Bad Kissingen
Energie

Fischschutz rentiert sich

Die Stadtwerke verbinden am Wasserkraftwerk an der Lindesmühle Ökologie und Ökonomie. Die Anlagen zur Erleichterung der Fischwanderung haben sich bewährt.
Simon Rest und Hans-Joachim Mäutner auf der Wasserkraftanlage der Stadtwerke Bad Kissingen an der Lindesmühle  Foto: Farkas
Simon Rest und Hans-Joachim Mäutner auf der Wasserkraftanlage der Stadtwerke Bad Kissingen an der Lindesmühle Foto: Farkas
VON Siegfried Farkas

Bad Kissingen — Es kommt eben immer auf den Standpunkt an: Den einen gilt Energie aus Wasserkraft als ökologisch vorzeigbar, weil sie nicht aus Atomkraft stammt und CO2 -neutral ist. Andere kritisieren, Wasserkraftanlagen verbauten Flüsse und Bäche. Noch dazu sei die Technik gefährlich für Fische.
Die Stadtwerke Bad Kissingen wollen bei ihrer Wasserkraftanlage an der Lindesmühle beide Standpunkte zusammenbringen.

Aussichtsreicher Ansatz

Und das Landesamt für Umwelt (LfU) hält ihren Ansatz offensichtlich für aussichtsreich. Bei einem Expertenhearing in Augsburg ließ das LfU die Bad Kissinger Anlage als einen von neun Standorten aus ganz Bayern vorstellen, die fischfreundliche Gesichtspunkte berücksichtigen. Zudem untersucht die Technische Universität München die Kissinger Anlage mit dem Schwerpunkt Fischschutz auf gewässerökologische Verträglichkeit.

Zum Aalschutz oft abgeschaltet

Hans-Joachim Mäutner, der bei den Stadtwerken den Geschäftsbereich Technik leitet, und Simon Rest, Meister für die Netze bei den Stadtwerken, kennen das Problem mit den Fischen. Früher seien vor allem Aale immer wieder Opfer der Wasserkraftanlage an der Lindesmühle in Bad Kissingen geworden. In den Aalwanderungszeiten zwischen Ende Oktober und Januar sei deshalb die Anlage sogar oftmals abgeschaltet worden.
Seit die Anlage zwischen Ende 2012 und Mitte 2013 auf den jetzigen Stand gebracht wurde, sei nicht nur das viel besser geworden. Tote Fische, berichten Mäutner und Rest, finde man jetzt nicht mehr. Und die Effektivität der Anlage sei auch gestiegen: "Unsere bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv."

Zickzackrinne und Fischrutsche

Durch die Veränderungen am Fischabstieg würden die tief ankommenden Aale nun über eine Zickzackrinne und eine Fischrutsche an der Wasserkraftanlage vorbei geleitet. So gerieten sie nicht mehr in die Turbine. Weil herantreibendes Grüngut nicht mehr wie früher herausgehoben, sondern an der Anlage vorbeigeleitet wird, werde auch dies nicht mehr zur tödlichen Falle für die Tiere. Für Fische, die sich oberflächennah bewegen, seien ebenfalls Vorkehrungen getroffen.
Dabei arbeite die Anlage sogar ökonomischer. Das liegt nicht nur daran, dass jetzt nur noch zur Wartung abgeschaltet werden muss. Die Rechen und Gitterroste vor der Turbine seien effektiver. Das sorge für bessere Durchströmung.

Höhere Stromerzeugung

Mäutner ist sich deshalb sicher, dass sich die Investition in ökologische Verbesserung für die Stadtwerke ökonomisch auszahlt.
250 000 Euro habe das Unternehmen ausgegeben. Die Vergütung sei von vorher 7,67 Cent pro Kilowattstunde erzeugtem Strom auf 11,67 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Und die Stromproduktion sei auch besser als davor. 910 000 Kilowattstunden habe das Wasserkraftwerk 2013 erzeugt. Früher seien es im Jahr jeweils an die 800 000 Kilowattstunden gewesen. "Da", sagt Mäutner, "kann man sich ausrechnen, wann sich die Investition amortisiert."
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