Maßbach
Neuling

Gänsehaut pur in Berlin

Die SPD- Bundestagsabgeorndete aus Maßbach über ihre Eindrücke bei der ersten Plenarsitzung
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Der Schein trügt: Die Koalition ist noch nicht unter Dach und Fach, auch wenn Abgeordnete Sabine Dittmar (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gemeinsam auf dem Erinnerungsfoto zu sehen sind.  Foto: Bundestag
Der Schein trügt: Die Koalition ist noch nicht unter Dach und Fach, auch wenn Abgeordnete Sabine Dittmar (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gemeinsam auf dem Erinnerungsfoto zu sehen sind. Foto: Bundestag
Des einen Freud, des anderen Leid. Was im normalen Leben nur allzu oft gilt, bewahrheitet sich bisweilen auch in der großen Politik. Die Büroräume, die Sabine Dittmar in Berlin bald bezieht, werden derzeit noch von Gesundheitsminister Daniel Bahr und dem parlamentarischen Staatssekretär Jan Mücke genutzt.
Beide gehören bekanntlich der FDP an, und die ist bei den Bundestagswahlen im September an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Dass auch Sabine Dittmar als ausgebildete Ärztin ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Gesundheitspolitik legt, ist dabei noch eine Randnotiz zum Schmunzeln.

Frühstück mit Steinbrück

Als hell und freundlich beschreibt die neue Bundestagsabgeordnete aus Maßbach im Nachbarlandkreis Bad Kissingen das in der Prachtstraße Unter den Linden gelegene Büro. Gut zehn Minuten hat sie von hier aus zum Reichstag, der in den kommenden vier Jahren ihr Arbeitsplatz sein wird, nachdem sie über die Landesliste der Bayerischen SPD in den Bundestag eingezogen ist. Drei Zimmer umfasst das Büro und ist in einer besseren Kategorie angesiedelt, als das kombinierte "Büro- und Schlafappartement", das Dittmar in den vergangenen fünf Jahren als Landtagsabgeordnete in München genutzt hat. Die ersten Tage in Berlin waren für Sabine Dittmar vollgepackt mit neuen Eindrücken. "Viel Organisatorisches und viele Diskussionen" - beschreibt sie gegenüber der Main-Post ihren Einstand in der Bundeshauptstadt. Dazu gesellte sich eine gehörige Portion Gänsehaut, die sie bei der konstituierenden Sitzung beschlich, als ihr so richtig klar wurde, dass sie zu dem Kreis jener 631 Personen zählt, die künftig Verantwortung für die Geschicke von gut 80 Millionen Menschen tragen.
Den Plenarsaal kannte die SPD-Politikerin aber schon von der Wahl zum Bundespräsidenten, an der sie als Wahlfrau teilgenommen hatte. Einige der Parteigranden hat sie auch schon getroffen. "Mit Steinmeier beim Abendessen und bei Steinbrück zum Frühstück", schmunzelt sie. Die beiden Politiker hatten die neuen SPD-Abgeordneten eingeladen.
Zur konstituierenden Sitzung waren ihre Eltern aus Maßbach gekommen. Ehemann Diethard musste allerdings passen, weil er am vergangenen Dienstagabend zu Hause in Maßbach bei einer wichtigen Sitzung des Marktgemeinderates gefordert war. Ob sie selbst ihren Sitz im heimatlichen Parlament behalten kann, wird davon abhängen, ob beide Mandate zeitlich unter einen Hut zu bringen sind. Als Landtagsabgeordnete war es kein Problem, an den Sitzungstagen nachmittags eben mal von München nach Maßbach zu fahren und am Tag darauf wieder retour.
Berlin ist da schon ein Stück weiter weg. Gefühlt ein halbe Ewigkeit, wenn man wie Sabine Dittmar am Mittwoch um 14.30 Uhr in den Zug steigt und erst um 21 Uhr am Münnerstädter Bahnhof eintrifft, weil eine Baustelle auf der Strecke dafür sorgt, dass der Anschlusszug schon weg ist. Normalerweise ist die Verbindung von Münnerstadt nach Berlin aber in gut vier Stunden zu schaffen.

Wohnung in Berlin Mitte

Wohnen wird Sabine Dittmar während der 23 Sitzungswochen in einem Zweizimmer-Appartement in Berlin Mitte. "Seit vergangenem Montag habe ich ein Bett, und seit Dienstag gibt es Licht", sagt sie über die Wohnung, in der vor ihr ein Künstler gewohnt hat. Bei ihrer Arbeit in Berlin unterstützen werden die Abgeordnete Michael Frank aus dem Bürgerbüro Bad Kissingen und Ilona Laschnitzer, eine gebürtige Wildfleckenerin, die sie von der früheren stellvertretenden Bundestagspräsidentin Susanne Kastner übernommen hat.
Nach dem anstrengenden Wahlkampf macht Sabine Dittmar zusammen mit ihrem Mann jetzt in den Herbstferien erst einmal Urlaub. "In die Sonne", sagt sie, will aber nicht verraten, wohin genau die Reise gehen soll. Danach wird sie in einer der Arbeitsgruppen zu den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU tätig sein.
Wenn man allerdings das Foto betrachtet, das Sabine Dittmar an ihre erste Sitzung im Parlament erinnern soll, könnte man auf die Idee kommen, das Bündnis sei schon unter Dach und Fach. Gerade als der Fotograf auf den Auslöser drückte, kam Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von der CDU des Weges. Als höflicher Mensch stoppte er seinen Rollstuhl, um zu warten und kam so ganz zufällig mit aufs Bild.
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