Im Knast habe er seine Sucht nur unterdrückt. "Ich hatte mein Leben lang getrunken", erzählt Franz B. Und als er 2003 nach drei Jahren Haft entlassen wurde, begann er wieder damit. Er zog zu seiner Freundin in den Landkreis Forchheim. Sie verließ ihn. Und hätte er die Hilfe des Vereins Brückla nicht gehabt, ist Franz B. überzeugt, "dann wäre ich abgestürzt".

Finanziert wird der Verein durch Spenden z. B. von "Franken helfen Franken" und durch Zuweisungen der Gerichte. "Bei uns landen nur Leute, denen keiner mehr weiterhelfen kann", sagt Vorsitzende Maria Rosenberger. Sie gehört mit Jürgen Hellmann zu einem Kreis von Sozialarbeitern und Juristen, die Brückla 1998 gegründet hatten.
Rosenberger hat mittlerweile auch eine Stiftung auf ihren Namen ins Leben gerufen, um Männern und Frauen, die sich sterilisieren lassen wollen, die Kosten zu ersetzen.


Die Brückla-Gründer waren im Feld der Bewährungshilfe tätig. Und hatten immer wieder mit Menschen zu tun, die in aktuellen Notlagen von den bestehenden Hilfssystemen alleine gelassen wurden. Unbürokratisch und kurzfristig reagieren zu können, das war das große Anliegen der Brückla-Gründer.
Für Franz B. ging es nicht nur darum, vom Alkohol wegzukommen. Brückla ermöglichte ihm, einen Therapieplatz zu finden. Aber das hätte nicht genügt. In der Drei-Zimmer-Wohngemeinschaft in der Forchheimer Hauptstraße lernte Franz B. etwas Grundlegendes: selbstständig zu leben.

Antje Kahnt, eine der Ehrenamtlichen des Vereins, hat mit Franz B. Dinge geübt, die vielen Menschen selbstverständlich scheinen, die es aber für viele, die bei Brückla leben, nicht sind: Antje Kahnt brachte Franz B. bei, wie man kocht, wie man eigenständig seine Freizeit als Wanderer organisiert, wie man alleine sein kann.
"Ich habe Tage gehabt, da wollte ich hinschmeißen", sagt Franz B. "Heute bin ich fünf Jahre trocken, habe wieder eine Beziehung und gleichzeitig habe ich gelernt, alleine zu leben."

Der Verein habe ihm geholfen, sämtliche Altlasten seines früheren Lebens zu beseitigen. Dazu gehörte nicht nur der Alkohol. Brückla half ihm auch, seine Schulden loszuwerden. Maria Rosenberger verhandelte mit den Schuldnern, 70 Prozent der Schulden wurden Franz B. erlassen. Ein zinsloses 20 000 Euro-Darlehn half, den Rest abzustottern. Heute lebt Franz B. schuldenfrei.
Seine Geschichte ist nicht exemplarisch, denn jeder, der in der Hauptstraße aufkreuzt, bringt ganz eigene Probleme mit. Da ist die junge Frau, deren Mutter ins Gefängnis muss. Niemand scheint für sie zuständig zu sein, sie hat keine Bleibe, bei Brückla kommt sie unter.

Robert Maier (22) Student, arbeitet für ein ehrenamtliches Honorar mit. Er organisiert das Antigewalttraining, er übernimmt die vier Stunden Sprechzeiten pro Woche. Er unterstützt die Bewohner, wenn sie zur Arge müssen, wenn sie eine Wohnung suchen, wenn sie sich um einen Job bewerben. "Es sind die Kleinigkeiten", sagt der 22-Jährige, aber die meisten Brückla-Bewohner ließen genau diese Fähigkeiten vermissen: Müll trennen, Putzpläne einhalten, sich gesund ernähren.

Aber auch die Hilfsbereitschaft und die Improvisationskunst stoßen an Grenzen. Maria Rosenberger erzählt die Geschichte jenes 40-jährigen Amerikaners, der in Forchheim geboren wurde und der es "einfach nicht auf die Reihe brachte, sich einen amerikanischen Pass zu besorgen". Der Sohn eines US-Soldaten lebte also als obdachloser Alkoholiker in Forchheims Straßen und wurde immer wieder inhaftiert, weil er gegen das Passgesetz verstieß. Weil er daher straffällig geworden war, konnte er aber auch kein Deutscher werden.

In mühsamer Kleinarbeit ebnete Robert Maier dem jungen Amerikaner, der kein Wort Englisch spricht, den Weg zur US-Botschaft nach München. Weil der 40-Jährige keinen Pass hatte, durfte er auch kein Konto führen, "so ist das in Deutschland", sagt Maria Rosenberger. Und weil er kein Konto hatte, konnte ihm die Arge kein Geld überweisen. Und weil er keine Adresse hatte, konnte sie ihm auch keinen Scheck zuschicken.
Maria Rosenberger lobt die unbürokratische Hilfe der Arge über den grünen Klee. "Nicht nur in diesem Fall." Schließlich kam das Geld via Brückla. Endlich hatte der 40-Jährige die 80 Euro, um dem US-Konsulat die Gebühren bezahlen zu können.

Gefängnis abgebogen


Aber das war erst der Anfang: Robert Maier nahm den hilflosen Forchheimer quasi an der Hand und führte ihn Schritt für Schritt zum Pass: Anträge ausfüllen, Passbilder machen, das Ticket nach München kaufen, ihn in Forchheim abholen, ihn nach München begleiten, mit ihm in die U-Bahn, dann ins Taxi steigen. Die ganze Prozedur hatte sich so lange hingezogen, dass er fast wieder ins Gefängnis musste - wegen Verstoßes gegen das Passgesetz. Brückla intervenierte und schaffte es, die drohende Gefängnis- in eine Geldstrafe umzubiegen - und die in gemeinnützige Arbeit ...
Wenn man diese Geschichte hört, wird klar, was Jürgen Hellmann meint, wenn er sagt: "Bei uns bleiben Dinge hängen, mit denen alle anderen Institutionen nichts mehr anfangen können."