Münnerstadt
Ausstellung

Ist das Kunst - oder nur Papier?

 Auf isländischen Straßen herumliegende Fetzen haben Mia Hochrein auf eine ungewöhnliche Idee gebracht. Wie die Ergebnisse ihrer Arbeit gewertet werden, ist ihr "völlig egal".
Mit Papierresten aus Island, Venedig und Münnerstadt: Mia Hochrein hat kleine Kunstwerke geschaffen, die jetzt im Altstadtcafé ausgestellt werden.  Foto: Dieter Britz
Mit Papierresten aus Island, Venedig und Münnerstadt: Mia Hochrein hat kleine Kunstwerke geschaffen, die jetzt im Altstadtcafé ausgestellt werden. Foto: Dieter Britz
"Kunst? Ich hab keine Ahnung, ob das Kunst ist. Aber mir gefällt es, und darauf kommt es mir an", sagt die Münnerstädter Künstlerin Mia Hochrein. Im Altstadtcafé beim oberen Tor hängen jetzt drei Dutzend meist postkartengroße Werke von ihr, alle unter dem Sammelbegriff "the little folk", sehr frei übersetzt: "das kleine Volk".
Es sind recht eigenwillige Kunstwerke, geschaffen aus farbigen Bonbon- oder Kaugummi-Papieren, die Mia Hochrein gesammelt und die Form eines menschlichen Körpers gegeben hat. Sie hat sie dann aufgeklebt, Tusche-Striche schufen Kopf und Füße, fertig war das "little folk".
Die meisten Kunstwerke zeigt Mia Hochrein als Originale. Entsprechend klein sind sie, denn Bonbon- oder Kaugummi-Papierchen sind nun mal nicht sehr groß. Einige Werke hat sie reproduziert und dann mehrfach vergrößert ausgedruckt, das verändert natürlich ihre Wirkung auf den Betrachter. Einige wurden auch stärker übermalt.
Zur Vernissage kamen zahlreiche Freunde und Kunstinteressierte. Sie nippten nicht nur am Sekt mit oder ohne Orangensaft, sie diskutierten untereinander oder mit der Künstlerin lange und ernsthaft, ob das, was Sie hier sehen, Kunst ist. "Eine tolle Idee, man muss nur drauf kommen" oder "das finde ich wirklich prima", so oder so ähnlich hört man es immer wieder. Auf Ablehnung stoßen Mia Hochreins Werke nicht.
Die Künstlerin, die sich durch viele Aktionen in ihrer Heimatstadt schon einen guten Namen gemacht hat, erzählt, wie sie auf diese Idee gekommen ist: 2013, bei einem Stipendienaufenthalt in Island, lagen die Papierreste auf den Straßen der Ortschaft Skagastönd herum. Sie kamen ihr vor wie die winzig kleinen Elfen, von denen die isländischen Mütter oft und gerne ihren Kindern erzählen.
So entstanden aus den isländischen Papierfetzen die ersten "little folk"-Kunstwerke. Zurück in Münnerstadt, entdeckte sie die kleinen Elfen-Wesen auch hier und machte sich ans Werk. Sie sammelte die Papierchen aller Art auf den Straßen und entdeckte dabei manchmal sogar ganze Großfamilien und Familienclans, zum Beispiel Eukalyptus oder Menthol extra stark.
Und sie fand daneben auch viele Einzelgänger, Papierchen also, die es nur einmal gab. "Die Form, die da ist, bestimmt den Charakter der Figuren", sagt sie, und "für mich ist das eine angenehme Spielerei, wie das gewertet wird, ist mir völlig egal".
Bleibt noch anzumerken, dass neben den Isländern auch andere Ausländer im "little folk" vertreten sind. Mia Hochrein hat von einem Besuch in Venedig zahlreiche Papiere mitgebracht und daraus Figuren gemacht, die auch im Altstadtcafé zu sehen sind.