In Deutschland gibt es etwa vier Millionen Erwachsene, die trotz einer abgeschlossenen Schullaufbahn nicht oder nicht ausreichend lesen und schreiben können. Der Leidensdruck für diese so genannten „funktionalen Analphabeten“ ist groß und führt häufig in die Arbeitslosigkeit und soziale Isolation. Doch den Betroffenen kann geholfen werden: In Alpha-Kursen des Vereins für angewandte Lernforschung (Alf) lernen Erwachsene Lesen und Schreiben. Unterstützt wird das Projekt vom neuen Verein „Franken helfen Franken“ der Mediengruppe Oberfranken. Der Verein sammelt ab sofort Spenden, die gezielt vergeben werden. „Franken helfen Franken“ hat sich zum Ziel gesetzt, aktiv regionale Projekte und engagierte Mitbürger zu unterstützen. Adressaten sollen kleinere Aktionen und Projekte in der Region sein, die dem Gemeinwohl dienen, aber auch Familien in Not. Bewerbungen für Spenden sind jederzeit möglich und werden in einem Gremium geprüft. 10.000 Euro als Grundstock Die Mediengruppe Oberfranken, in der Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau und Coburger Tageblatt erscheinen, bringt sich auch selbst als Spender ein und stellt zum Start 10.000 Euro zur Verfügung. Walter Schweinsberg, Sprecher der Geschäftsführung: „Der Verein und die Spenden der Bürger geben uns die Möglichkeit, gezielt in der Region zu helfen – genau dort, wo Menschen Unterstützung brauchen.“ Wie Alf zum Beispiel, der die Bewerbungskriterien erfüllt hat und als erster Verein von den Spenden aus „Franken helfen Franken“ profitieren soll. Alf wurde 1989 in Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg gegründet. Im Mittelpunkt steht die therapeutische Arbeit bei den Teilleistungsstörungen Legasthenie und Dyskalkulie. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden in Bamberg, Erlangen und Nürnberg von Teams aus Diplom-Psychologen und -Pädagogen sowie Psychotherapeuten gefördert. Seit einigen Jahren führt Alf als einziges Institut in der Region Bamberg/Forchheim und den angrenzenden Landkreisen Alpha-Kurse für Erwachsene durch. In der Regel sind es deutschsprachige Teilnehmer, die zwar die Schulzeit durchlaufen haben, aber nur wenig lesen und schreiben können oder dies wieder verlernt haben. „Zunächst ist es sehr schwierig, überhaupt an diesen Personenkreis heranzukommen“, erklärt Christina Eleftheriou, Vorsitzende von Alf. „Noch schwieriger ist jedoch die Finanzierung der Alpha-Kurse.“ Zwar übernehme die Bundesagentur für Arbeit die Kurskosten für jene Teilnehmer, die bereits arbeitslos sind. Anders sieht es Eleftheriou zufolge bei Interessenten aus, die zwar noch Arbeit haben, deren Stelle aber stark gefährdet ist. „Sie können sich zumeist aufgrund ihres geringen Gehalts eine Teilnahme am Kurs nicht leisten oder benötigen einen Zuschuss“. Die Kosten wurden laut Alf bereits am untersten Limit angesetzt. Der Verein ist gemeinnützig, arbeitet also nicht gewinnorientiert – darf aber auch nicht in die Verlustzone rutschen. Wenn wie derzeit kurz vor Beginn des Alpha-I-Kurses zwei Teilnehmer „wegfallen“, ist er unterfinanziert und kann nicht durchgeführt werden. Kleiner Betrag, große Hilfe Der Kurs musste mangels Geld bereits mehrfach verschoben werden. Damit er baldmöglichst starten kann, benötigt Alf dringend 1140 Euro zur Sicherstellung der Finanzierung. „Die Teilnehmer sind hoch motiviert“, sagt Eleftheriou. Die meisten hätten lange gebraucht, um sich zu einer Anmeldung zu überwinden: „Damit ist schließlich ein Outing verbunden und man gibt zu, nicht lesen oder schreiben zu können“. Damit der Kurs beim Ausfall eines Teilnehmers nicht jedes Mal ins Wanken gerät, wäre Alf und potenziellen Teilnehmern mit einer Grundfinanzierung sehr geholfen. Deshalb möchte „Franken helfen Franken“ das Projekt unterstützen.