Bad Brückenau
Energiewende

Drehen bald Windräder in der Rhön?

Mehrere Höhenzüge auf hessischer Seite wurden als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. Sie grenzen zum Teil direkt an den Landkreis Bad Kissingen an. Doch die Macher des Regionalplanes maßen mit zweierlei Maß...
Idyllische Sicht vom Dreistelz: Hier könnten sich bald Windräder drehen. Foto: Ulrike Müller
Idyllische Sicht vom Dreistelz: Hier könnten sich bald Windräder drehen. Foto: Ulrike Müller
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Der Weg hinauf zum Dreistelz ist steil, doch der Blick lohnt alle Mühe. Weit erstreckt sich das Panorama: Der Schlosspark des Staatsbades ist klar zu erkennen, der Volkersberg schaut wie eine Insel aus dem wogenden Meer der Höhenzüge heraus. Weiter westlich zeichnet sich undeutlich die mächtige ICE-Brücke hinter Zeitlofs ab. Sie steht auf den letzten Quadratmetern fränkischer Erde, danach beginnt Hessen. Genauer gesagt Südhessen. Und für Südhessen liegt nun ein Regionalplan für Windkraft vor. Und mit dem ist der Landkreis Bad Kissingen alles andere als einverstanden.

"Das ist eine massive Ungleichbehandlung zwischen Bayern und Hessen", sagte Landrat Thomas Bold (CSU) im Wirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistages. Grund für seinen Unmut ist, dass die Macher des Regionalplans die Kriterien, die sie auf hessischer Seite anwenden, offensichtlich in Bayern außer Acht lassen.

Mit zweierlei Maß gemessen

Besonders stieß auf Kritik, dass in Hessen andere Abstände zu bebauten Bereichen angesetzt werden als in Bayern. Der Plan sieht einen Puffer von einem Kilometer vor, allerdings wird dieser Abstand auf bayerischer Seite nicht eingehalten: Die ausgezeichneten Vorranggebiete für Windkraft liegen nur 800 Meter von Volkers, 800 Meter vom Staatsbad, 780 Meter von Roßbach und lediglich 590 Meter von Eckarts entfernt.

Die Karte, auf der die Flächen eingezeichnet sind, ist hinter der Landesgrenze abgesoftet. Kreisrat Wolfgang Görner (SPD) unterstellte, dass damit bewusst verschleiert werden sollte, dass Kommunen in Bayern betroffen sind. Vor allem Roland Limpert, Kreisrat (PWG) und zweiter Bürgermeister von Zeitlofs, setzte sich vehement dafür ein, dass sich der Wirtschaftsausschuss gegen die Ausweisung von Windkraft-Vorrangflächen ausspricht.

Limpert erläuterte, dass der Ruheforst Rhön bei Eckarts nur 500 Meter unterhalb einer der Vorrangflächen liege. Ein weiterer Kritikpunkt war die Nähe zu Kureinrichtungen des Staatsbades. Während der regionale Planungsausschuss für die Region Main/Rhön - das Gremium regelt die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft für die Landkreise Bad Kissingen, Haßberge, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt sowie die Stadt Schweinfurt - zwei Kilometer Abstand zu Kurorten vorsieht, ignoriert der hessische Vorstoß das Staatsbad völlig.

"Regionalpläne benachbarter Regionen müssen aufeinander abgestimmt werden", bringt Thomas Schoenwald, Jurist am Landratsamt Bad Kissingen, die Kritik auf den Punkt. So stimmte auch der Wirtschaftsausschuss einstimmig einer entsprechenden Stellungnahme an das Regierungspräsidium Darmstadt zu. Deren Inhalt: Alle acht Vorranggebiete, die unmittelbar an den Landkreis Bad Kissingen angrenzen, werden abgelehnt.

Bürgermeister wehren sich

Die betroffenen Kommunen der Brückenauer Rhönallianz sind empört. Der Gemeinderat Motten hat bereits in einer eigenen Stellungnahme widersprochen. Die Vorranggebiete liegen in der Nähe der Grenzwaldbrücke bei Speicherz. "Wenn die Sonne ungünstig steht, befürchten wir einen Schattenwurf bis ins Wohngebiet hinein", sagt Bürgermeister Jochen Vogel (CSU).

Auch sein Zeitlofser Kollege Wilhelm Friedrich (CSU) ist nicht begeistert: "Wir haben nichts gegen Windkraft, aber die Abstände müssen eingehalten werden." Am Dienstag wird der Zeitlofser Rat eine eigene Stellungnahme in Richtung Darmstadt abgeben.

Regelrecht erbost ist dagegen die Bad Brückenauer Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Eine der Vorrangflächen liegt zum Teil auf der Kuppe des Fondsberges und damit keinen Kilometer von ihrem Haus entfernt. "Ich persönlich werde eine Einwendung geltend machen", will sie sich wehren.

Es wehen raue Winde in der Rhön. Sie für die Windkraft nutzbar zu machen, wird noch ein langer Weg - auf beiden Seiten der Landesgrenze.