Bad Kissingen
Vorschriften

Vorgehen erntet Kritik

Bei den Bienenzüchtern im Landkreis wundert man sich: Ein Veterinär schickte die Polizei zu einem Hobbyimker.
Bienenstöcke sorgen für Ärger im Landkreis Bad Kissingen.  Foto: Fredrik von Erichsen/dpa/Archiv
Bienenstöcke sorgen für Ärger im Landkreis Bad Kissingen. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa/Archiv
VON Isolde Krapf

Bad Kissingen — Dass ein junger Mann zwei Bienenstöcke in der Flur einer Kreisgemeinde aufstellte, rief vor kurzem das Bad Kissinger Veterinäramt auf den Plan. Weil der Hobbyimker seine Völker nicht amtlich registrieren ließ, könnte ihm nun ein Bußgeld drohen (wir berichteten). Der Vorfall zeitigte nun Reaktionen. Nicht nur der Bienenzüchter Matthias Gehrig, der aus Rannungen stammt, meldete sich zu Wort. Auch Rannungens Bürgermeister Fridolin Zehner und sein Stellvertreter Werner Keller nahmen zu diesem Thema Stellung.
"Vor einiger Zeit fragte Herr Gehrig bei uns an, ob er seine Bienen draußen aufstellen kann", sagt Bürgermeister Zehner. Er selbst findet es nicht ungewöhnlich, dass Bienen in der Flur stehen. Gehrig hatte die Völker laut Zehner sogar an einer "Bienenweide" aufgestellt - einem Acker, der von seiner Bewirtschaftung her für Bienen höchst einträglich ist. Zehner schildert Gehrig, der unter der Woche in Zittau studiert, als "sehr aktiv und naturverbunden", wenn er in seinem Heimatort weilt.
"Wir sind froh, wenn ein junger Mensch Bienen züchtet", sagt Zehners Stellvertreter Werner Keller. Die Bienenstöcke standen auf Gemeindegrund, so Keller. Seiner Einschätzung nach versteht Gehrig sehr viel von Bienen, weil er das Imkern vor Jahren von einer älteren Frau lernte.
Den Zweiten Bürgermeister stört besonders, dass es ein Veterinär aus Rannungen war, der Gehrig anzeigte. Der Veterinär hat nach Kellers Angaben dort, wo die Bienen standen, ein Jagdrevier gepachtet. "Wahrscheinlich hat ihn das deswegen auch so gestört." Der Veterinär hätte auch auf die Gemeinde zugehen können, um zu erfahren, wem die Bienen gehören, findet Keller.

Spritzmittel auf den Feldern

Ein anderer Rannunger, der sich meldete, versteht die ganze Aufregung um die Faulbrut nicht. "Die ist doch das geringere Problem, wenn man Bienen hat." Seiner Ansicht nach werden die Tiere vor allem auch durch giftige Neonikotinoide im Korn geschädigt. "Die Spritzmittel auf den Feldern setzen den Bienen viel mehr zu." Und im Herbst, wenn der Mais weg ist, wird "alles weggemäht", sagt er, so dass die Bienen keine Nahrung mehr finden.
"Dass man mir sagt, dass ich die Bienen anmelden muss, ist in Ordnung. Aber dass dann die Polizei vor der Türe steht, ist schon merkwürdig", sagt Hobbyimker Gehrig und erzählt, wie am Sonntag, 10. August, die Ordnungshüter in Rannungen nach ihm suchten. "Wir sind hier auf dem Dorf, jeder kennt jeden", sagt der Bienenhalter und versteht nicht, warum der Veterinär, der selbst ein Rannunger ist, sich nicht bei der Gemeinde erkundigte, wem die Bienenstöcke gehören.
"Seit ich 14 bin, hab ich mit Bienen zu tun. Ich weiß schon, was ich da mache", sagt der 31-Jährige selbstbewusst.
Vor einem Jahr fand er in seinem früheren Bienenhaus bei Rottershausen einen Bienenschwarm, den er teilte. Eine Königin kaufte er dazu. Seit 2004 stellt er seine Bienen öfter mal in die Flur, meist in die Nähe von Feldern, deren Früchte für die Tiere ertragreich sind. "Bislang hat sich niemand beschwert." Gehrig machte nun bei der Polizei seine Aussage und meldete die Bienen beim Veterinäramt an.
"Ich habe probiert herauszufinden, wem die Bienen gehören", sagt der Veterinär aus im Gespräch. Bei einem Gemeinderat, den er kennt, bei den Nachbarn und beim Zeitungsausträger habe er die Sache angesprochen. Doch niemand wusste, wie der Besitzer heißt.

Bienenseuchen

Auch er verzeichnete Reaktionen zum Thema. "Mehrere Imker riefen an und meldeten, dass sie Bienen haben." Mit dieser Anmeldung hat man unter Kontrolle, wo es im Landkreis Bienen gibt. Das hält der Veterinär im Hinblick auf drohende Bienenseuchen für notwendig. In Gefäll stellte man vor vier Monaten bei einigen Völkern die Faulbrut fest und musste ein Sperrgebiet ausweisen.
Gerade eben wurde die Faulbrut übrigens auch im Rhön-Grabfeld-Kreis, das heißt in Mellrichstadt, registriert. Sorgen machte sich der Veterinär nach eigenen Angaben vor allem auch, weil er gehört hatte, dass die in Rannungen aufgestellten beiden Völker aus Rottershausen stammen sollen. Dort habe es vor ein paar Jahren nämlich auch schon einmal die Faulbrut gegeben.
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