Selbstständigkeit erhalten


Laut Bürgermeister Klinger profitierten insbesondere auch die Senioren vom Bürgerbus. "Auf vielfachen Wunsch haben wir vor drei Jahren einen Busmitfahrdienst einmal wöchentlich eingerichtet", sagt er. "Jeden Mittwoch können damit Einwohner aus entlegenen Teilen in die Ortsmitte fahren, um beispielsweise die Sparkasse aufzusuchen." Das sei eine große Erleichterung für Senioren, die sonst auf die Unterstützung anderer angewiesen sind. "Sie erhalten sich damit ihre Selbstständigkeit", lautet Klingers positives Fazit.
Da das Fahrzeug mittlerweile sechs Jahre alt ist, denkt man über einen Ersatz mit neueren Sicherheitsvorkehrungen nach. Sponsoren sind daher sehr willkommen.