Oerlenbach
Interview

Die Gemeinde aktiv vermarkten

Kurz vor der Kommunalwahl: Franz Kuhn (CSU) und Steffen Beutert (Die Überörtliche) stellen sich den Fragen der Saale-Zeitung.
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Das Rathaus von Oerlenbach. Zwei Bewerber wollen Nachfolger von Siegfried Erhard als Bürgermeister werden.  Foto: Paul Ziegler
Das Rathaus von Oerlenbach. Zwei Bewerber wollen Nachfolger von Siegfried Erhard als Bürgermeister werden. Foto: Paul Ziegler
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  1. Was wollen Sie unternehmen, dass in Oerlenbach auch in Zukunft möglichst wenig vom allgemeinen Niedergang der ländlichen Räume zu spüren ist?
Franz Kuhn: Die Attraktivität der Gemeinde insgesamt erhalten und ausbauen sowohl als Wohngemeinde, als auch als Gewerbestandort. Dies gilt für die öffentlichen Einrichtungen wie Kinderkrippe, Kindergarten, Schule und Senioreneinrichtungen gleichermaßen. Ferner gilt es weitere Anreize zu schaffen, die vorhandene Bausubstanz in den Altorten zu nutzen, um dem demografischen Wandel und den Leerstand in diesen Altortbereichen entgegenzuwirken. Aber es sollte auch bauwilligen jungen Familien die Möglichkeit gegeben werden, sich in der Gemeinde niederzulassen, ggf. durch Ausweisung von einzelnen Bauplätzen im Ort, bzw. zur Abrundung der Ortsränder. Der Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Gebieten in unserer Region mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft wird von der Gemeinde allein bei aller Anstrengung aber nicht zu verhindern sein, wir können ihn nur abmildern und verzögern. Dies muß jedem Bewohner des ländlichen Raumes bewußt sein.
Steffen Beutert: Hier werden wir in den kommenden Jahren, auch auf Grund des demographischen Wandels, in Konkurrenz zu anderen Gemeinden treten und müssen unsere Gemeinde aktiv vermarkten. Diese muss attraktiv sein für den Zuzug von neuen Bürgern bzw. muss auch die Möglichkeit schaffen für junge Familien innerhalb der Gemeinde zu bauen. Für die Attraktivität der Gemeinde sind Faktoren wie der Erhalt der Schulen und Kindergärten, Spiel- und Sportmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrsanbindung und Vereinsstrukturen von entscheidender Bedeutung.

2. Wie wollen Sie die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe in Oerlenbach unterstützen?
Kuhn: Das gemeinsame Gewerbegebiet Oerlenbach/Poppenhausen an der A 71 zusammen mit der Gemeinde Poppenhausen weiter vermarkten, nachdem der erste Betrieb mit ca. 80 Beschäftigten in Kürze seine Produktion aufnimmt. Mit weiteren ansiedlungswilligen Betrieben steht die Gemeinde in Verhandlung. Durch die landkreisübergreifende Zusammenarbeit ist die Bewerbung des Gewerbeparks an der A 71 durch zwei Landkreise möglich. Mit dem Gewerbegebiet "Am Kreisel" in Oerlenbach stehen weitere Flächen für Einrichtungen der Nahversorgung zur Verfügung.
Beutert: Die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe wird gelingen wenn wir hier eng mit Stellen wie der IHK, HK oder auch mit der Allianz Oberes Werntal zusammenarbeiten. Die Vorteile der Gewerbegebiete gilt es für potenzielle Interessenten zu publizieren. Dabei denke ich an eine Gewerbesteuer auf moderatem Niveau, die verkehrgünstige Lage mit entsprechender Nähe zu 3 Bundesautobahnen und der Tatsache, dass auch mit dem neuen Gewerbegebiet die entsprechende Infrastruktur bereits vorhanden ist.

