Bad Kissingen
Stadtrat

Von Altersteilzeit bis Video-Schalter am Bad Kissinger Bahnhof

Bereits zur Fahrplan-Umstellung am 14. Dezember setzt die Deutsche Bahn ein Pilotprojekt am Bad Kissinger Bahnhof um. Der Schalter soll doppelt so lang geöffnet sein. Noch keine Einigung gibt es zur Altersteilzeit.
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So soll der neue Video-Schalter in Bad Kissingen aussehen: Per Knopfdruck baut sich eine Video-Verbindung auf, daneben zeigt ein Bildschirm die Verbindungsdaten. Foto: DB Vertrieb
So soll der neue Video-Schalter in Bad Kissingen aussehen: Per Knopfdruck baut sich eine Video-Verbindung auf, daneben zeigt ein Bildschirm die Verbindungsdaten. Foto: DB Vertrieb
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Die Deutsche Bahn will am Bad Kissinger neue Wege gehen: Zur Umstellung des Fahrplanes am 14. Dezember soll ein Video-Reisezentrum in Betrieb gehen. Die Pläne dazu stellte die "DB Vertrieb" in der jüngsten Stadtratssitzung vor. "Es ist kein erweiterter Fahrkartenautomat", stellte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) klar.
Laut Klaus Leven von DB Vertrieb, gebe es viele Vorteile, unter anderem würden die Öffnungszeiten fast verdoppelt - von jetzt 37 auf 70 Stunden - und es gebe keine krankheitsbedingten Schließungen mehr.
Zudem ist laut Leven eine Kooperation mit dem "DER Reisebüro" am Kurpark geplant, falls Fahrgäste auf dem persönlichen Kontakt bestehen. Oder für die wenigen Leistungen, die per Video nicht möglich seien: "Das einzige, was wir nicht können, ist Fundsachen annehmen", nannte Leven als Beispiel. Insgesamt würden an dem Video-Schalter aber 99,5 Prozent aller Leistungen angeboten.
Um den neuen Service zu nutzen genügt ein einziger Knopfdruck: Lediglich eine grüne Taste hat das Video-System, damit wird die Verbindung aufgebaut. Die Mitarbeiter sitzen in Schweinfurt und hätten alle auch Ortskenntnis, versicherte Leven. Es könnten also auch Fragen zum Beispiel nach dem Weg in die Stadt beantwortet werden, weil das Personal bereits jetzt Krankheitsvertretung in Bad Kissingen mache.
Grund für das neue Konzept ist laut Bahn auch die zunehmende Personalknappheit. Etliche Mitarbeiter verließen das Unternehmen Richtung Zoll, hieß es im Stadtrat. Deshalb falle es der Bahn zunehmend schwer, kleinere Bahnhöfe mit dem nötigen Service zu versorgen. Deshalb werden in Unterfranken zeitgleich auch Bad Neustadt und Kahl am Main umgerüstet. Zudem noch Neustadt bei Coburg (Oberfranken) und Neuhaus/Pegnitz (Mittelfranken). Erprobt wurde es bereits im Schwarzwald.
"Wir tun uns mit virtuellen Angeboten keinen Gefallen", äußerte Michael Heppes (CSU) Bedenken. Ich finde, dass das Hand und Fuß hat", widersprach ihm Hans-Joachim Hof-stetter (FDP). Dem schloss sich eine Mehrheit von 25:2 Stadträten an.

Die Stadt hat noch keine Lösung im Streit um die Altersteilzeitregelung von neun Mitarbeitern gefunden. "Das ist ein laufendes Verfahren, zu dem wir nichts sagen", lehnt Rathaus-Sprecher Thomas Hack jegliche Stellungnahmen ab. Nach Angaben von Betroffenen wurde noch nichts unterschrieben. Sechs der neun Mitarbeiter seien individuelle Entschädigungen angeboten worden. Allerdings habe es unter anderem keine Informationen darüber gegeben, wie die Summen berechnet wurden.
Der Streit beschäftigt die Stadt Bad Kissingen bereits seit dem Sommer: Die Altersteilzeitverträge enthalten standardmäßig die Regelung, dass die Altersteilzeit endet, wenn der Beschäftigte eine abschlagsfreie Rente erhält. Gedacht war das für Fälle von Erwerbsunfähigkeit, durch die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren betrifft es nun überraschend auch andere Bedienstete. Die Stadt Bad Kissingen hat diese Option allerdings als einziger öffentlicher Arbeitgeber weit und breit gezogen.

"Miese Masche der Stadt"

Der Sulzthaler Emil Trautenbach ist einer der Betroffenen, die gegen die Entscheidung der Stadt klagten. Ihm habe die Stadt vor zwei Wochen eine Ausgleichszahlung angeboten. Dieses Angebot habe er mit seinem Rechtsanwalt geprüft. Es gehe nicht nur um das, was er in der Zeit von 63 bis zum ursprünglich geplanten Renteneintritt weniger bekommt. Auswirkungen habe auch, dass zwei Jahre weniger in die Rentenkasse einbezahlt werde. Dazu komme, dass die Stadt den Ausgleichsbetrag auf einmal bezahlt und darauf mehr Steuern fällig werden. Der Rechtsanwalt habe die Stadt deshalb aufgefordert, etwas draufzulegen. Wenn dabei "etwas Vernünftiges herauskommt", werde er zustimmen.
Die anderen Betroffenen würden es vermutlich ebenso machen, berichtet Emil Trautenbach. Wer wolle schließlich schon "mit 63 das Prozessieren anfangen". Verbittert hat Trautenbach der Vorgang trotzdem. Vielleicht habe das Gesetz zur Rente mit 63 einen Webfehler, sagt er. "Trotzdem war das eine ganz miese Masche der Stadt, uns so auszubooten."

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