Hohenroth
Schule

Innovationspreis für die Lern-Werkstatt in Hohenrother Grundschule

Die Bionik ist ein Forschungsfeld für Naturwissenschaftler, Ingenieure, für Architekten, Philosophen und Designer - und für die Buben und Mädchen der Edmund-Grom-Grundschule in Hohenroth.
Rektor Gerhard Schubert und Silke Hehn schätzen moderne Lernmethoden. So werden in der Forscher-Werkstatt die Begeisterung und das Verständnis für naturwissenschaftliche und technische Themen gefördert.  Foto: Heike Beudert
Rektor Gerhard Schubert und Silke Hehn schätzen moderne Lernmethoden. So werden in der Forscher-Werkstatt die Begeisterung und das Verständnis für naturwissenschaftliche und technische Themen gefördert. Foto: Heike Beudert
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Die Buben und Mädchen an den Mikroskopen lassen ihren Rektor Gerhard Schubert (Münnerstadt) und ihre Lehrerin Silke Hehn (Aschach) einen Blick durchs Binokular werfen. Kletten liegen dort und sehen in der Vergrößerung aus wie kleine Häkchen. Jetzt können sich die Kinder besser vorstellen, warum Kletten überall haften.

"Wie beim Klettverschluss", zieht ein Mädchen die Schlussfolgerung. Die Kleine hat das Wesen der Bionik erkannt - das Übertragen von Phänomenen aus der Natur auf die Technik. Ihre Lehrerin Silke Hehn spricht von "forschendem Lernen". In seiner Schule hat Gerhard Schubert mit sogenannten Lern-Werkstätten bereits das umgesetzt, was im kommenden Jahr für alle bayerischen Grundschulen im neuen Lehrplan stehen wird: Der individualisierte Unterricht.

Die Forscher-Werkstatt ist das jüngste innovative Lernprojekt der Hohenrother Grundschule. Bereits im Jahr 2009 hat Rektor Gerhard Schubert die Mathe-Werkstatt angeregt, 2010 folgte die Lese-Werkstatt und seit diesem Jahr wird im Rahmen des Heimat- und Sachkunde-Unterrichts geforscht.

Die Einrichtung dieser Lern-Werkstätten hat der Schule in der vergangenen Woche einen Innovationspreis für innere Schulentwicklung und Werteerziehung eingebracht. In Unterfranken landete die Schule damit auf Platz 2. Dafür gab es einen Scheck über 500 Euro. Auf regionaler Ebene wurde dieser Preis erstmals vergeben.

Gerhard Schubert ist seit 1974 Lehrer. Ihm sei von Anfang an wichtig gewesen, die Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit zu fördern. Heute sei das wichtiger denn je, meint der erfahrene Pädagoge. Denn die Kinder kämen mit ganz unterschiedlichen Lernvoraussetzungen an die Schule. Differenzierung sei nötig, damit alle Kinder die gleichen Chancen bekämen. Die Lernwerkstatt fördere alle Schüler gleichermaßen, ist er überzeugt.In den Lern-Werkstätten können die Kinder mit ihrem individuellen Lernplan den Schulstoff selbständig erarbeiten. Bei dem einen Schüler geht es etwas schneller, bei dem anderen etwas langsamer. Am Ende haben es aber alle begriffen.

Konzentriert und interessiert

In der Mathe-Werkstatt sitzen einige Buben und Mädchen auf dem Boden; um sie herum verstreut liegen Klötzchen, die aussehen wie große Duplosteine, aber mit Ziffern bedruckt sind. Darüber ist eine Wäscheleine gespannt. Auch auf den Zwickern stehen Zahlen. Was nach einer improvisierter Bau-Ecke aussieht, ist ein Workshop zum Erarbeiten des Zahlenraums. Auffallend ist die Ruhe in der Runde. Andere Kinder sitzen an Tischen und konzentrieren sich auf ihre Aufgaben. Selbst von unerwarteten Gästen lassen sie sich nicht stören.

Einige Kinder experimentieren mit geometrischen Formen. Mathematik wird somit fassbar. "Begreifen kommt von Greifen", erläutert Gerhard Schubert. "Dies ist ein alter Satz, der stimmt", ergänzt Schubert. Was die Kinder auf diese Weise begriffen haben, helfe, den Schulstoff besser zu verstehen. Schubert spricht von "Kompetenzen, die Kinder erwerben".

Freiwillig zum Mathe-Wettbewerb

Silke Hehn ist von Anfang an die rechte Hand Schuberts bei der Umsetzung der Lern-Werkstätten. Die engagierte Lehrerin hat nur gute Erfahrungen damit gemacht und betont: "Mathematik ist nicht mehr das mit Angst besetzte Fach. Die Kinder beschäftigen sich gerne damit."

Gerhard Schubert und Silke Hehn können das anhand sichtbarer Erfolge belegen. Bei Mathe-Wettbewerben schneiden Kinder der Schule regelmäßig gut ab und immer mehr melden sich, um daran teilnehmen zu können. Die Techniken der Mathe-Werkstatt hat Gerhard Schubert mittlerweile auch für seine Mittelschul-Klassen übernommen. Auch da funktioniere das System bestens.

In der Lese-Werkstatt können die Schüler ebenfalls nach ihrem Rhythmus das Lesen lernen.Wer ein Modul beherrscht, kann in die nächste Stufe aufsteigen. In der Lese-Werkstatt befinden sich die Schulbibliothek und die Computer, so dass die Kinder mit unterschiedlichen Medien arbeiten. Die Lern-Werkstätten seien ein Gegenpol zum Computer, obwohl der selbstverständlich ein ergänzendes Lernmittel sei, so Schubert. Was wie ein Widerspruch klingt, funktioniere in der Praxis, meint der Schulleiter.

Kollegium ist voll dabei

Der Rektor der Hohenrother Schule weiß, dass ein solcher Unterricht viel Arbeit macht. Was spielerisch aussieht, muss im Vorfeld gut vorbereitet sein. Doch er kann sich auf ein motiviertes Lehrerkollegium verlassen. "Ich habe sehr gute Lehrkräfte."

Silke Hehn sei ein Motor dieser modernen Unterrichtsmethoden. Die Lehrerin ist seit elf Jahren an der Schule und engagiert sich mit Begeisterung in der Schulentwicklung. Sie hat mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut, das hilft, den individuellen Unterricht immer weiter zu verbessern. Die Forscher-Werkstatt ist so auch verknüpft mit den Universitäten Eichstätt und Würzburg. Mit der Firma Jopp in Bad Neustadt gibt es eine Kooperation.

Immer öfter begrüßt Gerhard Schubert an der Schule Pädagogen anderer Schulen, die sich über diese neue Unterrichtsformen informieren. Ihre Erfahrungen geben der Rektor und seine Kollegin Silke Hehn gerne weiter. Natürlich gibt es an der Grundschule in Hohenroth noch den klassischen Unterricht. Ganz kann man darauf nicht verzichten. Doch die Lern-Werkstätten seien eine wichtige Ergänzung und würden den Kindern einen ganz neuen Zugang zum Unterrichtsstoff ermöglichen, findet Gerhard Schubert.
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