3. Inwieweit sollte Ihrer Meinung nach die Großgemeinde Oerlenbach bei der Energiewende Ich mitmachen?
Kuhn: Die Gemeinde Oerlenbach sollte schon ihren Beitrag zur Energiewende leisten und hat dies mit Errichtung einer Fotovoltaikanlage auf der Schule und dem Bau eines Blockheizkraftwerkes mit Hackschnitzel zur Wärmeversorgung der Schule, des Rathauses, des Kindergartens und des Seniorenheimes bereits angegangen. Unter der Federführung der Interkommunalen Allianz "Oberes Werntal" erstellt die Gemeinde Oerlenbach zurzeit ihr eigenes Energiekonzept. Nach Abschluss und Auswertung der Studie gilt es die daraus gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen. Neben der Gemeinde und den Gewerbebetrieben können auch private Haushalte davon profitieren. Die Energieallianz Bayern plant in einem Vorbehaltsgebiet für Windkraft, nördlich der Schwarzen Pfütze auf einer gemeindlichen Waldfläche die Errichtung eines Windparks.
Beutert: Die Gemeinde Oerlenbach sollte "grüner" werden und erneuerbare Energien nutzen, wo dies nicht nur aus umweltpolitischer sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Ich denke hierbei konkret an vorhandene Dachflächen (z. B. auf den Schulen Ebenhausen und Rottershausen) die über eine entsprechende Ausrichtung verfügen, so dass diese für Photovoltaikanlagen geeignet sind. Hier könnten wir selbst genutzten Strom erzeugen und überschüssigen Strom einspeisen und so als Gemeinde unseren Beitrag zur Energiewende leisten.

4. Was wollen Sie unternehmen, damit das Schloss in Ebenhausen eine Zukunft hat?
Kuhn: Für eine denkbare Nutzung des Schlosses wurde von der Gemeinde ein Architektenprojekt in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Auftrag gegeben. Das Landesamt trägt auch die wesentlichen Kosten dieser Studie. Die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten werden gegenwärtig ausgearbeitet und dienen dann als Verhandlungsgrundlage mit eventuellen Interessenten.
Beutert Die Zukunft des Schlosses in Ebenhausen ist aus meiner Sicht ein zweischneidiges Schwert. Wenn wir es sanieren wollten ist dies ein Projekt, welches die Gemeinde finanziell nicht schultern kann. Machen wir jedoch nichts, so lassen wir unsere eigene Geschichte verfallen. Die Lösung sind kleine Schritte um das Schloss in Teilen nutzbar zu machen, wie dies beispielweise in der jüngsten Vergangenheit für Festbetriebe oder die Sternennacht passiert ist. Auch könnte man darüber Nachdenken einen Teilbereich des Wohntraktes für die Bücherei von Ebenhausen herzurichten, da diesen entsprechenden Platzbedarf hätte.

5. Oerlenbach ist im Landkreis Bad Kissingen eine Randgemeinde. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Kuhn Die Randlage an der Landkreisgrenze hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Vorteile, wie bereits angesprochen bei der Vermarktung des gemeinsamen Gewerbegebietes an der A 71 mit der Gemeinde Poppenhausen. Das Gewerbegebiet kann neben den beiden Gemeinden auch von zwei Landkreisen beworben werden. Nachteilig wirkt sich die Randlage z. B. bei den Wahlen zum Kreistag aus, da für eigene Bewerber das Einzugsgebiet der Wähler aufgrund der Landkreisgrenze fehlt.
Beutert Die Lage von Oerlenbach sehe ich als deutlichen Pluspunkt zu anderen Gemeinden im Landkreis. Die Lage zentral zwischen Bad Kissingen und Schweinfurt, aber auch die Nähe zu Hammelburg und Bad Neustadt ist ein Vorteil für Familien deren Arbeitsplätze in getrennte Richtungen liegen. Ebenfalls verfügen wir mit drei Bahnhaltepunkten innerhalb der Gemeinde über eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die in Ebenhausen durch das Zusammentreffen der Schienentrassen deutlich besser ist als in Bad Kissingen selbst.

Die Fragen stellte Heike Paulus.

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