Bad Brückenau
Gericht

Pärchen betrügt Vermieter

Nach der Zwangsräumung bleibt ein Schuldenberg. Die Angeklagten hatten nicht die ihnen zustehende Mietkostenerstattung bei der Arge beantragt, dem Vermieter aber dies gegenteilig mitgeteilt.
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Das Amtsgericht Lichtenfels musste sich mit einem kuriosen Fall befassen. Foto: FT-Archiv
Das Amtsgericht Lichtenfels musste sich mit einem kuriosen Fall befassen. Foto: FT-Archiv
Auf Unkosten von über 3500 Euro bleibt vorerst ein Wohnungsvermieter sitzen. Er hatte einem jungen Pärchen im Oktober 2013 eine Bleibe mit 65 Quadratmetern vermietet. Vier Monate sah er keine Miete, bis er eine Räumungsklage durchsetzte. Nach dem Berliner Modell war das Duo schnell wieder draußen und wohnt jetzt beengt in der Wohnung der Mutter.

Für das fünfmonatige Zwischenspiel legt der Vermieter drauf: Neben entgangener Miete fallen Renovierung und Müllgebühren an. Das Pärchen ließ beim Auszug ein Dachfenster offen und entfernte Müll und einen Hundehaufen nicht.

Solche Dreistigkeit beschäftigte jetzt das Amtsgericht Bad Kissingen. Der 19-Jährige und die 17-Jährige mussten sich wegen gemeinschaftlichen Betruges verantworten. Eine Verhandlung gegen die Mutter der inzwischen schwangeren Tochter wird folgen. Die Erziehungsberechtigte hatte bei den Mietverhandlungen das Wort geführt und gab Tochter mit Freund als Geschwister aus. "Das war dumm von uns", räumte die burschikos auftretende Tochter vor der Richterin ein. Warum das Paar die Miete nicht bezahlte, wurde schnell klar. Auf die Frage der Richterin, was sie arbeiten, kam von beiden als Antwort ein lockeres "Nichts". Das Pärchen hat weder Schulabschluss noch Ausbildung.

Pärchen lebt von Hartz IV

"Alle drei haben eigentlich einen ganz vernünftigen Eindruck gemacht", erinnerte sich der 65-jährige Vermieter. Um den Mietvertrag perfekt zu machen, hatte noch eine Bewilligung der Arge Bad Kissingen gefehlt. Denn die Behörde sollte für die Wohnung aufkommen. Das Pärchen lebt von 435 Euro Hartz IV.
Der behördliche Segen für die Anmietung gehe in Kürze ein, hatte die Tochter seinerzeit versichert. Die Vertröstungen dauerten an, als das Paar längst eingezogen war.

Nach zwei Monaten Zahlungsverzug wendete sich der Vermieter an die Arge. Dort erfuhr er, dass seine Mieter nie Erstattung beantragt hatten. Dies bestätigte eine Arge-Mitarbeiterin vor Gericht. Dabei hätte dem Pärchen eine Wohnung für bis zu 319 Euro plus 75 Euro Heizkostenpauschale zugestanden. Aber nur, wenn es vor dem Abschluss des Mietvertrags einen Antrag eingereicht hätte.

Ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft begründete die säumige Ex-Mieterin mit dem plötzlichen Tod eines Verwandten. Binnen einem Monat habe man dessen Haus räumen müssen. Die Richterin beeindruckte das wenig. Wegen abfälliger Kommentare und provozierendem Kopfschütteln von Mutter und Tochter sprach sie mehrfach Ermahnungen aus.

"Sie haben sich etwas geleistet, von dem Sie wussten, dass sie es nicht können. Das ist Betrug", belehrte die Richterin. Die Staatsanwältin forderte für die Angeklagte eine Geldauflage von 300 Euro und für ihren Partner 40 Tagessätze zu fünf Euro und Übernahme der Verfahrenskosten.
Überraschend nutzte die Angeklagte die Gelegenheit, sich beim Opfer zu entschuldigen. Sie habe einen Dauerauftrag über 25 Euro erteilt, um die Schulden beim Vermieter abzustottern. "Mehr können wir uns nicht leisten", bedauerte sie.

Dann das Urteil der Richterin: Die werdende Mutter muss nach der Geburt ihres Kindes im Herbst 40 Arbeitsstunden leisten. Ihr Freund ist mit 35 Tagessätzen zu fünf Euro dabei, gestreckt auf Monatsraten zu 20 Euro. Der Rückzahlungsmodus für die aufgelaufenen Schulden wird gesondert geklärt.
Äußerlich gelassen kommentierte der Vermieter die Vorkommnisse: "Sie hätten sich das sparen können, wenn Sie den Antrag für die Erstattung der Miete eingereicht hätten. Das stand ihnen doch zu", sagte er in Richtung der Verurteilten.

Er zieht eigene Konsequenzen: "Vermietung nur noch gegen die erste Miete und Kaution in bar."
                                  &nb sp;                                                                                              Wolfgang Dünnebier
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