Bad Kissingen
Entwicklung

Mehr Freiheit dank EU-Förderprogramm "Leader"

Mit dem Leader-Förderprogramm werden im Landkreis innovative Ideen verwirklicht. Für Brennmeister Andreas Lutz hat der positive Bescheid etwas Befreiendes.
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Ende Mai kam der Brief mit dem Bescheid: Die Förderung wird bewilligt. Für Andreas Lutz der letzte Schub - jetzt startet er in Vollzeit als Brennmeister durch. Die neue Brennerei der Familie soll noch in diesem Jahr in Windheim fertig werden.  Fotos: Carmen Schmitt
Ende Mai kam der Brief mit dem Bescheid: Die Förderung wird bewilligt. Für Andreas Lutz der letzte Schub - jetzt startet er in Vollzeit als Brennmeister durch. Die neue Brennerei der Familie soll noch in diesem Jahr in Windheim fertig werden. Fotos: Carmen Schmitt
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Die braunen Arme hat er sicher nicht vom Sonnenbaden. Keine Zeit. Er hat zwar gerade Urlaub, aber von Ferien keine Spur. Dieses Jahr soll noch alles fertig werden. In der Mittagshitze wird gerade die Bodenplatten betoniert. Auf 500 Quadratmetern soll eine neue Brennerei entstehen. Nicht die erste der Familie Lutz in Windheim, aber eine besondere. So besonders, dass der Neubau vom EU-Förderprogramm "Leader" unterstützt wird.

Andreas Lutz war zwölf Jahre alt, als er zum ersten Mal Schnaps gebrannt hat. Er ist in den Brennerei-Betrieb hineingewachsen. Heute ist er Edelbrenner-Sommelier und tüftelt auch schon mal in den frühen Morgenstunden an neuen Kreationen. Im vergangenen Jahr hat er seine Ausbildung zum Landwirtschaftlichen Brennmeister abgeschlossen. Dass er einmal sein Geld mit der Brenn-Kunst verdienen wird, hatte er nie gedacht. Jetzt will der gelernte Industriemechaniker genau das.


Brennmeister in Vollzeit

Es ist das Gesamtpaket, erzählt Andreas Lutz. Der Brennerweg, die Landwirtschaft, die Nachhaltigkeit, die Leidenschaft, das Arbeiten in und mit der Natur: Der Ausstieg aus dem Drei-Schicht-Betrieb als Industriemechaniker "war eine leichte Entscheidung", sagt er. Und jetzt? Brennmeister in Vollzeit. In ein paar Wochen ist es offiziell. Dass es die Anlage, die hinter dem Wohnhaus der Familie Lutz in den nächsten Monaten hochgezogen wird, ins Leader-Programm geschafft hat, hat dem 27-Jährigen den letzten Schub für seinen Entschluss gegeben. Ohne Aussicht auf die Förderung wäre aus dem Projekt wohl nichts geworden.

Über eine halbe Million - reine Bausumme. Mit 100 000 Euro wird die Investition in die sogenannte Verschlussbrennerei gefördert. Schon jetzt produziert die Brennerei 70 verschiedene Produkte für die Direktvermarktung. Wieso überhaupt eine neue?


Künftig: flexibler produzieren

"Wir können damit flexibler auf die Nachfrage der Kundschaft reagieren", sagt Andreas Lutz. Bisher konnte er Spitzen in der Ernte nicht ausnutzen, weil sein Kontingent das nicht hergibt. Mit der neuen Anlage soll sich das ändern. Aber: Im Gegensatz zur "normalen" Abfindungsbrennerei wird bei einer Verschlussbrennerei jeder Tropfen Alkohol, der aus der Anlage fließt, versteuert. Außerdem ist die Anlage dreimal so teuer wie eine herkömmliche, schätzt er. Doch eine neue Regelung ab 2018 wird den Druck auf die "kleinen Abfindungsbrennereien" erhöhen, prophezeit er. Ein weiterer Grund für die Investition, die er als Chance sieht.

Eine Chance für seinen Betrieb, für sich und für seine Kollegen im Umkreis. Die müssten nun nicht alle eine halbe Million in die Hand nehmen, meint er. Und: Die Bodenplatte hinter dem Haus ist der Grund für fünf Räume. Endlich Platz für neue Kreationen! Andreas Lutz will nocht nichts verraten. Ob er ruhig schlafen kann, mit so hohen Investitionskosten im Nacken? Er lächelt: "Wer Qualität produziert, braucht sich keine Sorgen zu machen."


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