Erster Eindruck: Es wuselt. Kinder überall. Vor dem Haus, innen auf der Treppe, rund um den Kicker, im großen Aufenthaltsraum, in jedem Zimmer und im Büro. Mittagszeit im Eberner Kinder- und Jugendhaus. Es befindet sich im Kujathhaus, einem der wenigen Eberner Einfamilienhäuser aus den 20er Jahren. Was vor zehn Jahren noch in erster Linie Jugendtreff war, ist inzwischen Eberns offene Ganztagsschule mit Jugendtreff am Abend. Hier kommen ab 12.30 Uhr Grund-, Haupt- und Realschüler, Gymnasiasten und Förderschüler zusammen. Und aus dem Einmannbetrieb ist eine Kinder-Halbtagesstätte mit über 25 (Teilzeit-)Mitarbeitern geworden: Zwischen 100 und 130 Kinder werden hier täglich betreut. Das alte Haus scheint zu ächzen unter dieser Last. Für einen solchen Ansturm wurde es nicht gebaut. Doch die Kinder fühlen sich hier wohl – und lernen ganz nebenbei, dass es ohne Rücksichtnahme und feste Regeln nicht geht. Deshalb wird zum Beispiel in Schichten gegessen, und jeder räumt hinterher sein Geschirr ab. „Wir spielen draußen!“, rufen zwei Drittklässlerinnen noch Ildiko Redai, einer der Betreuerinnen, zu. „Denkt daran, dass ihr nachher Schwimmen habt“, mahnt sie, so, wie es die Mutter zu Hause vermutlich auch täte. Eltern können die Zeiten so buchen, wie sie die Betreuung brauchen – täglich oder auch nur einmal in der Woche. Von 14 bis 15 Uhr ist es ruhig im Haus, obwohl auch dann noch um die 50 Kinder in den verschiedenen Räumen sitzen. Hausaufgabenzeit. Wer fertig ist, beschäftigt sich still, um die anderen nicht zu stören. Dann wird es wieder laut und wuselig in dem zweigeschossigen Bau, je nachdem, was die Kinder tun wollen. Draußen spielen? Batiken? Kickern? „Wir sind fast zu schnell gewachsen“, seufzt Toni Michels, Leiter des Kinderhauses. Er legt großen Wert auf die familiäre Atmosphäre. Kinder brauchen Ansprechpartner. „Die kommen und wollen erzählen können, was ihnen passiert ist.“ Kinder brauchen aber auch die Gruppe, die Auseinandersetzung untereinander. Das ist manchmal nicht zu überhören – doch für den Besucher, der auf das Gewimmel blickt, läuft der Betrieb erstaunlich reibungslos. 2004 begann der damalige Jugendtreff mit der „Ganztagsbetreuung“ für höchstens 30 Schüler. Seit dem Schuljahr 2009/10 ist die offene Ganztagsschule im 17 Kilometer entfernten Maroldsweisach dazugekommen. Die Arbeiterwohlfahrt Ebern als Trägerverein stellt das vor einige Probleme, sagt Kassiererin Elke Nüßlein, die sich um die Organisation und Abrechnung kümmert. Die Personalkosten der Ganztagsschulen werden vom Freistaat und den Schulträgern finanziert. Die Arbeiterwohlfahrt sorgt dafür, dass alles vorhanden ist, was für den Betrieb gebraucht wird. Das beginnt bei der Einrichtung der Räume mit Tischen und Stühlen, geht über die Küchenausstattung bis hin zu den Spielgeräten im Freien. Letzte Anschaffung war ein Auto für die täglichen Einkaufstouren sowie Fahrten zur Außenstelle in Maroldsweisach.