Bad Kissingen
Kriminell

Poolschlitzer in Bad Kissingen unterwegs

Ein oder mehrere Unbekannte schlichen in Gärten und zerschnitten Schwimmbecken. Seit 2009 registrierte allein die Bad Kissingener Polizei 37 Fälle.
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Die Bad Kissingerin Karin Matthes ist das jüngste Opfer des ominösen Poolschlitzers oder eines Nachahmers: In der Nacht auf Sonntag wurden ein Schwimmbecken und zwei Luftmatratzen beschädigt. Foto: Ralf Ruppert
Die Bad Kissingerin Karin Matthes ist das jüngste Opfer des ominösen Poolschlitzers oder eines Nachahmers: In der Nacht auf Sonntag wurden ein Schwimmbecken und zwei Luftmatratzen beschädigt. Foto: Ralf Ruppert
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Der Garten von Karin Matthes am Altenberg ist eine kleine Oase der Ruhe: Ringsrum grün, nette Nachbarn, von der Elisabethstraße führt nur eine schmale Treppe herunter. Hier lässt es sich gut abschalten. Doch mit der Entspannung ist es seit der Nacht auf Sonntag für Karin Matthes vorbei: Ein Unbekannter hat den 13 000-Liter-Pool und zwei Luftmatratzen aufgeschlitzt. "Der finanzielle Schaden ist das Geringste, aber das Gefühl, dass jemand in meinem Garten mit einem Messer herumrennt, ist beängstigend", fasst die Bad Kissingerin ihre Wut zusammen.
"Hier kann man von außen gar nicht reinschauen, niemand weiß, dass hier ein Pool steht, selbst auf Google Earth ist er nicht zu sehen", erzählt Karin Matthes. Vor rund fünf Wochen baute sie das Becken mit 4,60 Meter Durchmesser auf und füllte 13 000 Liter ein. Nur drei Mal hat sie bisher darin gebadet. Rund 9000 Liter sind nach der Messerattacke ausgelaufen: Das benachbarte Beet ist ausgeschwemmt, beim Nachbarn war die Wiese nur noch Matsch. Den Schaden an den Beeten behebt Karin Matthes selbst, der Pool hat 190 Euro gekostet, das verlorene Wasser rund 60 Euro.


Von Wasserrauschen geweckt

Mehr Sorge bereitet ihr die Vorstellung, einem Unbekannten mit Messer in der Hand zu begegnen: "Das hätte schlimm ausgehen können", sagt Karin Matthes. Während des Deutschland-Spiels habe sie noch in den Garten geschaut, bemerkt hat sie den Schaden aber erst am Sonntag gegen 11 Uhr. Seitdem fragt sie Nachbarn und hofft, dass jemand etwas gesehen hat, zum Beispiel jemanden mit nassen Füßen oder Hosenbeinen. Schließlich hat der Täter nicht nur mehrere kleine Löcher, sondern auch einen rund einen halben Meter langen Schnitt hinterlassen: "Das muss ja mit Druck rausgelaufen sein."
Ein Poolschlitzer hat auch in Schondra zugeschlagen: In der Nacht auf Donnerstag wurde ein 40-Jähriger dort in der Ortsmitte von Wasserrauschen geweckt. Die Ursache war schnell klar: Ein nur eine Woche zuvor aufgebauter Pool wurde auf 20 Zentimetern Länge aufgeschlitzt, 6000 Liter Wasser flossen davon.
Im Sommer 2015 hatte das Thema "Poolschlitzer" bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Boulevard-Zeitungen und Fernsehsender berichteten vor allem über Münnerstadt. Dabei liegt der Höhepunkt der Sachbeschädigungen an aufblasbaren Becken viel länger zurück: Los ging es 2009 mit fünf Fällen im Lauertal, berichtet Stefan Haschke, Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen.


14 Fälle in einem Sommer

Im Sommer 2010 schlug der Poolschlitzer dann zwischen Anfang Juni und Mitte August 14 Mal zu, 2011 noch acht Mal, es folgten zwei und fünf Fälle in den Jahren 2012 und 2013, im Jahr 2014 schien der Spuk beendet: kein einziger Fall mehr in der Statistik der Polizeiinspektion (PI) Bad Kissingen. 2015 kamen zwei neue, heuer ist Eva Matthes das erste Opfer.
"Wir haben insgesamt 37 Fälle, aber Verbindungen können wir keine feststellen", fasst Haschke die Ermittlungsergebnisse zusammen. Die Schnitte würden einmal horizontal, einmal quer erfolgen, manche lang, andere kurz. Das größte Problem sei, dass es - anders etwa als bei Wohnungseinbrüchen oder Brandstiftungen - wenige Erfahrungswerte gebe: "Das ist eine ziemlich einzigartige Serie."


Keine Gefährdung für Menschen

Keinen Zusammenhang zu den Fällen im restlichen Landkreis vermutet die Bad Brückenauer Polizei beim Schondraer Fall: "Das kann auch ein Nachbarschaftsstreit sein", nennt der stellvertretende PI-Chef Daniel Seeburg. Trotzdem habe sich bereits ein Fernsehteam dafür interessiert. Rund um Hammelburger gab es bislang erst einen ähnlichen Fall: Im Herbst 2014 schoss ein Unbekannter in Euerdorf mit einem Luftgewehr Löcher in einen Pool.
Stefan Haschke befürchtet durch den neuen Fall wieder eine große mediale Aufmerksamkeit, die das Sicherheitsgefühl vor allem von Eltern beeinträchtigt. Klar sei aber: Bisher habe es keinerlei Gefährdungen für Menschen gegeben. Der oder die Unbekannten hätten immer nachts und unbeobachtet zugeschlagen. Karin Matthes hat sich bereits überlegt, ihren Garten mit Bewegungsmeldern, Lampen und vielleicht sogar Kameras abzusichern. Dazu rät auch Stefan Haschke: Ein gut ausgeleuchteter Garten und aufmerksame Nachbarn seien der beste Schutz - oder ein Hund, solange er den Kunststoff-Pools selbst fern bleibt. Sinnvoll sei auch, dass Pools von der Straße her nicht einsehbar sind, am Altenberg hat's allerdings nichts genutzt. Zäune hielten Poolschlitzer dagegen bislang nicht auf.
Hinweise auf den oder die Täter nehmen die Polizeiinspektionen Bad Kissingen, Tel.: 0971/ 71490, und Bad Brückenau, Tel.: 09741/ 6060, entgegen.


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