Ramsthal
Zwischenbilanz

Ernte auf Hochtouren

Zwischenbilanz Im Süden des Landkreises sind Wintergerste und Raps schon zum größten Teil gedroschen. Die Trockenheit im Juni hat auf den meisten Standorten kaum geschadet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fotos: Ralf Ruppert
Fotos: Ralf Ruppert
+6 Bilder
Während andere Abkühlung im Schwimmbad suchen oder die Sonne ganz meiden, ist für die Landwirte derzeit Hochsaison. Dabei freuen sie sich auf eine gute Ernte - trotz der langen Trockenperiode im Juni. "Bei uns haben die schlechten Böden auch gelitten, aber auf den schweren Böden sind die Pflanzen gut damit zurechtgekommen", sagt zum Beispiel Landwirt Günter Neder aus Ramsthal. Wichtig seien die Niederschläge vor wenigen Wochen gewesen: "Für Zuckerrüben, Mais oder Sonnenblumen kam der Regen gerade noch rechtzeitig", sagt der 53-jährige Landwirtschaftsmeister.

Fünfeinhalb Tonnen im Tank

"Die Wintergerste ist bereits weg, auf den besseren Standorten steht noch etwas Raps", berichtet Neder über den Stand der Getreide-Ernte rund um Ramsthal. Jetzt sind Weizen und Roggen an der Reihe. Günter Neder bewirtschaftet seine rund 100 Hektar Feld biologisch. Das bedeute mehr Aufwand, aber weniger Ertrag. Konkret: Während auf dem konventionell bewirtschafteten Hektar Ackerland bis zu sieben Tonnen Wintergerste geerntet werden können, sind es beim Biobauern um die vier Tonnen.
Seinen Mähdrescher teilt sich Günter Neder mit einem benachbarten Bauern. Sechs Meter breit kann er dreschen. Fünfeinhalb Tonnen passen in den Tank. Bis zu 16 Hektar kann Neder an einem guten Tag abernten. Der Mähdrescher selbst könnte zwar mehr, aber die trotz Flurbereinigung und Landtausch relativ kleinen Felder, die viele Fahrerei und zusätzliche Arbeitsschritte verzögern die Ernte. Denn: Günter Neder hat sich vor Jahren auf Saatgut-Vermehrung spezialisiert, deshalb müssen Schneidwerk, Siebe und Tank gründlich gereinigt werden, wenn nach Wintergerste Weizen oder nach Roggen Gerste gedroschen wird.

Immer noch viel Handarbeit

Der Mehraufwand für die Saatgut-Vermehrung fängt aber bereits vor dem Dreschen an: Tagelang laufen Günter und seine Ehefrau Christine Neder mit Helfern die Felder ab und entfernen alle fremden Sorten, die ähnlich große Samen haben: Der Flughafer etwa lässt sich später schlecht maschinell heraussieben, dagegen sind die meisten anderen Pflanzen wie Kamille oder Wildkräuter im Feld kein Problem.
Weshalb ist Saatgut-Vermehrung notwendig? Bei jahrelangem Eigennachbau wird Getreide krankheitsanfälliger und ertragsschwächer. Günter Neder kauft deshalb sein Basis-Saatgut von den Züchtern, vermehrt und reinigt es und füllt das zertifizierte Saatgut für andere Landwirte in Säcke. Die Körner werden auch auf Keimfähigkeit und Krankheiten untersucht. Neder erzeugt das Saatgut in Öko-Qualität nach den strengen Vorgaben der EU und des Anbauverbandes "Naturland".
Noch nicht ganz so weit ist die Ernte im Bereich Wartmannsroth, wo Kreis-Bauernobmann Karlheinz Vogler seine Felder hat. "Bei uns geht's jetzt erst richtig los, ich dresche gerade die Wintergerste", berichtet er. "Wir erwarten eine mittlere Ernte, nicht schlecht, aber auch nicht sehr gut", sagt der Landwirt, bei der Wintergerste etwa gehe er von einem Ertrag von sechs Tonnen pro Hektar aus.
Der Schwerpunkt Voglers ist die Weizen-Ernte als Hauptfutter für die Hühner: 90 Prozent Weizen und zehn Prozent Wintergerste bekommen die Tiere. Seit sieben Jahren ist Vogler Obmann und kennt die Struktur im Landkreis gut: "Je weiter man nach Norden kommt, desto mehr Grünland wird bewirtschaftet", verweist er darauf, dass Getreidefelder in der Rhön deutlich seltener sind.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren