Bad Bocklet
Medizin

Der "Kollege" rollt zur Visite

Per Telemedizin kommt der Operateur aus dem Bezirkskrankenhaus Werneck in das Rehazentrum Bad Bocklet.
Leitender Oberarzt Dr. Franz Engelmaier betrachtet das Knie des Patienten am Bildschirm. Foto: Gerd Landgraf
Leitender Oberarzt Dr. Franz Engelmaier betrachtet das Knie des Patienten am Bildschirm. Foto: Gerd Landgraf
Der neue "Kollege" steht auf vier Rollen, ist mit Mikrofon und Lautsprecher, Monitor und hochauflösender sowie steuerbarer Kamera bestückt, hat zusätzlich eine Handkamera, mit der man ganz nah an den Patienten und die Wunde heran kann, und er liefert auf dem zweiten Bildschirm die Patientenakte, in die der Operateur am Bezirkskrankenhaus Werneck und auch der Arzt in der Reha-Klinik Einblick haben - soweit es der Datenschutz zulässt.
Von einem "Quantensprung" bei der Nachversorgung sprach Dr. Franz Engelmaier, stellvertretender Ärztlicher Direktor am Orthopädischen Krankenhaus Schloss Werneck. Mit Dr. Sonja Herzberg, Chefärztin Orthopädie am Rehazentrum Bad Bocklet (Landkreis Bad Kissingen), die diese noch junge Art der Kommunikation zwischen Operateur und Reha-Einrichtung initiiert hat, hatte Dr. Engelmaier gerade das Knie eines Patienten begutachtet. Gebildet hat sich eine Fistel. Wenige Minuten dauert die Diagnose. Anschließend sind die Ärzte an beiden Enden der Leitung von der Technik überzeugt.
Angesetzt war am Mittwochvormittag eigentlich nur ein Test. Doch das Team um Professor Dr. Christian Hendrich, Ärztlicher Direktor der Orthopädie Werneck, war so zuversichtlich, dass man gleich die Presse einlud - man aus dem Test eine Präsentation machte. Nach dem Klingelton stand die Verbindung, die durch perfekten Ton und gestochen scharfe Bilder bestach.
Verantwortlich zeichnen dafür zwei Unternehmen: Das Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen suchte für Dr. Herzberg nach dem geeigneten System. Dieses fand als Partner die Firma Meytec Medizinische Systeme (Brandenburg).
Seit Mittwoch steht in Bad Bocklet eine mobile Arbeitsstation, die mit ins Patientenzimmer genommen wird. Per Bild und Ton läuft die Konversation zwischen Patient, dem Mediziner im Rehazentrum und dem Operateur am Bezirkskrankenhaus in Werneck. Fragen werden gestellt und beantwortet. Operateur Engelmaier kann per Fernsteuerung die Kamera im Patientenzimmer steuern und zoomen; Dr. Herzberg zusätzlich die Handkamera einsetzen.
Die Begutachtung der Wunde und Informationen über die Fistel reichten aus. Schnell waren sich die Ärzte einig, dass der Patient zurück nach Werneck verlegt wird, dass in der Fachklinik die Fistel entfernt und die Wunde versorgt wird.

Bewährungsprobe

Seit zehn Jahren ist diese Form der Telemedizin bereits auf dem Markt. Eingesetzt wurde sie bislang vor allem in der Neurologie bei Schlaganfallpatienten. Andere medizinische Bereiche nutzen die moderne Technik erst seit etwa zwei Jahren. Bewährt hat sie sich bereits in Wohngemeinschaften mit Heimbeatmung. Auch in Dialysezentren wird via Monitor und Kabel ärztlicher Rat eingeholt.
Die Kommunikation zwischen Operateur und Nachversorgung ist noch recht neu, ist nicht nur für das Bezirkskrankenhaus in Werneck und das Rehazentrum in Bad Bocklet ein "Quantensprung".
Den Rechner hat Meytec aus hochwertigen Komponenten zusammengebaut. Im Einsatz sind auch Eigenentwicklungen von Meytec. Der genaue Preis pro Einrichtung mit Arbeitsstation und Monitoren am anderen Ende der Leitung wird nicht genannt, auch weil er je nach Anforderungsprofil variiert, liegt jedoch im "unteren fünfstelligen Bereich", so ZTM.
Dr. Franz Engelmaier und Dr. Christian Hendrich sehen in der Telekommunikation auch die Chance, den Heilungsprozess nach der Entlassung aus der Orthopädie zu verfolgen. Steffen Schmitt (ZTM) erklärte ihnen, dass ein Knopfdruck ausreicht, um das System zu aktivieren, das rund um die Uhr in Betrieb bleiben kann, bei dem weitere Spezialisten zugeschaltet werden können, und das dem zugelassenen Nutzer auch Einblick in die Krankheitsgeschichte gewährt. Gerd Landgraf

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