Bad Kissingen
Sommerinterview

Ein König im Interview

Holger Buczynski wurde über Nach vom Soldat zum König. Der 42-Jährige hat am Wochenende seine Premiere als "Historische Persönlichkeit".
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Drei Wochen lang hat Holger Buczynski seinen Bart gezüchtet, gehegt und schließlich in Form gebracht - alles für seinen großen und ersten Auftritt als "König Ludwig I." beim Rakoczy-Fest. Reporterin Carmen Schmitt hat ihn zu seiner neuen Rolle ausgefragt.  Foto: Carmen Schmitt
Drei Wochen lang hat Holger Buczynski seinen Bart gezüchtet, gehegt und schließlich in Form gebracht - alles für seinen großen und ersten Auftritt als "König Ludwig I." beim Rakoczy-Fest. Reporterin Carmen Schmitt hat ihn zu seiner neuen Rolle ausgefragt. Foto: Carmen Schmitt
Auf seinen Autogrammkarten unterschreibt er nicht mit seinem echten Namen. An diesem besonderen Wochenende lautet seine Signatur "König Ludwig I". Holger Buczynski ist eine der "Historischen Persönlichkeiten" beim 66. Rakoczy-Fest. In diesem Jahr hat der 42- Jährige aus Winkels sein Debüt in der königlichen Rolle. Aber: Wie wird man eigentlich zum König? Holger Buczynski im Interview:

Wie werden Sie sich am Wochenende verwanderln - sowohl äußerlich als auch innerlich?
Holger Buczynski: Die äußerliche Veränderung ist hauptsächlich gekennzeichnet durch die Perücke und die neue Uniform, die ich bekommen habe. Die wurde teilweise neu angefertigt, weil ich doch etwas größer bin als mein Vorgänger Edgar Kast. Den Bart - wie man sieht - lasse ich wachsen. Für die Form habe ich mich an Bildern orientiert. Ich habe mich etwas abgesetzt von dem wie Edgar Kast "Ludwig I." präsentiert hat. Auch wenn er das so lange gemacht hat, mit mir sollen kleine Veränderungen kommen. Die Frisur wird zum Beispiel ein bisschen anders aussehen als sonst. Die innerliche Verwandlung kommt durch die Informationen, die ich gesammelt habe.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle als Ludwig I. vorbereitet?
In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich intensiver mit der Person beschäftigt. Ich habe mir Tipps bei meinem Vorgänger Edgar Kast geholt. Ansonsten heißt es: Bücher lesen und im Internet recherchieren, damit man das Wissen über den Menschen vertieft.

Bisher haben Sie als einer der Soldaten aus Winkels am Festzug teilgenommen. Vor ein paar Wochen wurden Sie quasi über Nacht zum König ernannt. Ein gewaltiger Aufstieg - oder?
(lacht) Das kann man eigentlich gar nicht vergleichen. Die Winkelser Soldaten, das läuft über die Freiwillige Feuerwehr. Das macht man mit ganz viel Spaß an diesem einen Tag. Der Einsatz als "Historische Persönlichkeit" ist ein Ehrenamt, für das man das ganze Jahr über bereitsteht.

Was sagen Familienmitglieder und Freunde dazu, plötzlich einen König in ihren Reihen zu haben?
Da gibt es ganz viel Zuspruch. In den letzten Wochen haben mich sehr viele beglückwünscht. Viele haben sich für mich und mit mir gefreut.

Sie treten ein großes Erbe an: Edgar Kast, ihr Vorgänger, hat die Rolle des "König Ludwig I." 33 Jahre lang verkörpert. Können Sie sich vorstellen, auch so lange in die Rolle dieser "Historischen Persönlichkeit" zu schlüpfen?
Wenn es weiter solchen Spaß macht wie bisher, sehe ich keinen Hinderungsgrund. Aber ich würde gerne jetzt erst einmal das erste Rakoczy-Fest rumbringen wollen. Ich würde mir wünschen, dass die Bedeutung der "Historischen Persönlichkeiten" weiterhin erhalten bleibt. Man merkt an der nachrückenden Generation, dass die Wertschätzung an solchen Ämtern nicht mehr so ist wie zu meiner Kindheit. Damals war es noch eine wahnsinnige Ehre, wenn man ausgesucht wurde als Schilderträger oder Fahnenträger. Heutzutage müssen die Kinder Freikarten und fünf Euro bekommen und man kann immer noch nicht genug finden. Ich bin ein traditionsbewusster Mensch. Es wäre schade, wenn solche Traditionen verloren gehen. Ich hoffe, dass die Kissinger den Einsatz der Leute, die hinter dem Fest stecken, weiterhin hoch schätzen.

Was bedeutet Ihnen das Rakoczy-Fest?
Als Kissinger muss man dazu nicht viel sagen. Die drei Tage sind das Highlight des Sommers. Wenn man durch die Stadt geht und sieht wie die Buden aufgebaut werden, daran erfreut man sich einfach. Am Montag, wenn alles vorbei ist, fragt man sich kurz "Was mach ich jetzt?" (lacht) Aber: Einfach aufs nächste Rakoczy-Fest warten.


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