Bad Brückenau
Senioren

Mit dem Rollator sicher umgehen

Sie versprechen mehr Mobilität und sind für viele ältere Menschen eine wichtige Hilfe im Alltag: die Gehilfen mit den großen Einkaufskörben. Aber der Umgang damit will gelernt sein - deshalb gab es jetzt einen Fahrkurs im Kurstift.
Im Slalom geht es beim Sicherheitstraining mit den Rollatoren um die Hindernisse. Fotos: Leonie Schneider
Im Slalom geht es beim Sicherheitstraining mit den Rollatoren um die Hindernisse. Fotos: Leonie Schneider
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Gertrud Köhne ist unterwegs zur Fahrzeugsinspektion. Doch nicht etwa im Auto oder auf dem Motorrad, sie schiebt ihren treuesten Begleiter in den Veranstaltungsraum des Kurstifts in Bad Brückenau -ihren Rollator. Denn dort findet ein Sicherheitstraining für Rollatorfahrer mit anschließender Kontrolle der Gehilfen statt, außerdem werden die modernsten Neuheiten auf dem Rollatormarkt vorgestellt. Das will sich die Seniorin natürlich nicht entgehen lassen, denn für Gertrud Köhne bedeutet der Rollator wie für mittlerweile neun Millionen Menschen in Deutschland eine große Erleichterung: "Ich bin glücklich über mein Wägelchen, es ist so wunderbar wendig und lässt sich auch gut als Transportmittel für alles mögliche benutzen. Ein Stock könnte das gar nicht ersetzten."
Auch Hildegard Hartmann wird in vielen alltäglichen Situationen von ihrem Rollator unterstützt: " Dank ihm bin ich immer noch sehr mobil, draußen und auch in meinem Zimmer", erzählt die 92-Jährige mit einem Blick auf ihren liebevoll mit einer rosa Schleife geschmückten Begleiter. Oft ist sie mit ihrer Freundin Eva Wille unterwegs, die sie auch heute zum Sicherheitstraining begleitet.
Eva Wille weiß diese Veranstaltung ganz besonders zu schätzen, denn sie hatte sich den Umgang mit der Gehhilfe auf Rädern am Anfang selbst beibringen müssen. Mittlerweile, nach acht gemeinsamen Jahren, ist ihr der Rollator schon so vertraut, dass die Seniorin sogar Rolltreppen mühelos bewältigen kann.
Um nun also Neulingen den Einstieg in ein Leben mit Rollator zu erleichtern und auch routinierte Fahrer an die Gefahren zu erinnern, die im Straßenverkehr lauern, organisierte Hildegard Wilhelm einen Nachmittag im Kurstift, der sich nur um die kleinen, nützlichen Fahrzeuge dreht.

Tipps und Tricks

Edgar Kast von der Verkehrswacht in Bad Kissingen hat sich auf das Sicherheitstraining für Rollatorfahrer spezialisiert, da dieser Bereich trotz häufiger Unfälle oft vernachlässigt wird. So verunglückt durchschnittlich an jedem dritten Tag im Landkreis Bad Kissingen ein Senior, jeden 10. Tag hat ein solcher Unfall sogar Verletzungen zur Folge. Um die Kurstiftbewohner für mögliche Gefahrenquellen zu sensibilisieren, bespricht Kast mit ihnen unterschiedliche Situationen und wie diese am besten gemeistert werden können. Wie zum Beispiel überquert man richtig die Straße, wenn man nicht mehr ganz so schnell unterwegs ist? Wie überwindet man mit dem Rollator ohne größere Mühe hohe Bordsteinkanten?
Damit die Senioren die gelernten Tricks auch gleich praktisch ausprobieren können, hat Edgar Kast einen Parcours aufgebaut, in dem einige kleine Schwierigkeiten versteckt sind: Begeistert steuern die Rollatorfahrer durch den Slalom zu einer Bremsübung, dann über Fußmatten, Bretter und Bordsteine. Hier und da gibt Kast Hilfestellung oder Tipps zum richtiges Umgang mit dem Rollator oder anderen Verkehrsteilnehmern.
Doch neben dem richtigen Verhalten ist auch der ordnungsgemäße Zustand des Rollators wichtig für die Sicherheit der Senioren. Um diesen zu gewährleisten sind auch Mitarbeiter des Sanitätshaus Richter in Bad Brückenau vor Ort, die die kleinen Wagen gründlich durchchecken und auch gleich Reparaturen vornehmen: wichtig sind vor allem funktionstüchtige Bremsen und Räder. Auch das Anpassen der Rollatoren an die Größe ihrer Besitzer übernehmen die Spezialisten, damit ein aufrechter Gang möglich ist.
Uwe Manger, Geschäftsführer des Sanitätshaus Richter, gibt den Senioren außerdem die Möglichkeit, sich die neusten Rollatorenmodelle anzusehen und vorstellen zu lassen: "Neben dem Standardmodell gibt es mittlerweile ganz unterschiedliche Bauweisen, angepasst an die jeweiligen Diagnosen der Leute. Um zum Beispiel als schwächere Person Feldwege oder Hindernisse besser überwinden zu können, braucht man Rollatoren mit großen Rädern. Es gibt auch leichtere und schwerere, sogar welche mit Stoßdämpfern. So wird jedem der Umgang mit seinem Rollator so leicht wie möglich gemacht."
Wer sich noch mehr Luxus wünscht, kann sein Gefährt zusätzlich noch mit einer Regenschirmhalterung, einem Einkaufskorb oder einer Klingel ausstatten lassen.




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