Maßbach
Freizeit

Zehnmal der Stecken ist ein Junge

Die Maßbacher haben mit "Gatschke" eine neue Spielleidenschaft entdeckt. Am Samstag wird das Turnier wieder ausgetragen.
Beim Gatschke-Turnier 2013 in Maßbach hat Karl Schüller gleich das Hölzle erwischt. Foto: Daniel Wiener
Beim Gatschke-Turnier 2013 in Maßbach hat Karl Schüller gleich das Hölzle erwischt. Foto: Daniel Wiener
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Gatschke ist in Maßbach im Kommen. Das historische Spiel, zu dem man nichts weiter als ein Stück Holz und gute Laune braucht, grub Karl Schüller 2012 wieder "aus der Mottenkiste" aus. Schließlich spielte er es als Kind auch ganz gern. Zum 150. Bestehen des TSV gab es seinerzeit ein Revival des beliebten "Hölzle"-Spiels - und zwar großenteils mit Erwachsenen zwischen 50 und 60. Bei der Neuauflage des Turniers vor einem Jahr machten wieder 30 Leute mit. Am Samstag, rüsten die Maßbacher nun zum dritten Gatschke-Turnier.

Namensgebung bleibt unklar

Woher der Name "Gatschke" kommt, weiß keiner genau. Worum es sich dabei handelt, ist jedem klar: Mit einem etwa 40 Zentimeter langen, selbst geschnitzten "Stecken" muss man zunächst auf ein kleines "Hölzle" treffen, das entweder in einem "Löchle" liegt oder bereits hochgeschlagen wurde und dann frei durch die Luft saust.
Da ist nicht nur ein gehörig Maß an Nervenstärke und Geschicklichkeit gefragt. Auch eine gewisse körperliche Fitness macht sich bezahlt, wenn man in Grätschhaltung vor dem Löchle steht und aufs Hölzle zielt oder demselbigen später hinterherjagt. Das Spiel stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde bis in die 1970-er Jahre hinein gespielt, hat Schüller recherchiert. "Vermutlich brachten es Sudetendeutsche mit." Gatschke gab es aber nur in Maßbach und Volkers hausen. Sonst kennt das Spiel niemand in der Rhön.

Extra angereist

Für den stellvertretenden TSV-Vorsitzenden war es zunächst ein Jux, das Spiel zum TSV-Jubiläum wieder aufleben zu lassen. Zahlreiche Maßbacher waren gleich Feuer und Flamme, stellte Schüller fest. Beim Trainingsspiel war klar: Bei Gatschke gibt es viel zu lachen. Aber es waren nicht nur die gekommen, die selbst früher noch mit dem Stecken das Hölzle schlugen, sondern auch Kinder, Mädchen im Teenageralter, Fußballer und Senioren waren mit von der Partie, sagt Schüller. Inzwischen ist es sogar so, dass junge Leute, die in Frankfurt, Nürnberg und Wiesbaden studieren, eigens zum Turnier anreisen.

Man erinnert sich heute gern zurück, lässt alte Spiele und Festlichkeiten aufleben, hat Bezirksheimatpfleger Klaus Reder (Würzburg) beobachtet. "Viele wollen etwas Besonderes machen, auch um ihre eigene Identität zu betonen." Man engagiert sich gern "für den eigenen Lebensraum", so Reder weiter. Die Betonung liegt seines Erachtens nach aber dabei eher auf dem Spontanen, Punktuellen. Zudem haben alte Spiele einen Neuigkeitswert "und man kann sich mal austoben".

Warum das Spiel in den 70er Jahren dann plötzlich nicht mehr gespielt wurde, ist für Lutz Hub (Maßbach), den Schiri des Gatschke-Turniers, klar: "Es gab nur noch geteerte Straßen, und da kann man das nicht spielen." Nach dem Krieg waren die Wege im Dorf noch nicht befestigt. "Da gab es in jeder Straße ein Abschlagslöchle. Auch ich hatte eins vor dem Haus."

Regeln wurden umgestaltet

Gatschke ist eigentlich kein Turnierspiel. Also mussten die Spielregeln für den Wettbewerb anlässlich des TSV-Jubiläums etwas umgestaltet werden, verrät Hub. Früher spielte man zu zweit oder zu mehreren. Beim Turnier 2013 nahmen zum Beispiel zwölf Mannschaften à zwei Personen teil, die in vier Gruppen eingeteilt waren. Während es heutzutage um Punkte geht, war die Maßeinheit des Sieges damals ein "Junge". Die Entfernung vom Schlagloch zum Hölzle wurde nämlich erst mal theoretisch abgeschätzt. "Das konnte man dann glauben oder nicht", sagt Hub und lacht. Im Zweifelsfall wurde die Entfernung mit dem Stecken nachgemessen. "Zehnmal die Länge des Steckens ergab einen Jungen."

Am Samstag um 15 Uhr heißt es in Maßbach also wieder ran ans Hölzle. Mitspielen können auch Ortsfremde. Wichtig ist, dass man rechtzeitig da ist. Isolde Krapf