Gersfeld (Rhön)
Projekt

Flieger warnen vor Radarmast-Bau

Die Deutsche Flugsicherung will den Luftraum besser kontrollieren und dazu auch kleinere Flugzeuge erfassen. Doch gegen das Vorhaben auf der Wasserkuppe formiert sich Widerstand in der Region.
Auf der Wasserkuppe will die Deutsche Flugsicherung einen bis zu 60 Meter hohen Radarmast errichten. Dort ansässige Flieger sehen dazu keine Notwendigkeit. Foto: Kerstin Junker
Auf der Wasserkuppe will die Deutsche Flugsicherung einen bis zu 60 Meter hohen Radarmast errichten. Dort ansässige Flieger sehen dazu keine Notwendigkeit. Foto: Kerstin Junker
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Einen bis zu 60 Meter hohen Radarmast möchte die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf der Wasserkuppe errichten. Damit soll der Luftraum sichererer werden, argumentiert das Unternehmen. Statt bisher lediglich Verkehrsflieger über 2000 Meter Flughöhe auf den Schirmen der Fluglotsen zu erfassen, soll die Untergrenze künftig bei 1300 Metern liegen, erläutert Pressesprecher Axel Raab (Langen).
"Dazu gibt es eine Vereinbarung mit der Internationalen Luftverkehrsorganisation", betont Raab. Schon jetzt herrschten im Luftraum zwischen Rhön, Thüringer Wald und Vogelberg in niedrigen Höhen zu viele weiße Flecken bei der Überwachung. Der Mast mit einem Durchmesser von bis zu sieben Metern und einer Plattform von 15 Metern Durchmesser solle auch der besseren Er fassung von Kleinflugzeugen die nen.
Doch gegen das Vorhaben auf der Wasserkuppe formiert sich Widerstand in der Region. Die Stadt Gersfeld und der Landkreis Fulda lehnen das Vorhaben an der vorgesehenen Stelle ab. Sie befürchten negative Auswirkungen auf den Tourismus. Skeptisch äußern sich Vertreter der Fliegerei auf der Wasserkuppe. Sie fürchten gesundheitliche Gefahren und eine Abschreckung potenzieller Gäste.
Die Flugsicherung sieht dagegen keine Alternativen für den ins Auge gefassten Standort. "Gegen die Abschattungen durch andere Berge muss der Mast möglichst hoch stehen", argumentiert Axel Raab von der Flugsicherung für den höchsten Berg der Rhön. Heidelstein und Kreuzberg scheiden wegen der dort installierten Sendemasten aus. Raab zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen: "Die gibt es nicht, wir bewegen uns innerhalb der Grenzwerte." Ganz anders schätzt Harald Jör ges die Gefahren ein. "Wir bewegen uns beim Flugunterricht täglich stundenlang rund um die Antenne", gibt der Leiter der Flugschule Wasserkuppe zu bedenken. "Wer will sich da schon grillen lassen?" Im Hinterkopf hat er dabei die Leiden von in der Vergangenheit verstrahltem Radar-Personals der Bundeswehr. In Gefahr sieht Jörges durch das Bauwerk die Ernennung der Fliegerei-Einrichtungen auf der Wasserkuppe zum Weltkulturerbe. Dazu laufe aktuell das Verfahren.
Fliegerisch sieht Fluglehrer Jörges keine Notwendigkeit, die Luftraum-Kontrolle nach unten auszudehnen. Unterhalb von 3000 Metern werde von Kleinflugzeugen ohnehin nach Sicht geflogen. Zum Schutz vor Kollisionen führen Motorflugzeuge einen Transponder mit, der vor gegenseitigen Annäherungen warnt.
"Möglicherweise stehen da ganz andere Pläne dahinter", vermutet Jörges zu einem Antennenbau. Er kann sich eine Zentralisierung vorstellen, die Antennen quer durch die Republik einspart. "Oder vielleicht dient das Ganze der Steuerung militärischer Drohnen", gibt er zu bedenken. Seine Befürchtung: "Wenn der Anfang erst mal gemacht ist, weiß hinterher niemand, was noch alles installiert wird.
Noch deutlicher wird Andreas Schubert, Leiter der Gleitschirmschule Papillon: "Die Deutsche Flugsicherung gefährdet bewusst unsere Gesundheit." Ausgestrahlt werde Mikrowellenstrahlung in einer Höhe, in der sich Gleitschirmflieger bewegen. Die Strahlung erhitze das Körpergewebe.
Sinnvollerweise sollte die Antenne nicht in bebautem Gebiet errichtet werden, fordert Schubert. Wie Fluglehrer-Kollege Jörges bringt er das Geländes des Truppenübungsplatzes Wildflecken ins Gespräch. Auf der Wasserkuppe arbeiteten mittlerweile immerhin 100 Menschen direkt unter der Antenne. Nötigenfalls werde er das Gefahrenpotenzial der Radarantennen für auf gleicher Höhe fliegende Piloten gutachterlich prüfen lassen.
Ärgerlich findet es Schubert, dass die Gleitschirmfliegerei mit Ernennung des Biosphärenreservats auf wenige Startplätze "ghettoisiert" worden sei. Nun drohe an einem der wenigen Startplätze auch noch unmittelbare Konfrontation mit Radarstrahlen. Bislang bewege sich das Projekt im Stadium von Voranfragen, betont Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung. Ob und wann der Mast gebaut werden soll, sei noch unklar. Insgesamt betreibt die DFS 36 solcher Masten. 2028 soll das komplette Modernisierungspaket für den Luftraum der Bundesrepublik vollzogen sein.
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