Bad Kissingen
Vandalismus

Ehemaliges Kurheim: Stadt Bad Kissingen hat keinerlei Handhabe

Das ehemalige Kurheim St. Josef gleicht einer Mischung aus Abenteuer-Spielplatz und Müllhalde. Allerdings können Polizei und Behörden nichts weiter unternehmen.
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Mit brachialer Gewalt wurde sogar Sicherheitsglas durchbohrt. Foto: privat
Mit brachialer Gewalt wurde sogar Sicherheitsglas durchbohrt. Foto: privat
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Vom Stationsberg aus haben Wanderer einen herrlichen Blick über Bad Kissingen. Auf dem Wanderweg zur Burgruine Botenlauben ist tatsächlich der Fernblick auch der deutlich schönere als der Anblick neben dem Weg: Feuerlöscher, die offensichtlich durch geschlossene Fenster nach draußen geworfen wurden, jede Menge Glasscherben, Graffitis und Müll sind nämlich rund um das ehemalige Kursanatorium St. Josef zu sehen. Und der Schandfleck geht nicht weg.

2008 verkauften die Marienhiller Schwestern die Immobilie. Passend zu anderen Grundstücksgeschäften mit russischen Partnern nach Ende der Ära von Ex-OB Karl-Heinz Laudenbach, war auch beim ehemaligen St. Josefsheim die Rede von Investoren aus St. Petersburg und einer russischen GmbH.

Getan hat sich bis heute jedoch nichts - außer Vandalismus. Im Juli 2012 ermittelte die Polizei. Der Sachschaden betrug damals bereits 25 000 Euro. Die Polizei griff rund ein Dutzend Jugendliche auf, die wegen Hausfriedensbruch angezeigt wurden. Ein Teil der Sachbeschädigungen wurde zwei Bad Kissingern im Alter von 14 und 15 Jahren nachgewiesen. "Aktuell ist uns nichts bekannt", berichtet Elmar Hofmann, stellvertretender Leiter der Bad Kissinger Polizei. Eine besondere Gefährdung durch das Haus sieht er nicht, denn: "Grundsätzlich gilt natürlich auch bei einem unbewohnten Haus das Hausrecht." Sprich: Jugendliche dürften eigentlich gar nicht aufs Gelände, geschweige denn durch die offenen Türen ins Gebäude.

Auch die Stadt hat keine Handhabe: "Eingreifen können wir auch nicht baurechtlich. Nur wenn wirklich Gefahr für Leib und Leben bestünde", sagt Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt Bad Kissingen.



Gründung Vor 90 Jahren, im Februar 1924, übernahmen die "Missionsschwestern vom Kostbaren Blut (Marienhiller Schwestern)" das ehemalige Café "Ysenburg" am Stationsberg. Bis 1998 kamen Kinder aus ganz Deutschland zur Kur in die Einrichtung. Durch die Gesundheitsreformen in den 1990er Jahren brach das Geschäft jedoch ein.

Nachfolger Zehn Jahre später, im November 2008, eröffneten die Marienhiller Schwestern ein neues Haus St. Josef am Nordring. Dort werden 12 bis 16 Menschen mit seelischer Behinderung bei der Rückkehr in den Alltag betreut. Zu Jahresbeginn hat die "Erthal Sozialwerk gemeinnützige GmbH" die Trägerschaft für die Einrichtung übernommen.
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