Rannungen
Doppel-Interview

Nach zwölf Jahren zweites Duell

Am 16. März bis zur Kommunalwahl: Werner Keller und Fridolin Zehner stellen sich den Fragen der Saale-Zeitung.
Die Ortsmitte von Rannungen: Im Hintergrund ist die Kirche zu sehen.  Fotos: Thomas Malz
Die Ortsmitte von Rannungen: Im Hintergrund ist die Kirche zu sehen. Fotos: Thomas Malz
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Rannungen — Zwölf Jahre nach ihrem ersten Duell stehen sich Fridolin Zehner (CSU - Freie Wähler Rannungen) und Werner Keller (Rannunger Bürgerliste) erneut gegenüber. Damals gewann Fridolin Zehner mit 53 Prozent der Stimmen und zog ins Rathaus ein. Sechs Jahre später, im Jahr 2008, hatte der Bürgermeister keinen Gegenkandidaten, erreicht bei einer Wahlbeteiligung von 82,5 Prozent 88,48 Prozent der Stimmen. Jetzt stellten sich die beiden Kandidaten den Fragen der Saale-Zeitung.

1. Weshalb möchten Sie
Bürgermeister werden?

Werner Keller: Ich möchte eine Zeit verpasster Möglichkeiten überwinden. Es geht nicht darum, nur den Bestand zu verwalten und nur die Projekte anzupacken, die unausweichlich sind und zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde zählen. Sondern darum, eigene Vorstellungen kritisch auf Machbarkeit zu prüfen und in die Wege zu leiten: Zum Beispiel um den demographischen Wandel zu mildern und unser Dorf für junge Familien attraktiv weiter zu entwickeln. Auch durch Fahrradwege zu unseren Nachbargemeinden. Im Rahmen von verschiedenen Fördermöglichkeiten kann man auch mit einer angespannten Haushaltslage manches bewältigen.
Fridolin Zehner: Das ehrenamtliche Bürgermeisteramt lässt sich bei mir sehr gut mit meinem Beruf vereinbaren, ich kann sehr flexibel reagieren und handeln. Die Haushaltssituation erlaubt zwischenzeitlich einen gewissen Handlungsspielraum. Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist gegeben, das ist auch eine Genugtuung. Ich möchte verschiedene begonnene Projekte weiterführen und Neues anstoßen

2. Welche Voraussetzungen
bringen Sie mit?

Keller: Ich bin seit 23 Jahren Gemeinderat und habe in dieser Zeit gelernt, dass der Ausgleich unterschiedlicher Interessen schwierig, aber möglich ist. Teamfähigkeit und Entscheidungsfreudigkeit sind in meiner beruflichen Funktion unerlässlich. Als langjähriger Vorsitzender des TSV habe ich stets nach dem Motto gehandelt: "Stillstand ist Rückstand". Ich will nicht nur verwalten, sondern gestalterisch tätig sein.
Zehner: Geduld, zuhören können und auf die Menschen eingehen, geistige Beweglichkeit, Kombinationsfähigkeit und Zeiteinteilung.

3. Was ist Ihre
größte Stärke?

Keller: Die Frage nach meinen Stärken müssen andere beantworten. Eine sehr große Stärke für mich sind meine Frau und meine drei Kinder, die mich in vielen Belangen unterstützen.
Zehner: Geduld.

4. Was ist Ihre
größte Schwäche?

Keller: Ich bin manchmal zu ungeduldig, wenn ein Vorhaben nicht schnell genug umgesetzt wird.
Zehner: Kein Ding ohne zwei Seiten: eventuell zu viel Geduld und Nachsicht.

5. Was ist in Ihrer Gemeinde
besonders gut?

Keller: Der Bürgersinn ist sehr ausgeprägt, viele sind bereit, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Deshalb funktionieren unsere örtlichen Vereine sehr gut und leisten Vorbildliches in der Jugendarbeit, im Kulturellen und in der Unterstützung für Ältere und Erwerbsgeminderte.
Zehner: Vereinsleben, Heimatverbundenheit und Traditionsbewusstsein der Jugend sowie bürgerschaftlicher Einsatz bei der Pflege von gemeindlichen Einrichtungen und Anlagen.

6. Was könnte man
noch verbessern?

Keller: Der Ausbau unserer Raiffeisenstraße mit Neugestaltung des Kriegerdenkmals hat gezeigt, dass im Rahmen der Dorferneuerung eine positive Gestaltung und Attraktivierung unseres Ortes möglich ist. Weitere Projekte wie Schulplatz, Kirchvorplatz, Friedhof-Parkplatz, Brunnenstraße könnten folgen. Der Beitritt zu einer kommunalen Allianz könnte Möglichkeiten eröffnen, auch gebietsübergreifende Vorhaben anzupacken, zum Beispiel Ausbau und Beschilderung von Rundwegen für Erholungssuchende.
Zehner: Wenn es der Haushalt hergibt: Ausbau und Vernetzung von Flur- und Waldwegen.

7. Welche drei Probleme
würden Sie zuerst angehen?

Keller: Den Feuerwehrhof, der über viele Jahre brach liegt, fertigstellen. Überdachte Unterstellmöglichkeit an der Bushaltestelle für die Bad Kissinger Schüler schaffen. Fahrradwege zu unseren Nachbargemeinden auf den Weg bringen.
Zehner: Die Wasserversorgung sichern für die Zukunft, der Anfang ist gemacht. Ein kleineres Baugebiet erwerben und erschließen, die Nachfrage von jungen Familien ist gegeben. Den demographischen Wandel begleiten und bei der Vermittlung von Leerständen im Ort helfen.

8. Was sind
Ihre Hobbys?

Keller: Ich bin begeisterter Hobbyläufer. Darüber hinaus bin ich sehr gerne Vorsitzender des TSV Rannungen. Gerne beschäftige ich mich in meiner Freizeit auch mit Waldarbeit in meinem Privatwald.
Zehner: Alles lesen, was bedruckt ist.

9. Was möchten Sie
unbedingt noch loswerden?

Keller: Man darf nicht immer gleich Ja und Amen sagen. Ich möchte das am aktuellen Beispiel der Brönnhofstraße (Heeresstraße) verdeutlichen. Noch in der letzten Gemeinderatssitzung wurde ein Beschlussvorschlag vorgelegt, diese Straße auf Rannunger Gemarkung zu kaufen. Jetzt war zu lesen, dass die Brönnhofstraße den Anliegergemeinden im Kreis Schweinfurt kostenlos angeboten wurde.
Zehner: Nur im Miteinander lassen sich große Aufgaben lösen.
Die Fragen stellte Thomas Malz.