Bad Kissingen
Nachruf

Ehemaliger OB Georg Straus ist tot

Georg Straus ist tot. Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Bad Kissingen starb am Montag im Alter von 87 Jahren. Er wird als Mensch in Erinnerung bleiben, der seine Heimatstadt geliebt und sehr viel für sie bewegt hat.
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Der ehemalige Oberbürgermeister Georg Straus ist tot. Foto: Reinshagen
Der ehemalige Oberbürgermeister Georg Straus ist tot. Foto: Reinshagen

"Etwas bewegen", das war einer jener Sätze, die Straus immer dann sagte, wenn er Bad Kissingen wieder ein Stück nach vorne bringen wollte - ohne dabei die Tradition aus den Augen zu verlieren.

Seine aktive kommunalpolitische Laufbahn begann der CSU-Mann Georg Straus 1972, als er in den Stadtrat gewählt wurde. Bereits 1978 erhielt er das Vertrauen als Fraktionssprecher von CSU/UdV und 2. Bürgermeister. Ab 1984 leitete Georg Straus als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt. Dass es letztlich nur eine Wahlperiode werden würde, hat Georg Straus damals nicht ahnen können.

Hatte sich sein Vorgänger, Dr. Hans Weiß, noch gescheut, die Kanalsanierung in Angriff zu nehmen, Georg Straus packte es an. "Der Umwelt und dem Heilquellenschutz zuliebe", wie er damals selbst sagte. Den endgültigen Abschluss dieser Großmaßnahme durfte er nun nicht mehr erleben.

Auch der Beginn der Altstadtsanierung im Rahmen der Städtebauförderung wird mit dem Namen Georg Straus verbunden bleiben. Sein Ansinnen war es nicht, wie andernorts das Gesicht der Stadt zu verändern, als Bad Kissingen 1987 das Thema aufgriff. Mit Sofortmaßnahmen ging er das Projekt an, mit dem Parkhaus am Theater, der Sanierung von Feuertürmle und Altem Rathaus.


Vater des Kissinger Sommer

Große Verdienste hat sich Georg Straus mit dem Kissinger Sommer erworben. Dieses Kulturfestival war zwar bei seinem Amtsantritt nicht so geplant, doch Straus packte die Gelegenheit beim Schopf und stand eisern zum Kissinger Sommer, als es Anfangsschwierigkeiten zu überwinden galt.

Überhaupt war ihm die Pflege der Kultur ein Anliegen, auch dann, wenn die Stadt nur helfend und fördernd unter die Arme greifen konnte. Der Kissinger Kunst- und Kulturkreis und die Ausstellung "Jüdisches Leben in Bad Kissingen" seien hier als Stichpunkte genannt.

Gerade die Versöhnung der jüdischen Kissinger Bürger, die sich durch Auswanderung oder andere Art vor dem Holocaust hatten retten können, mit ihrer ehemaligen Heimatstadt war ihm ein Herzensanliegen. Georg Straus knüpfte unermüdlich Kontakte zu den Überlebenden, lud sie und ihre Familien zu Besuchen ein. Mit vielen von ihnen verband ihn seitdem eine enge Freundschaft, allen voran mit Nobelpreisträger Jack Steinberger.

Der politische Umgang mit Georg Straus war nicht immer einfach. "Er war sehr selbstbewusst", erinnert sich Christian Zoll (SPD), der Straus im Amt nachfolgte. Aber die politischen Gegner haben sich respektiert. Zoll bezeichnet Straus noch heute als einen Mann, der nach der Ära Dr. Hans Weiß den Neubeginn forderte und mit guten Ideen auch gewagt hat. Neben den bereits genannten Leistungen von Georg Straus nennt Zoll noch den Beginn der Ostring-Erweiterung und die Sanierung des Terrassenschwimmbades. Und die Tatsache, dass Georg Straus den Dialog mit den Bürgern begonnen, erstmals auch konsequent Bürgerversammlungen gehalten hat.
"Georg Straus hat bei den Auseinandersetzungen im Stadtrat immer eine gute Figur gemacht", so Zoll weiter: "Ich habe ihn geschätzt und oft von den Beschlüssen her unterstützen können." Dass aufgrund der Parteizugehörigkeit auch manchmal die Fetzen flogen, verheimlicht Christian Zoll nicht, doch das liege in der Natur der Sache. "Die sechs Jahre seiner Zeit als Oberbürgermeister waren vollgepfropft mit Aufgaben, die sich Straus selbst gesetzt und im Dialog mit den Bürgern entwickelt hat. Alle, die georg Straus kannten, werden seinen Tod schmerzlich empfinden."


Extrem fleißig und mutig

"Wir haben uns immer gut verstanden", sagt der amtierende Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD), der sich erst nach der Amtszeit von Georg Straus politisch engagiert hat. "Deshalb sind wir nie parteipolitisch aneinander geraten." Blankenburg spricht von Straus als einem extrem fleißigen und mutigen Menschen, der schon als 2. Bürgermeister mit großem Engagement für die Stadt gearbeitet und persönliche Opfer gebracht hat: "Es hat viel Mut erfordert, zur damaligen Zeit so etwas wie den Kissinger Sommer durchzusetzen. Die Geschichte hat Georg Straus recht gegeben."

Dass er nach sechs Jahren nicht mehr wiedergewählt wurde, hat Georg Straus nur schwer verarbeitet. Zumal es anfangs auch mehr Unterstützung durch seine CSU bedurft hätte. Doch auch nach seiner Amtszeit hat er die politischen Entwicklungen in Bad Kissingen immer im Auge gehabt.Engagiert hat sich Georg Straus nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern auch in seinem Berufsverband. Der ab 1976 selbstständige Malermeister war unter anderem Obermeister, Vorsitzender der bayerischen Tarifkommission für das Maler- und Lackiererhandwerk und auch auf bundesweiter Verbandsebene tätig. Nach der Wiedervereinigung hat er seine Erfahrung mit großem Erfolg in den neuen Bundesländern eingebracht.


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