Bad Kissingen
Kirche

"Wir brauchen einen Katastrophenplan"

Die Aufarbeitung von speziellen Vorkommnissen braucht eine strukturierte Form, meint der Generalvikar der Diözese und will für Verbesserungen sorgen.
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Der Generalvikar der Diözese Würzburg, Thomas Keßler Foto: Archiv SZ
Der Generalvikar der Diözese Würzburg, Thomas Keßler Foto: Archiv SZ
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Seit gut einem Jahr (15. April) ist der ehemalige Bad Kissinger Stadtpfarrer Thomas Keßler Generalvikar der Diözese Würzburg. Sein erstes Jahr mit dieser Aufgabe hat ihn mit einigen Dingen konfrontiert, "auf die man getrost verzichten kann". Jüngstes Beispiel: Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Mitbruder (siehe Seite 1).
Die Aufarbeitung des Falles ist schwierig, insbesondere auch die Art und Weise, wie man mit den betroffenen Bürgern, den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern in den betroffenen Pfarreien umgeht. "Wir haben in der Diözese noch kein funktionierendes Krisenmanagement", hat Keßler am Montagabend festgestellt, als er die Mitarbeiter der Pfarreien und Vertreter der Vereine über den Sachstand der Ermittlungen in diesem Fall informierte.


Geballte Kompetenz dabei

Keßler hatte dazu neben Kaplan Paul Reder auch den Gemeindeberater der Diözese, Klaus Roos, als Moderator sowie Diözesanrichter Klaus Schmalzl und Dagmar Fasel, die Präventionsbeauftragte der Diözese, mitgebracht. Sie alle gaben Auskünfte, wie man in einem solchen Fall verfährt, was wie abläuft.
Bei der Aufarbeitung des Falles war Keßler aufgefallen, dass viel Zeit verloren geht, weil man noch keinen "Fahrplan" hat, wie man in einer solchen Krisensituation vorgehen muss. Es gebe viele Stellen, Gremien und Menschen, die man informieren muss. Schnell und gezielt. Im "Fall Bad Kissingen" sei das "nicht super toll gelaufen", musste er einräumen.


Ist das überhaupt nötig?

Auf den Einwand, ob es so viele Fälle des sexuellen Missbrauchs gäbe, dass man einen Katastrophenplan brauche, entgegnete Keßler, dass es nicht um die Zahl der Fälle, sondern um deren Schwere gehe. Auch wenn nicht jeden Tag ein Flugzeug mit 300 Menschen an Bord abstürzt, gäbe es trotzdem einen Plan dafür, wie man sich bei solch einem Unfall verhält. Nichts anderes sei ein "Katastrophenplan" für die Diözese. Der wäre auch nicht nur für ein einziges Szenario ausgelegt, sondern gleich für andere auch, ohne die namentlich zu fixieren.


Gefühlt zu spät informiert

Generell schlug er damit in die richtige Kerbe. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Pfarrei und die Vereinsvertreter der betroffenen Stadtteile fühlten sich in diesem Fall zu spät informiert. Gerade die Mitglieder des Pfarrgemeinderates und die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarreien sahen sich in den vergangenen Wochen unter Erklärungsnot. Sie konnten wegen ihres fehlenden Kenntnisstandes keine ausreichenden Antworten auf die verschiedenen Fragen ihrer Mitbürger geben. Das soll besser werden, versprach der Generalvikar.


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