Die Einschätzung aller Fachleute kam für Eckhart Kollmer überraschend. Dass er, wie zum Beispiel der Coburger Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein schrieb, einen "absoluten Schatz" in der Marienkirche stehen hat, wäre dem Pfarrer nie in den Sinn gekommen. Gut, sie hat einen satten Klang und verrichtet für den Gemeindegesang gute Dienste. Aber als das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege feststellte, dass "die Johann-Conrad-Schöpf-Orgel zu den denkmalpflegerisch herausragendsten Barockorgeln in Oberfranken" gehört - da musste das der Pfarrer gleich mit einer dicken roten Markierung versehen. "Damit habe ich nicht gerechnet." Jetzt wird die Orgel mit Unterstützung des Vereins "Franken helfen Franken" saniert.

Theresa Hauck hat eine ganz besondere Beziehung zum 276 Jahre alten Instrument. "Es ist meine Lieblings-Orgel", sagt die Organistin der evangelischen Kirchengemeinden Schottenstein und Watzendorf leise. Und wenn sie das sagt, dann strahlt sie vor Stolz. Die 20-Jährige hat vor neun Jahren auf der Schöpf-Orgel zum ersten Mal überhaupt an so einem Instrument gespielt. Heute begleitet sie - gemeinsam mit den anderen Organisten Julia Scheffler, Irene Wall und Daniel Göring - regelmäßig die Gottesdienste und kennt "ihre" Orgel ziemlich gut. Deshalb muss sie auch nicht lange überlegen, wenn sie nach den Macken gefragt wird, die der Zahn der Zeit an dieser prachtvollen Orgel hinterlassen hat: "Die Pedale klappern, die Luft rauscht, sie ist nicht mehr nur leicht verstimmt." Das ist vorsichtig ausgedrückt.

Der Bayreuther Kirchenmusikdirektor Thomas Rothert ist der Orgelsachverständige für evangelische Kirchen in Bayern. Er fand nach einer umgehenden Bestandsaufnahme klare Worte: "Das Instrument zeigt sich jetzt in einem sehr schlechten und ungepflegten Zustand mit zahlreichen Defekten." Es scheint aber nicht nur der normale Verschleiß der vergangenen fast drei Jahrhunderte zu sein, der für den schlechten Zustand der Schöpf-Orgel verantwortlich ist. Einer 1981 vorgenommenen "Restaurierung" attestiert Rothert "erhebliche Mängel". Da eine einfache Reinigung und Nachstimmung letzten Endes vom Eigenanteil her nicht billiger gekommen wäre, entschied sich die Kirchengemeinde für die "große Lösung".

Und da stand Pfarrer Eckhart Kollmer - der zwar sagt, dass "die Musik nicht meine größte Stärke ist", aber immerhin im örtlichen Posaunenchor mitspielt - vor dem Problem: 210 000 Euro wird es kosten, die Schöpf-Orgel zu dem zu machen, was sie einmal war: ein in seiner Qualität herausragendes Instrument. Von der evangelischen Landeskirche brauchte Kollmer keinen Zuschuss erwarten, denn jeder Pfarrer weiß: "Für Glocken und Orgeln gibt es kein Geld. Niemals." Also ging er auf Sponsoren-Suche - "bei Gott und der Welt", sagt Kollmer und grinst dabei.

51 000 Euro fehlen noch

Doch trotz aller Bemühungen und teils dramatisch formulierter Empfehlungsschreiben von Stenglein, Rothert und Dr. Nikolaus Könner (Hauptkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege) reicht das Geld derzeit hinten und vorne nicht. Auf 51 000 Euro beläuft sich der Fehlbetrag, den der Dorfpfarrer in seinem "Zweitberuf" als Geschäftsführer der Kirchengemeinde noch zu decken hat. Kollmer ist an sich ein optimistischer Mensch, aber hier stößt er an seine Grenzen: "Wir schreiben ein paar Firmen und Stiftungen noch einmal an - aber an sich ist das kaum machbar." Zum Glück steht der Watzendorfer Kirchenvorstand hinter seinem Pfarrer und damit hinter der Orgelsanierung. Deshalb wurde der Auftrag für die Restaurierung inzwischen vergeben. Eine Firma aus Nußdorf am Inn wird vermutlich kurz nach dem Gottesdienst am Heiligabend die Schöpf-Orgel abbauen und mit nach Oberbayern nehmen. Fast ein Jahr lang dürfte nach Schätzung der Fachleute die technisch und handwerklich hoch komplexe Reparatur, Reinigung und Revision dauern.

Theresa Hauck wird während dieser Zeit nicht aus der Übung kommen, schließlich spielt sie unter anderem noch in Schottenstein, Heilgersdorf und Bischwind. Aber ihr Lieblingsinstrument wird sie dennoch vermissen. Sie kennt dessen Geschichte, aber sie vertraut auch in die Fähigkeiten des Orgelbauers: "Ich habe da keinen Bammel." Andererseits freut sie sich darauf, wenn sie zur Adventszeit 2011 wieder an der dann runderneuerten Schöpf-Orgel sitzen darf. "Angeblich kann sie ja viel mehr als jetzt." In einem Jahr können sie es dann ja zeigen - Theresa und die Orgel.