Bad Kissingen
Ausstellung

Kurort und Krieg

Im Museum Obere Saline wird jetzt ein vergessenes Kapitel in der Geschichte der Kurorte dargestellt.
Vor 100 Jahren berichtet die Saale-Zeitung über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs , zu sehen in der Ausstellung "Vergessene Gäste. Kurort und Krieg" im Museum Obere Saline.  Fotos: Peter Rauch
Vor 100 Jahren berichtet die Saale-Zeitung über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs , zu sehen in der Ausstellung "Vergessene Gäste. Kurort und Krieg" im Museum Obere Saline. Fotos: Peter Rauch
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Bad Kissingen — Häuser wie das "Marinekurlazarett" waren bis zum Abzug der amerikanischen Truppen zu Beginn der neuziger Jahre noch ein Begriff in Bad Kissingen. Inzwischen ist es still geworden um die Häuser, die nicht nur in Kurstädten wie Bad Kissingen Generationen von Soldaten zur Genesung dienten. So still, dass inzwischen eine Ausstellung daran erinnern muss. "Vergessene Gäste. Kurort und Krieg", so heißt die Ausstellung, die von der AG Kurort und Krieg der Kur- und Bäder-museen Deutschlands gemeinsam erarbeitet wurde. Maßgeblich beteiligt waren daran das Museum Obere Saline unter Leitung von Peter Weidisch, das Kur-,Stadt- und Apothekenmuseum Bad Schwalbach (Martina Bleymehl-Eiler), das Museum im Schloss Bad Pyrmont (Dieter Alfter) und die Städtischen Museen Bad Wildungen unter Leitung von Bernhard Weller. Letzterer gab auch eine Einführung in die Ausstellung in Bad Kissingen, die hier im Bismarckmuseum bis zum 2. November zu sehen ist.
Exakt vor 100 Jahren brach der erste Weltkrieg aus. Dies sei Zeitpunkt und Anlass, ein bisher unbearbeitetes Thema zu beleuchten. Peter Weidisch, Kulturreferent der Stadt Bad Kissingen, erläuterte, dass "Kurort und Krieg" Ausstellungs- und Forschungsprojekt zugleich sei. "Ohne Grundlagenforschung zu diesem Thema wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen".
Die "Blütezeit" der Bäder im 19. Jahrhundert schon oft dokumentiert worden, sagte der Bad Wildunger Museumsleiter Bernhard Weller. Traditionsreiche Kurorte rühmten sich der namhaften Kurgäste und verschwiegen dabei die Kriegsverwundeten, die in Kriegs- und Nachkriegszeiten das Bild der heilen Welt störten. So werden in vielen Kurortchroniken die Kriegsjahre häufig als Jahre des Niedergangs der Kur charakterisiert, tatsächlich profitierten sie jedoch in vielfacher Hinsicht von Kriegszeiten. So erreichte zum Beispiel Bad Salzuflen nie mehr die Kurgastzahlen der Kriegsjahre 1916 und 1943.

Lazarette und Militärstäbe

Kurorte wurden gezielt als Lazarettstädte in Anspruch genommen. Dies garantierte sichere Einnahmen. Mehr noch, wegen der angenehmen Umgebung und der Vergnügungsmöglichkeiten wurden Kurstädte auch gerne als Quartier für militärische Führungsstäbe oder als Verwaltungssitz von Besatzungsmächten ausgewählt. Und nicht zuletzt führte die Behandlung der verwundeten Soldaten zu medizinischen Fortschritten und erhöhte Kompetenz und Ruf der behandelnden Kurärzte.
Die Ausstellung zeigt das Leben und das Leid im Kurort im Ausnahmezustand von Krieg, beginnend 1860/61, über den "Franzosenkrieg", die beiden Weltkriege, bis hin zu seinen Folgen in der Gegenwart. Der Schwerpunkt der "Kissinger Kriegs-Kur" liegt beim Bayrisch-Preußischen Krieg ("Bruderkrieg") von 1866 und beim "Franzosenkrieg" 1870/71. Bad Wildungen "glänzt" mit exakten Aufzeichnungen des dortigen "Fürstenhofes" die erst am Ostersonntag 1945 beim Einmarsch der Amerikaner endeten, um dann nur wenige Tage später in englisch fortgesetzt zu werden, als amerikanische Offiziere das Haus als Lazarett für ihre Verwundeten nutzten.
So könne gesagt werden "Kurorte profitierten vom Krieg", dies sei eines der Ergebnisse der Forschungsarbeiten, formuliert Peter Weidisch.