Bad Kissingen
Neuer Reitersteg

Eine durchtrennte Wasserleitung mit politischer Dimension

Beim Abbau des Reiterstegs unterbrochene Leitung von Kaskadentalwasser für Kurgärtnerei soll geschlossen werden
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Unterbrochen: Wolfgang Lutz und Florian Scheurer mit einem Endstück der Wasserleitung dort, wo der Reitersteg stand. Foto: Siegfried Farkas
Unterbrochen: Wolfgang Lutz und Florian Scheurer mit einem Endstück der Wasserleitung dort, wo der Reitersteg stand. Foto: Siegfried Farkas
Als die Stadt Bad Kissingen Anfang Dezember den Neuen Reitersteg abbauen ließ, ging nicht nur ein Überweg für Reiter, Fußgänger und Radfahrer verloren. Unter dem Steg verlief auch eine Wasserleitung, die seither unterbrochen ist. Diese Wasserleitung ist für die Kurgärtnerei und damit für den Blumenschmuck Bad Kissingens von Bedeutung. Sie brachte Wasser aus dem Kaskadental zur Kurgärtnerei. Dort wird es gesammelt und überall im Stadtgebiet zum Gießen verwendet.
Aus Sicht der CSU-Stadträte Wolfgang Lutz und Karin Renner war der Abbau des Stegs unterhalb der Oberen Saline ein Fehler. Die Saalequerung dort sei wichtig und nicht nur ein Service für die Reiter. Auch die Kissinger Runde sei darüber verlaufen. Laut Lutz sei ein Argument für den Abriss gewesen, dass der Stadt so keine Folgekosten mehr entstünden. Weil die Kurgärtnerei die Wasserleitung braucht, gebe es jetzt aber doch welche. So weit er gehört habe, solle eine Art Düker, eine Unterquerung der Saale, entstehen. Die Kosten seien zwar schwer einzuschätzen. Lutz befürchtet aber eine Größenordnung von 10 000 bis 15 000 Euro.


Zweckmäßig, nicht de luxe

Überhaupt müssten genaue Zahlen auf den Tisch, welche Kosten bereits für den Abbau des Stegs aufgelaufen sind, fordert Lutz. Dazu werde die CSU einen Antrag stellen. Wichtig sei auch eine realistische Berechnung der Kosten für einen Ersatz. Denn am Ziel, für den Neuen Reitersteg Ersatz zu schaffen, hält Lutz fest.
Ein Steg sei unbedingt nötig, erklärte er bei einem Ortstermin mit Karin Renner und Florian Scheurer vom Reiterverein. Wobei der ausdrücklich darauf Wert legt, dass der Steg zweckmäßig sein müsse. "Ein sicherer Übergang für Reiter, Radfahrer und Fußgänger", kein Hochsicherheitsbau de luxe.
Der Reiterverein sei im Rahmen seiner "begrenzten" Möglichkeiten bereit, sich zu beteiligen. Ende der 1980er Jahre habe der Verein seiner Kenntnis nach aber schon einmal umgerechnet 25 000 Euro beigesteuert - zum Bau des Neuen Reiterstegs.
"Natürlich war der Stadt bekannt, dass die Wasserleitung betroffen ist", betont Thomas Hack, Sprecher der Stadt Bad Kissingen. "Aber das Entscheidende ist, dass die Gefahr bestand, dass der Steg zusammenbricht." Und: "Davon wäre auch die Wasserleitung betroffen gewesen."
Über den Aufwand für die Wiederherstellung der Wasserleitung könne man im Moment noch gar nichts sagen, erklärt Hacks Kollege Mario Selzer. Der Leitungsschluss solle "zeitnah" erfolgen. Details stehen noch nicht fest, deshalb seien auch die Kosten noch nicht bekannt. "Exorbitant hoch" werde der Aufwand aber nicht.
Im Moment, sagt Sandra Schmelz (Staatsbad GmbH), herrscht beim Gießwasser in der Kurgärtnerei noch kein Engpass. Im Sammelbecken sei noch genug Wasser. Daher müsse die Kurgärtnerei noch nicht auf kostenpflichtiges Leitungswasser zurückgreifen. Die Staatsbad GmbH sei aber mit der Stadt an einer Lösung dran, wie man das Kaskadentalwasser wieder zur Verfügung stellen kann. Sobald es auf den Sommer zugeht, steige der Wasserbedarf wieder.
Unabhängig von der Diskussion um die Wasserleitung, aber passend zum Thema Reitersteg, meldete sich die Stadt am Wochenende mit einer Nachricht in Sachen Verhältnis zum Reiterverein zu Wort. Es habe erste, positiv verlaufene Gespräche gegeben, heißt es. Das Verhältnis von Stadt und Verein sei "durch den Abbruch des Neuen Reiterstegs belastet worden", so das Rathaus. Der Abbruch sei aber "unaufschiebbar" gewesen, weil der Steg "nicht mehr verkehrssicher war". Den Neubau habe man "aus finanziellen Gründen" aus dem Haushalt streichen müssen. Eine neue Stahlbrücke koste 170 000 Euro. Nun werde das Verhältnis "auf eine neue vertrauensvolle Basis gestellt".


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