Aschach bei Bad Kissingen
Postkutsche

Abschluss der Jubiläums-Postkutschensaison

Die einzige von der Deutschen Post bezuschusste regelmäßige Linie in ganz Deutschland besteht mittlerweile seit 75 Jahren. Der Förderverein ist zufrieden mit der Auslastung von 85 bis 90 Prozent.
Postillion Horst Stiller und Kutscherin Yvonne Körner sitzen gemeinsam auf dem Kutschbock. Foto: Ralf Ruppert
Postillion Horst Stiller und Kutscherin Yvonne Körner sitzen gemeinsam auf dem Kutschbock. Foto: Ralf Ruppert
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Lara ist begeistert: "Ich habe die Postkutsche schon oft gesehen, aber heute sitze ich zum ersten Mal drin", erzählt die Fünfjährige während der Abschlussfahrt der 75. Postkutschen-Saison. Neben ihr sitzt ihr Opa, der 3. Bürgermeister der Stadt Bad Kissingen Thomas Leiner (CSU). Auch für ihn war es eine Premiere. "Die Postkutsche ist eine Erfolgsgeschichte", sagt er, und: "Der Förderverein ist gut aufgestellt."
"Wir können stolz auf unsere Postkutsche sein", sagt Post-Präsident a.D. Werner Scheller. Kurz vor der letzten Fahrt des Jahres wurde er für weitere zwei Jahre als Vorsitzender des Fördervereins bestätigt. "Die Fahrgastzahlen sind noch nicht genau ermittelt, aber wir hatten eine Auslastung von 85 bis 90 Prozent", berichtet er zufrieden. Am 3. Mai hatte die Saison heuer begonnen, vier Tage die Woche fährt die Kutsche: Am Donnerstag und Samstag nach Aschach, am Freitag und Sonntag nach Bad Bocklet.
"Das ist ein kleines Therapiezentrum", beschreibt Scheller seine Eindrücke von der Fahrt. Als Alleinstellungsmerkmal für die Region sieht auch Regierungspräsident Paul Beinhofer die einzige regelmäßige Postkutschenlinie in ganz Deutschland. Er bezeichnet die Fahrt als "die schönste Art der Entschleunigung." Das lassen sich die Beteiligten auch einiges kosten: Die Stadt trägt 25 Prozent des jährlichen Defizits von rund 65 000 Euro, die Deutsche Post übernimmt den größten Anteil mit 30 Prozent, Bezirk und Landkreis steuern jeweils 15 Prozent, der Markt Bad Bocklet, der dortige Kurverein und die Staatsbad GmbH je fünf Prozent bei.
Nach der Abschlussfahrt präsentierten die "Freunde der Postkutsche" eine Broschüre, in der die 75-jährige Geschichte dargestellt wird. Werner Scheller, Geschäftsführer Wolfgang Wimmel und Eckart Spiller haben jede Menge Informationen und historische Bilder zusammengetragen. "Das ist mein Hobby", begründet Spiller sein Engagement.
Die Kutscherin Yvonne Körner ist vor allem froh, dass die Saison unfallfrei über die Bühne ging. Seit vier Jahren sitzt die 39-Jährige auf dem Kutschbock. Vorher hatte ihr Mann Hans die Zügel in der Hand. "Ich habe das 1988 von Berthold Dürrstein übernommen, der noch direkt bei der Post beschäftigt war", berichtet der 60-Jährige. Insgesamt zehn Pferde haben die Körners beim Kutschendienst im Einsatz: "Wir bilden alle selbst aus, es dauert locker drei Jahre, bis ein Pferd auch vor die Postkutsche gespannt wird."

Geschichte Im Jahr 1686 wurde königlichen Boten erstmals offiziell erlaubt, neben der Post auch Reisende auf ihren Fuhrwerken mitzunehmen. Im 18. Jahrhundert wurden die Postverkehrsnetze ausgebaut und eine Beförderungsgarantie eingeführt. Eine Fahrt von Frankfurt nach Berlin dauerte um 1800 bis zu 166 Stunden. Im 19. Jahrhundert lief die Bahn der Kutsche den Rang ab.

Linie Im Januar 1938 beantragte das Staatliche Badkommissariat Bad Kissingen die Einführung einer Postkutsche zwischen Bad Kissingen und Bad Bocklet mit blasenden Postillionen. Die Reichspostdirektion ließ damals insgesamt 24 Kutschen nachbauen, um sie in landschaftlich reizvollen Gegenden fahren zu lassen. Die erste Kutsche in Bad Kissingen fuhr am 7. Juni 1939.

Nachkriegszeit Zum Rakoczyfest im August 1950 wurde der Kutschenbetrieb wieder aufgenommen. Prominenter Gast war 1970 Astronaut Neil Armstrong. 1973 übernahm die Bundespost den Fahrbetrieb von den Gebrüdern Kohlhepp. Im Jahr 2005 wurde der Förderverein "Freunde der Postkutsche Bad Kissingen-Bad Bocklet" gegründet, dem die Kutsche heute gehört.