Bad Kissingen
Pflege

Streik in Bad Kissinger und Hammelburger Kliniken abgewendet

Erst am Vorabend des geplanten Arbeitskampfes hat Helios ein Angebot für die Beschäftigten der Krankenhäuser in Bad Kissingen und Hammelburg vorgelegt.
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Die Demos haben sich gelohnt: Die Mitarbeiter bekommen 7 Prozent mehr Lohn.  Foto: Markus Klein
Die Demos haben sich gelohnt: Die Mitarbeiter bekommen 7 Prozent mehr Lohn. Foto: Markus Klein
Die 550 Beschäftigten, die Klinikleitung und vor allem mehrere hundert Patienten in den Krankenhäusern Bad Kissingen und Hammelburg konnten gestern Morgen aufatmen: Eigentlich war ein dreitägiger Streik geplant, am Montagabend kam jedoch die Mitteilung, dass Helios ein besseres Angebot vorgelegt und die Tarifkommission es akzeptiert hat. Wesentliches Ergebnis: Die Beschäftigten des nichtärztlichen Dienstes erhalten insgesamt 7 Prozent mehr: 2,5 Prozent rückwirkend zum 1. März sowie jeweils 2,25 Prozent zum 1. Februar und 1. August 2017.


Die Schere schließt sich etwas

"Kurz vor knapp hat sich der Arbeitgeber bewegt", sagt Marietta Eder von Verdi Schweinfurt. Die Gewerkschaftsmitglieder müssten dem nun noch zustimmen. Wird es angenommen, erhalten die Auszubildenden zusätzlich 60 Euro mehr im Monat und das Weihnachtsgeld wird ab 2017 von 70 auf 80 Prozent erhöht. "Damit haben wir einen Schritt zur Angleichung an den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst erreicht", freut sich Gewerkschafterin Eder.
"Wir sind im Mittel rund zehn Prozent hinter dem öffentlichen Dienst, aber die Schere geht jetzt etwas zu", ist auch Eli-Betriebsratsvorsitzender Andreas Hämel zufrieden. Zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst gibt es 4,75 Prozent in zwei Schritten bis Februar 2018. Das Lohn-Plus sei aber nur ein Ergebnis: "Die Verhandlungen gehen weiter, aber wir gehen da absolut gestärkt rein, weil wir gezeigt haben, dass wir es können", erklärt Hämel. Damit verweist er auf die große Kampfbereitschaft der gesamten Belegschaft: Bei den Warnstreiks am 29. und 30. Juni sei er "überrascht und überwältigt" gewesen, wie viele Kollegen sich an der Demonstration beteiligt hätten, denn: "Wir können ja nicht unsere Patienten im Stich lassen." Das sei für ein kleines Haus eine Riesen-Leistung gewesen, die in der gesamten Helios-Gruppe für großes Aufsehen gesorgt habe.
Die Lücke zum Tarifvertrag im öffentlichen Dienst (TVöD) sei wegen des Eingruppierungssystems in der Helios St. Elisabeth Krankenhaus GmbH unterschiedlich hoch. Jeweils paritätisch besetzte Arbeitsgruppen befassen sich nun mit einem neuen Eingruppierungsschema und Änderungen im Manteltarifvertrag für die Krankenhäuser in Hammelburg und Bad Kissingen. "In diesem Jahr wollen wir fertig werden", nennt Hämel als Zeitvorgabe.


"Holen aus dem Frei" regeln

"Das Thema verbindliche Arbeitszeit wird dabei für uns eine zentrale Rolle spielen", betont Marietta Eder. Ziel sei eine verbindlichen Regelung zum "Holen aus dem Frei". Eder: "Damit soll endlich das Engagement der Beschäftigten honoriert und weiterer Personalabbau verhindert werden." Ziele seien eine verbindliche Freizeit-Regelung und allgemein bessere Arbeitsbedingungen. Aber: "Das gelingt nur mit mehr Personal."
"Unser Druck während der Verhandlungen hat Wirkung gezeigt", sagt auch Verhandlungsführer Robert Hinke. Eine so genannte Einigungsstelle wird nun das "Holen aus dem Frei" regeln: Jeweils drei Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie ein neutraler Vorsitzender suchen eine Lösung. "Diesen Prozess werden wir kritisch begleiten", betont Hinke. Die Tarifverhandlungen hätten zu einem gestärkten Selbstbewusstsein bei den Beschäftigten beigetragen: "Wir werden uns nicht bis zu einem Sankt Nimmerleinstag vertrösten lassen."


Klinikleitung zufrieden

Zufrieden äußerte sich auch die Klinikleitung. "Damit ist ein Streik in den beiden Kliniken abgewendet", freut sich Klinikgeschäftsführer Sebastian Güldner, und: "Wir haben ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis erreicht. Zugleich sind wir froh, dass Patienten, Mitarbeitern und den beiden Kliniken insgesamt ein weiterer Streik erspart geblieben ist." Die beiden Krankenhäuser könnten sich jetzt wieder in vollem Umfang auf die qualitativ hochwertige Medizin und Patientenversorgung konzentrieren.
Thema waren die Tarif-Auseinandersetzungen auch in der Kreistagssitzung: "Da ist viel Vertrauen verloren gegangen, obwohl dort sehr gute Arbeit gemacht wird", sagte SPD-Kreisrat Thomas Menz. "Ich sehe die Situation auch mit Sorge", erklärte Landrat Thomas Bold (CSU). Er habe bereits mehrere Gespräche mit der Klinikleitung geführt - "im Interesse einer guten wohnortnahen Versorgung".


Landkreis hält Mini-Anteil

Der Landkreis halte zwar noch 1,5 Prozent Anteil am ehemaligen Kreis-Krankenhaus und habe immerhin dadurch ein Informationsrecht, aber: "Unsere Einfluss-Möglichkeiten sind sehr gering." Kreisrat Menz wollte am Montag sogar noch ein Scheitern der Tarif-Verhandlungen mit Helios und eine Rückkehr der Kliniken zum Kreis nicht ausschließen: "Im schlimmsten Fall müsste man sich mit dem Gedanken eines Kreis-Krankenhauses anfreunden."


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